Lange wurde geschwiegen. Doch nachdem neue Fragen im Fall des erschossenen Tennessee Eisenberg aufgetaucht sind, reagiert auch endlich die Politik.
Nachdem ein zweites Gutachten im Fall Eisenberg vorliegt, hat die FDP politische Konsequenzen angekündigt. Die bayerische Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte der SZ, dass mit Blick auf die Ermittlungsarbeit nicht zur Tagesordnung übergangen werden könne.
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Tennessee Eisenberg: Er starb im Kugelhagel. (© Screenshot: www.tennessee-eisenberg.de)
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Ein privates Gutachten, das im Auftrag der Familie erstellt wurde, zeigte auf, dass die tödlichen Polizeischüsse auf den Regensburger Musikstudenten Tennessee Eisenberg wohl erst zu einem Zeitpunkt fielen, als keine Notwehrsituation mehr gegeben war. Tennessee Eisenberg war am 30. April bei einem Polizeieinsatz erschossen worden. Die Beamten hatten offenbar in zwei Schussphasen 16 Mal auf ihn gefeuert. Auch diese Abfolge ist erst durch das Gutachten der Universität Münster ans Tageslicht gekommen.
"Es gibt mir sehr zu denken, dass es eines zweiten, privaten Gutachtens bedurfte, um diesen Vorfall zu klären", sagte Leutheusser-Schnarrenberger. Aufklärung sei eigentlich nicht Aufgabe der Angehörigen. Sie wolle jetzt mit dem Justiz- und dem Innenministerium gemeinsam den Fall nacharbeiten. "Es geht dabei um Fragen, wie sichert man künftig Beweise und wann sollten externe Spezialisten eingesetzt werden", sagte die FDP-Politikerin.
Sie betonte, im Fall Eisenberg seit vielen Wochen mit dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in Kontakt zu stehen. "Er legt wohl, genau wie ich, größten Wert auf eine Aufklärung", sagte Leutheusser-Schnarrenberger. Allerdings könne und solle sich die Politik nicht in einzelne Justizangelegenheiten einmischen.
Die Staatsanwaltschaft Regensburg hatte angekündigt, das neue Gutachten sorgfältig zu prüfen und dann zu entscheiden, ob gegen die Polizeibeamten Anklage wegen Totschlags erhoben wird. Justizministerin Beate Merk (CSU) erklärte am Freitag, die Justiz nehme den Fall "sehr ernst". Deshalb habe die Staatsanwaltschaft das Privatgutachten auch abgewartet.
Die innenpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Susanna Tausendfreund, kündigte einen parlamentarischen Fragenkatalog an. Die Fraktion wolle zudem erreichen, dass der Staat die Kosten des zweiten Gutachtens übernimmt. "Das wäre schließlich Aufgabe der polizeilichen Ermittlungen gewesen", sagte Tausendfreund.
Sie kritisierte auch die anfängliche Ermittlungsarbeit, die ein Rechtsanwalt der Familie Eisenberg als "überraschend schnell" charakterisiert hatte. "Wenn schlampig ermittelt worden ist, muss jemand verantwortlich sein. Und dann muss das Konsequenzen haben."
Für die SPD sagte die Regensburger Landtagsabgeordnete Margit Wild: "Der Eindruck von überforderten Polizeibeamten hat sich bei mir verfestigt." Mögliche Defizite in Ausbildung und Training müssten im Landtag zur Sprache kommen.
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(SZ vom 19.09.2009/segi)
Entspannter Vierbeiner
Die neueste Antwort
@GuenterLdn
Ich möchte nur kurz auf eine Sache eingehen: Sie behaupten Tennessee E. hätte eine Gefahr für andere Menschen dargestellt?
Er war etwa 10 Minuten _alleine_ im Haus bis die Polizei eintraf und selbst dann hat er keinen einzigen Polizisten angegriffen ( ! ) - das geht aus den Polizeiaussagen hervor (Keine Hieb- oder Stichbewegungen, Messer immer an der Hüfte und sehr langsame Vorwärtsbewegung). Das einzige, was man ihm in dieser Situation vorwerfen kann, ist, dass er auf Aufforderung das Messer nicht hat fallen lassen.
