Augsburg Vier Männer verkaufen Grabsteine illegal weiter und werden verurteilt

Mit Grabsteinen machten die Angeklagten ein gutes Geschäft.

(Foto: Jens Kalaene/dpa)
  • Drei Mitarbeiter eines Augsburger Friedhofs und der Inhaber eines Steinmetzbetriebs sind wegen gemeinschaftlichen Betrugs zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.
  • Die Verurteilten boten Grabräumungen unter der Hand an und schafften Grabsteine zur Seite, um sie weiter zu verkaufen.
  • Der Gesamtschaden liegt laut Anklage bei rund 15 000 Euro.
Von Christian Rost, Augsburg

Sie boten Grabräumungen unter der Hand an und schafften Grabsteine zur Seite, um sie dann auf eigene Rechnung weiter zu verkaufen. Drei Mitarbeiter des Augsburger Nordfriedhofs und der Inhaber eines Steinmetzbetriebs sind am Montag wegen gemeinschaftlichen Betrugs zu Freiheitsstrafen von neun bis 21 Monaten verurteilt worden, die jeweils zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Das Verfahren gegen den ehemaligen Leiter des Friedhofs und einen weiteren Friedhofsangestellten trennte das Schöffengericht am Augsburger Amtsgericht ab. Weil die beiden Männer die Vorwürfe der Anklage zurückweisen, müssen sie sich zu einem späteren Zeitpunkt einem Prozess stellen. Genau im Blick behalten dürfte das die örtliche CSU, zumal der frühere Friedhofschef zeitweise Vorsitzender des Innenstadt-Ortsverbandes war. Auch einige andere Angeklagten waren im CSU-Vorstand engagiert. Sie mussten ihre Ämter wegen der Friedhofsaffäre ruhen lassen.

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Die vier geständigen Angeklagten indes räumten ein, dass sie auf dem Friedhof nebenher Geld verdient und damit die Stadt Augsburg finanziell geschädigt haben. Der Gesamtschaden liegt laut Anklage bei rund 15 000 Euro. Die Angestellten des städtischen Friedhofs boten Grabinhabern und Angehörigen von Verstorbenen an, Grabauflösungen zu einem günstigeren Preis als etwa ein Steinmetzbetrieb zu erledigen.

Laut einer Anweisung aus dem Friedhofsamt im Jahr 2011 dürfen die Angestellten nur noch in Ausnahmefällen diese Arbeiten vornehmen: Wenn die Kosten für das Grab vom Sozialamt getragen werden oder wenn es keinen Grabinhaber mehr gibt. Darüber setzten sich die Arbeiter hinweg und boten in 13 Fällen Privatleuten an, die Räumung zu übernehmen. Dafür kassierten sie Beträge von 80 bis 350 Euro.

Die illegalen Nebenjobs verrichteten sie während ihrer Dienstzeit. Dem nicht geständigen ehemaligen Friedhofsleiter wirft die Staatsanwaltschaft vor, seine Mitarbeiter gedeckt und bei den dubiosen Nebengeschäften "tatkräftig mitgewirkt" zu haben. So soll er im sogenannten Abräumbuch vermerkt haben, dass in diesen Fällen die Inhaber die Gräber selbst abgeräumt hätten. Der Mann bestreitet das und sagt, von den "Mauscheleien" seiner Untergebenen habe er nichts gewusst.

Auf dem Nordfriedhof soll es auch einen schwunghaften Handel mit gebrauchten Grabsteinen gegeben haben. Wenn Gräber aufgelöst werden, kommen die Steine und Grabumrandungen üblicherweise zur Entsorgung in ein Kieswerk. Die Kosten dafür übernimmt die Stadt. In acht Fällen wurde das Material aber unter der Hand weiterverkauft. Einmal kostete ein Stein 1600 Euro, ein andermal sogar 2700 Euro. Das Geld - insgesamt 9150 Euro - sollen der Friedhofsleiter und einer seiner Mitarbeiter kassiert haben. Laut Anklage hatte er auch selbst Angebotsvorschläge für die gebrauchten Grabsteine unterbreitet.

Der Steinmetz bereicherte sich auf andere Weise. Sein Betrieb war dafür zuständig, Schäden an den Gräbern zu reparieren, die durch Friedhofsmitarbeiter versehentlich bei ihrer tagtäglichen Arbeit verursacht wurden. Entsprechende Rechnungen stellte er an die Stadt Augsburg. In 15 Fällen allerdings nahmen nicht Mitarbeiter des Steinmetzbetriebes die Reparaturarbeiten vor, sondern Angestellte des Friedhofs. Die Rechnungen beliefen sich auf Beträge von 195 bis 380 Euro - insgesamt überwies die Stadt an den Betrieb rund 4500 Euro.

Die Verteidiger der vier geständigen Angeklagten forderten in ihren Plädoyers Freisprüche oder allenfalls Geldstrafen. Ihre Mandanten hätten zwar "gemauschelt", aber keine Straftaten begangen. Das Gericht sah dies anders und folgte der Staatsanwaltschaft, die Freiheitsstrafen verlangt hatte. Ein Termin für den Prozess gegen die beiden übrigen Angeklagten steht noch nicht fest.

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