Ermittlungen Ein Zugunglück wie in Bad Aibling könnte sich wiederholen - befürchtet die Polizei

Bei dem Unglück Anfang Februar starben elf Menschen, mehr als 80 wurden verletzt.

(Foto: AP)
  • Die Behörden haben bislang keine Anhaltspunkte für technische Probleme.
  • Sie schließen diese zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber auch nicht aus.
  • Damit widersprechen die Behörden Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).
  • Herrmann hatte dem zuständigen Fahrdienstleiter unter Verweis auf die Ermittlungen die alleinige Verantwortung für den Unfall zugewiesen.
Von Markus Balser

Sieben Wochen nach dem Zugunglück von Bad Aibling werden neue Details des tödlichen Unfalls bekannt. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob es Probleme bei der Abwicklung des Notrufs gegeben hat. Dies sei Gegenstand der Ermittlungen, teilte die Behörde am Dienstag in Traunstein mit. Polizei und Staatsanwaltschaft befürchten offenbar, dass sich ein ähnlicher Vorfall wiederholen könnte.

Bereits in der vergangenen Woche sei die Bahn vor einer "Fehlerquelle bei der Abwicklung des Funkverkehrs bei Notrufen der Fahrdienstleiter" gewarnt worden, heißt es. Die Warnung bezieht sich auf die vergeblichen Versuche des zuständigen Fahrdienstleiters, die Kollision zweier Regionalzüge in letzter Sekunde zu verhindern.

Der Bahn-Mitarbeiter hatte kurz vor dem Zusammenprall einen Notruf an die Lokführer der beiden Züge abgesetzt. Möglicherweise hat er aber zunächst die Tasten verwechselt und konnte die Warnung erst im zweiten Versuch absetzen. Ziel sei nun die "Vermeidung folgenschwerer Fehler bei der Bedienung der Funkgeräte", erklärten die Behörden. Die Deutsche Bahn machte zunächst keine Angaben.

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Nach Ansicht der Ermittler ist menschliches Versagen die wahrscheinlichste Ursache des Unglücks, im Fokus steht der diensthabende Fahrdienstleiter. Die Behörden haben bislang keine Anhaltspunkte für technische Probleme. Sie schließen diese zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber auch nicht aus.

So lässt die Staatsanwaltschaft zum Beispiel prüfen, ob es ein Funkloch auf der Strecke gab, das die rechtzeitige Warnung der Lokführer verhindert haben könnte. "Eine abschließende Bewertung ist nach wie vor nicht möglich", sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese.

Behörden widersprechen Bayerns Innenminister Herrmann

Auch die Ermittlungen der Unfalluntersuchungsstelle des Bundes dauern an. "Neben den betrieblichen Abläufen werden auch die technischen Aspekte noch untersucht. Dazu gehört auch die Einrichtung und Handhabung des Zugfunks in Bad Aibling", so das Eisenbahn-Bundesamt.

Damit widersprechen die Behörden Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Der hatte ebenfalls am Dienstag via Bild-Zeitung dem zuständigen Fahrdienstleiter unter Verweis auf die Ermittlungen die alleinige Verantwortung für den Unfall zugewiesen: "Es war eine ganz besonders tragische Verkettung von gleich zwei Fehlleistungen", sagte Herrmann.

Nachdem der Mann die eingleisige Strecke für zwei Züge gleichzeitig freigegeben hatte, habe er einen Warn-Funkspruch an die beiden Lokführer schicken wollen. Dabei habe er jedoch fälschlicherweise andere Fahrdienstleiter alarmiert. Erst durch die Rückmeldungen der Kollegen sei ihm der Fehler aufgefallen.

Bei dem Unglück Anfang Februar starben elf Menschen, mehr als 80 wurden verletzt. Es gelte nun zu klären, warum das Unglück nicht vermieden werden konnte, kündigte Oberstaatsanwalt Giese an. Auch ein Sprecher der Eisenbahngewerkschaft EVG forderte Konsequenzen und mahnte eine rasche Aufklärung der Vorgänge im Sinne von Passagieren und Mitarbeitern an.

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