Von einer Bedrohung für andere Menschen kann also keinesfalls die Rede sein.
... beschreiben ein Geschehen immer nur unzureichend. Die Spuren, die von Feuerwaffen stammen, chemikalische, physische, biologische Spuren, deren zeitliche Einordnung, die Erörterung von polizeilichen Maßnahmen, deren Sinn- oder Unsinnhaftigkeit entlang eines konkreten Geschehens zu bewerten - all dies sind Gegenstände gutachterlicher Tätigkeit.
Gutachter haben Fachwissen, aufgrunddessen sie geeignet scheinen, die gesicherten Spuren zu bewerten, die Abfolge eines Geschehens zu interpretieren und dadurch Fragen, die sich daraus ergeben, zu stellen, weitere Ermittlungen einzufordern.
Schuld und Unschuld an einem solchen Geschehen zu erklären - zumal es mit dem Tod eines Menschen endete - ist dann Sache eines unabhängigen öffentlichen Gerichts, des Anklägers, der Verteidiger der Richter und ihrer Verhandlung, die mit dem Urteil "Im Namen des Volkes" endet.
Wir kommentieren hier das Abbild des Geschehens, dass uns Journalisten mithilfe ihrer eigenen Ermittlungen berichten. Und natürlich nehmen wir - das Publikum - Partei. Je nach Vorbildung und emotionaler Betroffenheit mehr oder weniger lautstark für die eine, die andere oder eine dritte Seite.
Insoweit ist es - im augenblicklichen Stand der Dinge - völlig rechtens, seine Meinung abzugeben, lautstark die bayerische oder die Regensburger Polizei, die sich äußernden Staatsanwälte, den sich äußernden Bayerischen Minister des Innern, und andere Politikerinnen und Politiker und die hier versammelten Kommentatorinnen und Kommentatoren und ihre Aussagen anzuzweifeln, in Frage zu stellen, blöd zu finden, für fachlich ungeeignet zu halten, inhaltlich an die Wand zu werfen, verbal zu verprügeln und was dergleichen mehr ist.
Bei alldem sollten wir aber nicht vergessen, dass ein Mensch zu Tode gekommen ist, seine Angehörigen trauern und auch wütend Aufklärung verlangen, genauso, wie es Polizisten gibt, die versuchen müssen, mit dem von ihnen verursachten Tod eines Menschen klarzukommen und wie es eine Öffentlichkeit gibt, die aus guten Gründen möchte, dass dieser Tod, seine Ursachen und Verantwortlichkeiten minutiös aufgeklärt werden, letztlich Schuld und Unschuld am Tode Tennessee Eisenbergs restlos und rechtlich erklärt werden.
Darum geht es!
... beschreiben ein Geschehen immer nur unzureichend. Die Spuren, die von Feuerwaffen stammen, chemikalische, physische, biologische Spuren, deren zeitliche Einordnung, die Erörterung von polizeilichen Maßnahmen, deren Sinn- oder Unsinnhaftigkeit entlang eines konkreten Geschehens zu bewerten - all dies sind Gegenstände gutachterlicher Tätigkeit.
Gutachter haben Fachwissen, aufgrunddessen sie geeignet scheinen, die gesicherten Spuren zu bewerten, die Abfolge eines Geschehens zu interpretieren und dadurch Fragen, die sich daraus ergeben, zu stellen, weitere Ermittlungen einzufordern.
Schuld und Unschuld an einem solchen Geschehen zu erklären - zumal es mit dem Tod eines Menschen endete - ist dann Sache eines unabhängigen öffentlichen Gerichts, des Anklägers, der Verteidiger der Richter und ihrer Verhandlung, die mit dem Urteil "Im Namen des Volkes" endet.
Wir kommentieren hier das Abbild des Geschehens, dass uns Journalisten mithilfe ihrer eigenen Ermittlungen berichten. Und natürlich nehmen wir - das Publikum - Partei. Je nach Vorbildung und emotionaler Betroffenheit mehr oder weniger lautstark für die eine, die andere oder eine dritte Seite.
