Aigner und Söder in Nürnberg Niedergeröhrt vom Platzhirsch

Faktensicher: Ilse Aigner unterläuft in Franken kein Fehler - und doch bleibt ihr Auftritt blass.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)
  • Vier bayerische Minister sind zum "Nordbayern-Dialog" nach Nürnberg gekommen, um sich mit Vertretern der fränkischen Wirtschaft auszutauschen.
  • Insgeheim geht es bei diesem Treffen aber auch um eine Art Schaulaufen für die Seehofer-Nachfolge.
  • Kritisch beäugt wurde vor allem die Rede von Ilse Aigner, weil sie sich in Nürnberg im Wahlbezirk von Markus Söder befindet.
Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Braucht es diese Veranstaltung? Die "Nordbayern-Initiative" der Staatsregierung wurde vor einem Jahr vorgestellt, da blieben eigentlich keine Fragen offen. Diesmal geht es um den "Nordbayern-Dialog", der die Nordbayern-Initiative noch mal ins rechte Licht rücken soll. Nicht weniger als vier Minister sind zu diesem Zweck ins Messezentrum nach Nürnberg gekommen.

Offenbar um Vertretern der fränkischen Wirtschaft noch mal zu erklären, dass es gut für sie ist, wenn 600 Millionen Euro in ihre Region fließen. Überraschenderweise hegt daran keiner Zweifel im Saal. Aber hört man den Gästen zu, geht es ohnehin um anderes an diesem Tag in Nürnberg: Wie schlägt sich Ilse Aigner in Söder-City unter den Augen des Platzhirsches? Und wie sehr gelingt es dem Finanzminister, die Wirtschaftsministerin bei der großen Kronprinzen-Show auf heimischem Boden schlecht aussehen zu lassen?

Die Franken-Bezirke stimmen bei Aigner, die Redebausteine auch

Aigner beginnt mit dem Schaulaufen. Es ist eine dieser Reden, an der vermutlich keiner etwas auszusetzen hat. Alle Fakten stimmen, 56 Projekte in Nordbayern, die Ministerin verlegt Aschaffenburg nicht nach Oberfranken. Die Franken-Bezirke stimmen, die Redebausteine auch: permanenter Flankenschutz für die strukturschwächeren Regionen, Riesenschritte, wuchtige Initiative, solche Sachen. Alles richtig, sämtliche neuen Gründerzentren, alle Polymerinstitute und Technologieallianzen und Innovationsnetzwerke liegen in der richten Stadt, das ist wichtig und gar nicht so einfach in Franken. Am Ende ist der Applaus trotzdem dünn und enden wollend.

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Markus Söder muss 70 Minuten warten, bis er erstmals zu Wort kommt, es geht ja um Initiativen hauptsächlich aus dem Hause Aigner. Und vor Söder dürfen erst noch fünf örtliche Wirtschaftsvertreter ihre Wunschzettel vortragen. Dann soll eigentlich debattiert werden auf dem Podium, die beiden Hauptkronprinzen plus Innenminister Joachim Herrmann plus Bildungsminister Ludwig Spaenle. Bei der Gelegenheit nimmt sich Söder für seinen ersten Wortbeitrag einfach mal elf Minuten Zeit, die Moderatorin findet das offenbar absolut nachvollziehbar und möchte lieber nicht unterbrechen.

"Das hat die Ilse vorhin sehr schön dargestellt"

Söder spricht von derselben Sache wie Aigner, nur klingt es bei ihm nach permanenter Bewerbungsrede, nicht nach auswendig gelerntem Schulreferat: digitale Autobahnen, keine Kieswege! Die Kraft liegt in der Vernetzung! Franken liegt nicht am Rand von Bayern, sondern in der Mitte von Europa! Der Saal jubelt schon, noch bevor Söder zu seinem schmerzhaftesten Trumpf greift. Er lobt Aigner. Und zwar so: "Das hat die Ilse vorhin sehr schön dargestellt." Eben wie in der Schule.

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Die so Gelobte lächelt süßsauer und verschränkt die Arme. Die ganze Veranstaltung läuft in etwa so schlecht für Aigner, wie die meisten das erwartet haben dürften im Saal. Sie verheddert sich noch in einen Wortwechsel mit einem erregteren Wissenschaftler aus Franken, Söder steht breitbeinig daneben und will gar nicht mehr aufhören mit dem Feixen. Das Schlusswort darf am Ende nicht die Moderatorin aufsagen. Für die Zusammenfassung dieser Veranstaltung erteilt sie das Wort an: Markus Söder. Der dankt allen, vor allem auch den Kollegen. "Sensationelle Arbeit", sagt er.