Hypo Alpe Adria: Alltag in Kärnten Eine Hand beschmutzt die andere

Genussregion Kärnten: Wo Haider einst 100-Euro-Scheine verteilte und man anstelle einer Stadtbibliothek lieber eine Fußballarena baut.

Eine Außenansicht von Josef Winkler

Der ehemalige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider hat in Klagenfurt bedürftige und arme Leute zum Amt der Landesregierung hin gelockt und auf der Marmortreppe diesen Menschen, denen es auch durch ihre lebenslange Arbeit nicht gelungen ist, am Wohlstand teilzuhaben, mit der kleinlichen Geste und mit seinen kurzen Armen 100 Euro in die Hände gedrückt.

Und gleichzeitig hat er mit einer maßlos großzügigen Geste und mit einem vergoldeten, langen Arm, gemeinsam mit dem Vorsitzenden der christlichen und auch noch sozialen Volkspartei, Josef Martinz, dem Villacher Steuerberater Dietrich Birnbacher beim Verkauf der Kärntner Hypo-Bank an die Bayern für seine Beratung sechs Millionen Euro zugeschanzt. Der so begünstigte Steuerberater hat die Aktion mit diesen Worten begründet: "Es waren zwei arbeitsintensive Monate!"

Diese Aktion des Landeshauptmanns war eine schwere Demütigung bedürftigen Menschen gegenüber. Aber er hat es vorgezogen, mit diesem Geld aus Landesvermögen, einem Steuerberater, mit dem der christliche und auch noch sozial denkende und fühlende Mensch, Kärntner Spitzen-Politiker und Lourdes-Marien-Wallfahrer, Josef Martinz, befreundet ist, zum Multimillionär zu machen.

Der röm.-kath. Josef Martinz, den man oft bei Werbeeinschaltungen in Zeitungen - "Genussregion Kärnten" - mit einer Holzplatte in der Hand sieht, auf der er Kärntner Speck und Kärntner Selchwürste präsentiert und der deshalb von vielen Leuten "Brettl-Jausn-Sepp" genannt wird, hat vor über einem Jahr einen schweren Verkehrsunfall überlebt und nach seiner Genesung demutsvoll erzählt, dass ihm die "Lourdes-Mitzi" bei diesem Unglück das Leben gerettet hat.

Ein Stadion, aber keine Stadtbücherei

In Klagenfurt, in einer Stadt mit 100.000 Einwohnern, haben größenwahnsinnige Politiker - selbstverständlich war auch der inzwischen Verstorbene dabei - für viereinhalb Stunden Fußball, die drei Spiele der Europameisterschaft 2008, ein Stadion mit 30.000 Sitzplätzen bauen lassen, das 70 Millionen Euro gekostet hat. Jetzt steht der Krempl da, und sie wissen nicht so recht, was sie damit anfangen sollen, damit sich auch die laufenden Kosten dieses Ungeheuers aus Stahl in dieser Kleinstadt rentieren.

Die Universitätsstadt Klagenfurt hat außerdem seit dem Zweiten Weltkrieg keine Stadtbibliothek, seit also mehr als 60 Jahren nicht. Das ist europaweit einzigartig. Und ich fürchte auch, dass diese das Land Kärnten regierenden politische Banditen gar kein Interesse haben, dass sich die jungen Menschen auch außerhalb der Schule weiterbilden und vielleicht sogar - Gott behüte! - zu kritisch denkenden, diese Art von ausbeuterischer Politik verachtenden Menschen werden.

Jeder zweite nicht mehr in die Schule gehende Jugendliche hat keine Arbeit, aber anstatt endlich eine Stadtbibliothek zu bauen oder dieses Geld zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu verwenden, hat man mit einem zentnerschweren Goldklumpen die Brieftasche dieses Villacher Steuerberaters aufgefettet; für sechs Millionen Euro bekommt man 280 Kilogramm reines Gold.

Der jetzige Landeshauptmann, der auf der Blutsuppe von Jörg Haider dahergeschwommen ist, hat sich ebenfalls vor Weihnachten auf die Marmortreppe des, wie es so schön heißt, Amtes der Kärntner Landesregierung gestellt und hat die Bedürftigten mit lächerlichen 100 Euro abgespeist, dieser Nachfolger, der auch mehrfach der Öffentlichkeit mitgeteilt hat, dass er sich am allerliebsten im Wald bei Holzfällerarbeiten aufhält und der den Klingelton seines Handys auf ein Motorsägengeräusch gestellt hat. Er hebt ab und sagt: "Dörfla!"

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