Kommunalwahl in Bayern Seehofer stößt an Grenzen

Seehofers Traum vom Wiederaufstieg der CSU zu alter Größe ist ausgeträumt. Die Wähler haben gezeigt, dass Bayern nicht CSU bedeutet. Damit Normalität einkehrt, waren Überraschungen nötig. Vor allem in Nürnberg, aber auch in München.

Von Frank Müller

Das bayerische Triple ist abgesagt, CSU-Chef Horst Seehofer muss sich damit begnügen, in Bayern nur zweimal gewonnen zu haben. Im vergangenen Jahr war das, bei den Landtags- und Bundestagswahlen. Der dritte Wahlgang innerhalb von nur einem halben Jahr dagegen stellt im Freistaat die Normalität wieder her, und das in vielerlei Hinsicht.

Für Seehofer heißt das Ergebnis der Kommunalwahlen vom Sonntag vor allem, dass sein immerwährender Traum vom Wiederaufstieg der CSU zu alter Größe Grenzen hat. Die CSU hält sich, aber sie schafft keinen dritten Durchmarsch. Nach der Bestätigung in Bund und Land haben die Bürger der CSU gezeigt, dass sie eben nicht identisch ist mit Bayern.

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Diese Wahrheiten lernt Seehofer nun an Stellen, an denen es weh tut. Die Koalition mit dem Bürger hatte der Ministerpräsident monatelang ausgerufen. Nun verweigern sich die Bürger diesem Bündnis genau dort, wo es sie unmittelbar beträfe - in vielen großen Kommunen eben.

In den beiden größten Städten, Nürnberg und wohl auch München, ist der CSU-Angriff auf die SPD-Rathausspitzen gescheitert. Auch in anderen Städten bleibt die CSU im ersten Wahlgang nur zweiter Sieger. Das ist bitter für Seehofer, den Parteimodernisierer, der seine CSU jünger, weiblicher, liberaler machen wollte. Es ist aber auch die Quittung dafür, dass Seehofer im Zweifel stets bereit war, seine eigenen Ziele zu unterlaufen.

Nirgendwo ist die Abfuhr für die CSU herber als in Nürnberg, wo der weiter amtierende Oberbürgermeister, SPD-Sympathieträger Ulrich Maly, nun Zustimmungswerte hat, wie sie zuvor nur Christian Ude in München einfuhr. Anderswo fällt das Ergebnis weniger strahlend aus. Das gilt vor allem für München, wo die seit 1990 amtierende rot-grüne Stadtregierung in Turbulenzen geriet. In der Landeshauptstadt fiel die SPD am Wahlabend gar hinter die CSU zurück. Das noch nicht feststehende Endergebnis könnte sein, dass nur die Hilfe durch Splittergruppen am Ende das rot-grüne Bündnis an der Macht hält.

Vor allem über das Nürnberger Wahlergebnis wird sich Host Seehofer nicht gefreut haben.

(Foto: dpa)

In jedem Fall ist für die Münchner SPD die alte Herrlichkeit, die sich mit Oberbürgermeistern wie Thomas Wimmer und Hans-Jochen Vogel verbindet, vorerst vorbei. Dabei schlug sich ihr OB-Kandidat Dieter Reiter trotz profilloser Auftritte im Wahlkampf am Sonntag sogar noch achtbar. Sein CSU-Gegenkandidat Josef Schmid bemühte sich redlich um das Bild einer liberalen Großstadt-CSU und dürfte am Ende doch nicht über einen Achtungserfolg hinauskommen.

All dies stellt auch in München Normalität wieder her: Reiters Stimmanteil liegt satte 25 Prozentpunkte unter dem, was vor sechs Jahren Ude bekam. Ude hatte Zuspruch weit über seine Partei hinaus, der ist nun weg. Dennoch ist ein Sieg Reiters in der anstehenden Stichwahl wahrscheinlich, weil die Wähler der Grünen trotz aller schwarz-grüner Gedankenspiele zur SPD tendieren dürften. Den Grünen selbst dagegen bleiben durchschlagende Erfolge wie in Baden-Württemberg verwehrt - auch das ist bayerische Normalität.

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