Münchens OB Ude:"Die Arbeit ist getan"

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Münchens OB Ude: Christian Ude feierte nach seiner Stimmabgabe - den St Patricks Day.

Christian Ude feierte nach seiner Stimmabgabe - den St Patricks Day.

(Foto: Stephan Rumpf)

Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren geht Christian Ude an diesem Sonntag nicht mehr als Spitzenkandidat der Münchner SPD zur Wahl. Mit Prognosen hält sich der Oberbürgermeister zurück.

Von Peter Fahrenholz

Die letzten Meter zum Wahllokal geht Christian Ude zusammen mit seiner Frau Edith. Sie hat sich aus Gesundheitsgründen mit dem Auto vorfahren lassen und wartet an der Ecke. Für Ude, den scheidenden Münchner Oberbürgermeister, ist es eine besondere Wahl. Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren ist Ude nicht mehr der Spitzenkandidat und damit das Zugpferd für seine Partei. Und niemand wird ihn am Ende für das Wahlergebnis verantwortlich machen können, weder im Guten noch im Schlechten. "Es ist ein befreiendes Gefühl", sagt Ude, "weil man dem Ausgang der Wahl nicht mehr entgegenzittern muss".

Vor sechs Monaten, bei der Landtagswahl, ist das noch ganz anders gewesen. Da hat Ude als SPD-Herausforderer von Ministerpräsident Horst Seehofer zum ersten Mal das bittere Gefühl einer Wahlniederlage kennengelernt. Und obwohl lange vorher klar war, dass es mit dem ersehnten Machtwechsel in Bayern nichts werden würde, hat der Wahlausgang Ude mehr zu schaffen gemacht, als er zugeben mochte.

Für lange Wochen ist der Oberbürgermeister, der seine Gegner in München stets deklassiert hat, in ein tiefes Loch gefallen. Denn auch das Auffangnetz, das Ude vor der politischen Trübsal hätte bewahren können, ist gerissen: Münchens zweite Olympiabewerbung scheiterte schon, bevor sie recht beginnen konnte, am Votum der Bürger. Ude hat sich danach rar gemacht und in der SPD machte sich schon eine gewisse Beklommenheit breit, ob der Amtsinhaber überhaupt noch einen Finger rühren würde, um seinem Wunschnachfolger Dieter Reiter ins Amt zu helfen.

Doch an diesem Sonntag um kurz nach elf kommt ein sichtlich entspannter Ude zur Wahl. "Die Arbeit ist getan", sagt er. Das gilt in doppeltem Sinn. In der Endphase des Wahlkampfes hat sich Ude doch noch voll für Reiter in die Bresche geworfen. Und das freundliche Echo bei gemeinsamen Auftritten durchaus genossen. Udes Popularität in München ist nach wie vor enorm. Stünde er wieder zur Wahl, würde er trotz der unübersehbaren Ermüdungserscheinungen in der rot-grünen Rathauskoalition erneut zum OB gewählt. Vielleicht nicht mehr so strahlend wie früher, aber immer noch ungefährdet.

Voraussetzungen für erfolgreiches Krisen-Management

Wichtiger für Ude als der Zuspruch im Straßenwahlkampf war aber, dass er sich politisch noch mal zu einer echten Anstrengung aufgerafft hat: Er hat für seinen Nachfolger, wer immer es am Ende wird, die Voraussetzungen geschaffen, um endlich das Debakel mit den städtischen Kliniken in den Griff zu kriegen. Hinter die Leitplanken, die der Sanierungsplan der von Ude ins Boot geholten Unternehmensberater von Boston Consulting in den Boden gerammt hat, wird auch ein neuer Stadtrat nicht zurückfallen können.

Ude spricht von einer "historischen Chance", die nur am Ende einer Amtsperiode möglich gewesen sei, von einem OB, der nicht mehr auf seine Wiederwahl schielen müsse. Jetzt komme es darauf an, das "mächtige Bündnis der Reformgegner" in die Knie zu zwingen. Die Reformgegner, das weiß Ude ganz genau, sitzen vor allem in den beiden großen Parteien. "Ich nehme die Grünen und die FDP ausdrücklich aus", sagt Ude. Rücksichten braucht er keine mehr zu nehmen.

Auch nicht in der Wahlkabine. Ude ist ein bekennender Kumulierer und Panaschierer, er verteilt seine 80 Stimmen auch auf Kandidaten anderer Parteien. "Im Alter wird man geschmäcklerischer", sagt er, "wenn man alle Aktiven kennt, kann man kein Pauschalurteil mehr abgeben". In der Wahlkabine lässt er sich dann entsprechend Zeit. Er lacht laut, als er den riesigen Wahlzettel für die Stadtratswahl auseinanderfaltet. "Das ist ja der Wahnsinn", hört man ihn sagen. Nach etwa sechs Minuten ist Ude fertig.

Eine Prognose traut er sich nicht abzugeben. Es gebe keine verfeindeten Lager mehr, weswegen die Leute insgesamt ehr freundlich auf die Wahlkämpfer reagierten. "In der Gesamtstadt traue ich mir die Stimmung nicht einzuschätzen", sagt Ude, "ich hoffe sehr, dass es Dieter Reiter schafft". Und wenn die CSU den Machtwechsel schafft? "Das wäre nicht nur für mich persönlich schrecklich, sondern auch für die Stadt." Natürlich ist Ude später auch im Kreisverwaltungsreferat dabei, wo die Ergebnisse einlaufen und auf der SPD-Wahlparty. Aber erst einmal kommen auch am Wahlsonntag die ganz normalen OB-Pflichten: Ude fährt zur Leopoldstraße, um mit den Iren den St.Patrick's Day zu feiern.

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