Insoweit ist es - im augenblicklichen Stand der Dinge - völlig rechtens, seine Meinung abzugeben, lautstark die bayerische oder die Regensburger Polizei, die sich äußernden Staatsanwälte, den sich äußernden Bayerischen Minister des Innern, und andere Politikerinnen und Politiker und die hier versammelten Kommentatorinnen und Kommentatoren und ihre Aussagen anzuzweifeln, in Frage zu stellen, blöd zu finden, für fachlich ungeeignet zu halten, inhaltlich an die Wand zu werfen, verbal zu verprügeln und was dergleichen mehr ist.
Bei alldem sollten wir aber nicht vergessen, dass ein Mensch zu Tode gekommen ist, seine Angehörigen trauern und auch wütend Aufklärung verlangen, genauso, wie es Polizisten gibt, die versuchen müssen, mit dem von ihnen verursachten Tod eines Menschen klarzukommen und wie es eine Öffentlichkeit gibt, die aus guten Gründen möchte, dass dieser Tod, seine Ursachen und Verantwortlichkeiten minutiös aufgeklärt werden, letztlich Schuld und Unschuld am Tode Tennessee Eisenbergs restloch erklärt werden.
Darum geht es!
... sind die Besserwisser wieder unterwegs und ganz schnell dabei, anhand von Theorien irgendwelche Hypothesen zu erstellen.
@hinterbayer: Parabellum Munition ist dazu entwickelt worden, eben nicht tödliche Verletzungen hervorzurufen. Vielmehr sollte diese Art der Munition lediglich zu mittelschweren Verletzungen führen, damit im Krieg viele Kräfte damit gebunden sind, Verletzte zu bergen und zu versorgen. Da Parabellum-Munition (Hartmantelgeschoß) eine sehr geringe Mann stoppende Wirkung zeigt, ist diese Munition für den polizeilichen Einsatz denkbar ungeeignet.
Mit einem sehr fähigen Ballistiker haben Sie sich da unterhalten...
Die anderen Äußerung wie "auf Zeit spielen" zeigt, daß Sie wirklich nicht wissen, über was Sie da eigentlich schreiben. Die Zeit bleibt bei einer Person im psychischen Ausnahmezustand mit einem Küchenmesser nicht!!!
Ab welchem Zeitpunkt, hätten die Polizisten schießen dürfen? Nach dem ersten, zweiten oder dritten getöteten Kollegen???
Herr Eisenberg hat seinen Tod selbst zu verantworten, so tragisch dies auch erscheinen mag.
Wer schreibt "Insofern ist sein Tod sicher sehr bedauerlich, aber er ist kein unschuldiges Opfer, sondern hat sich das im Wesentlichen selbst zuzuschreiben" muss beinahe sämtliche Fakten verdrängt haben.
Dass eine polizeiliche Streitmacht, mti wirkungsvollen Schußwerkzeugen bewaffnet, regelrecht eine Salve abgeben muss, um ihr eigen Leib & Leben zu retten, ist derart abenteuerlich, dass man es kaum glauben mag.
Wie ist es mit der Ausbildung und der daraus folgenden Schießkunst bestellt? Wie auch mit der psychologischen Ausbildung? Der Verdacht, dass einen oder mehrere Beamte die Wut übermannt haben könnte, liegt nahe. Und wenn dem so ist, dann weiß das auch der Betreffende - und wird diese Last sein Leben lang nicht mehr los.
Was die Qualität der Personalführung betrifft, so gibt auch der nur scheinbar anders gelagerte Fall es Ansbacher Amokläufers zu denken. War es angesichts der polizeilichen Übermacht wirklich nötig, diesen jungen Menschen beinahe zu töten (und wahrscheinlich zum Krüppel zu schießen)? Auch hier wird sich der Beamte nach einer gewissen Zeit schuldig fühlen und sich fragen - warum habe ich nicht eine Schulter oder ein Knie getroffen?
Es war wieder einmal so: die machthabende Politik hat nach einem Unglück viel versprochen und nichts Entscheidendes gebessert.
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