Medizin Was die LMU gegen den Hausärztemangel unternehmen will

Maximilian Gradel ist überzeugt davon, dass man die praktische Arbeit als Hausarzt auch mit der Wissenschaft verbinden kann.

(Foto: Robert Haas)
  • Die Ludwig-Maximilians-Universität hat ein einzigartiges Projekt gestartet, um die Strukturen für Hausärzte zu verbessern.
  • Ausgewählte Nachwuchsmediziner absolvieren eine fünfjährige Ausbildung zum Hausarzt. Drei Jahre davon arbeiten sie auf verschiedenen Stationen in der Klinik, zwei weitere in einer Praxis.
Von Inga Rahmsdorf

Christine Fertig macht ihre Facharztausbildung zur Allgemeinmedizinerin. Die 32-Jährige kann sich vorstellen, später einmal als Hausärztin in einem ländlichen Gebiet zu arbeiten. Nicht als Einzelkämpferin, sondern eher in einer Gemeinschaftspraxis mit Kollegen. Sie schätzt an dem Beruf, dass man als Hausarzt auch Ansprechpartner und Vertrauensmensch für die Patienten ist.

Maximilian Gradel hat sich auch für die Allgemeinmedizin entschieden. Obwohl der 27-Jährige das anfangs im Studium nicht vorgehabt hatte. Doch als Hausarzt sei man nah dran am Menschen, habe einen intensiven persönlichen Kontakt und begleite die Patienten auch über lange Zeiträume. Ob er sich einmal mit einer Praxis niederlassen möchte, weiß er noch nicht. Gradel ist aber überzeugt davon, dass man die praktische Arbeit als Hausarzt auch mit der Wissenschaft verbinden kann. "Allgemeinmedizin ist keine Kräuterkunde, sondern eine evidenzbasierte Medizin wie andere Fachrichtungen auch", sagt der Mediziner.

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Christine Fertig und Maximilian Gradel sind zwei von fünf Teilnehmern, die an einem neuen Projekt der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) teilnehmen, das "Hausarzt 360"-Grad heißt und in dieser Form wohl bisher einmalig ist.

In vielen Regionen Deutschlands fehlen Hausärzte, Praxen stehen leer und auch im Großraum München sind Allgemeinmediziner zum Teil so überlaufen, dass man lange auf einen Termin warten muss oder keine neuen Patienten mehr aufgenommen werden. Das sind nur einige Herausforderungen der hausärztlichen Versorgung, die in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen werden. Aber wie lässt sich die Situation verbessern? Und wie muss sich die Allgemeinmedizin in Zukunft entwickeln? Das sind Fragen, mit denen sich junge Mediziner auseinandersetzen sollten, fordert Jochen Gensichen, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der LMU. Daher hat der Professor gemeinsam mit seiner Kollegin Caroline Jung-Sievers das Projekt entwickelt.

Damit künftige Hausärzte auch das Wissen und die Fähigkeiten haben, ihren Fachbereich voranzubringen, nach Lösungen zu suchen, ihre Forderungen politisch einzubringen, wissenschaftliche Analysen zu erstellen, sich Gedanken über die Qualifizierung zu machen, leitet Gensichen seit November das Projekt, an dem auch Fertig und Gradel teilnehmen. "Den Landärztemangel werden wir damit nicht lösen", sagt Gensichen. "Aber die jungen Mediziner werden sich Gedanken über den Landärztemangel machen."