Berufserlaubnis "Die Patienten haben ein Recht darauf, ihren Arzt zu verstehen"

  • Ausländische Ärzte müssen für eine Berufserlaubnis auch einen Sprachtest ablegen.
  • Dies ist seit knapp einem Jahr so Vorschrift, das Niveau C 1 muss erreicht werden. Zuvor reichte eine Bescheinigung über B 1.
  • Vergangenes Jahr fiel mehr als die Hälfte der Prüflinge durch.
Von Dietrich Mittler

Bevor Ärzte aus dem nicht deutschsprachigen Ausland in Bayern eine Berufserlaubnis oder die ärztliche Approbation bekommen, müssen sie seit einiger Zeit einen anspruchsvollen Deutschtest bestehen. Die Auswertung der bisherigen Prüfungsergebnisse fällt aber aus Sicht der Bayerischen Landesärztekammer ernüchternd aus: Im Vorjahr haben mehr als die Hälfte der 510 geprüften Mediziner den Test nicht bestanden. Nur 244 Prüflinge hätten die hohen Anforderungen erfüllt. "Arzt und Patient müssen sich verständigen können - und das darf nicht an Sprachbarrieren scheitern", sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml am Dienstag.

Wie Max Kaplan, der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, betonte, erschweren die festgestellten sprachlichen Lücken insbesondere die Kommunikation zwischen den Ärzten. Hier fehle es offensichtlich etlichen ausländischen Kollegen und Kolleginnen an medizinischen Fachbegriffen, um das "vom Patienten vorgetragene Beschwerdebild" professionell im Kollegenkreis weitergeben zu können. Auch die Qualität der schriftlichen Berichte über das Krankheitsbild der Patienten und deren gesundheitliche Vorgeschichte blieben häufig unter den geltenden Standards.

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"Die Patienten haben ein Recht darauf, ihren Arzt zu verstehen", sagte Kaplan. Und das Kollegium wiederum sei darauf angewiesen, "dass jeder Arzt im Krankenhaus oder in der Praxis nach entsprechender Einarbeitung in der Lage ist, einen Arztbrief zu schreiben oder wichtige Dokumentationspflichten zu erfüllen".

Im vergangenen Jahr haben nach Angaben der Landesärztekammer ausländische Mediziner aus 92 unterschiedlichen Nationen um eine Berufserlaubnis ersucht, beziehungsweise sich zum Sprachtest angemeldet. Bei den Herkunftsländern lag Syrien laut Kaplan "klar vorn", gefolgt von Rumänien und Serbien.

"Ich bin froh, dass wir mit der Bayerischen Landesärztekammer den idealen Partner gewonnen haben", sagte Ministerin Huml. Vor dem 1. April 2017 reichte es für ausländische Ärzte und Ärztinnen zum Erhalt der Berufserlaubnis aus, eine Bestätigung vorzulegen, dass ihr Sprachniveau die Anforderungen für den Standard B 2 erfüllt. Nach den Kriterien, die auch das Goethe-Institut anwendet, können sie damit "die Hauptinhalte komplexer Texte zu konkreten und abstrakten Themen verstehen". Wie seitens von verantwortlichen Klinikmitarbeitern zu hören ist, zeigte die Praxis aber, dass in einigen Fällen vorgelegte Bestätigungen - ausgestellt von kommerziellen Sprachinstituten - "gekaufte Zertifikate" waren.

Beim nun obligatorischen Sprachtest der Landesärztekammer ist Betrug ausgeschlossen. Laut Kaplan müssen "die Deutschkenntnisse der Kollegen nun dem Niveau C 1 entsprechen, und das ist immerhin die zweithöchste Qualifikation". Kaplan glaubt indes, dass die Ärzte aus dem Ausland für die Verbesserung ihrer Sprachkompetenz zudem auf die Hilfe deutscher Kollegen angewiesen sind. Er appellierte an die Personalverantwortlichen der Kliniken, aus dem Ausland stammende Mediziner hier künftig stärker zu unterstützen.

Aktuell arbeiten in Freistaat gut 7700 ausländische Ärzte am Patienten. Das sind in etwa zwölf Prozent aller berufstätigen Mediziner in Bayern. Insbesondere in Kliniken gelten sie als eine willkommene Verstärkung. "Deutschsprachige Ärzte zu bekommen, ist nicht mehr so einfach. Deshalb gehen wir auch im Ausland auf Personalsuche", teilte der Ärztliche Direktor eines kleines Landkrankenhauses auf Nachfrage mit. Weit müssen Krankenhausmanager deshalb nicht reisen. "Wir kriegen massenhaft Bewerbungen aus dem Ausland, da könnten wir viele einstellen", hieß es. Namentlich genannt sein will mit solchen Aussagen keiner - aus der Sorge heraus, das könne dem Image des Hauses eventuell schaden.

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