Verkehr in der Smart City Moderne Städte müssen sich dem Intelligenztest stellen

Mobilität, Pizza oder Reparatur-Service, autonom und auf Bestellung: So stellt sich Toyota neue Dienste in Großstädten vor.

(Foto: Toyota)

Die Staus werden schlimmer, auch in deutschen Städten. Doch bei neuen Mobilitätskonzepten hinken sie hinterher. Helfen sollen ausgerechnet die Autohersteller und ihre Zulieferer.

Von Joachim Becker

Hamburgs Olympia-Bewerbung? Wen kümmert schon das geplatzte Spektakel! Statt Sport steht dann eben Transport auf dem Programm. Wie bei den Olympischen Spielen werden 2021 mehr als 10 000 Teilnehmer erwartet. Die Wettkämpfe finden nicht in Stadien oder Schwimmbädern, sondern im Congress Center, den Messehallen und auf ausgesuchten Straßen statt. Punkte gibt es beim Weltkongress für Intelligente Transportsysteme (ITS) weniger für Einzelleistungen als für die Fitness der Kommunen insgesamt. Ob Pendler, autonome Autos oder Schiffs-Container: Jede Sekunde zählt, wenn der Fluss von Waren oder Menschen in den Ballungsräumen stockt.

Momentan steht Hamburg an der Spitze der smarten Städte, zumindest in Deutschland. Offen ist, wie viel Zukunft sich die Elbmetropole leisten kann. Denn bei der Mobilitätsolympiade gelten andere Maßstäbe als beim Wettkampf mit Stuttgart oder Berlin. Die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatten den Stand der digitalen Mobilität und Elektromobilität in den 25 größten deutschen Städten untersucht. Das Gesamtergebnis war ernüchternd: "Deutschland hängt im internationalen Vergleich hinterher", sagt Felix Hasse.

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Der PwC-Experte mahnt beherzte Digitalstrategien an. Als intelligent könnte ein Transportsystem gelten, wenn es sich wie ein Ameisenhaufen selbst organisiert. Das Wimmelsystem funktioniert auch bei Störungen erstaunlich gut. Verkehrsströme in Echtzeit umleiten, würde das im ITS-Jargon heißen und: Das Ganze für die vernetzten Akteure online abrufbar machen. Ein Traum im Mensch-ärgere-dich-nicht des Berufsverkehrs.

"Unsere Städte brauchen schlaue Mobilitätskonzepte", fordert Olaf Scholz. Stolz verweist Hamburgs Erster Bürgermeister auf den Slogan "Hamburg - City of Solutions", mit dem er den Weltkongress in die Hansestadt geholt hat. Der Bewerbung waren mehr als 100 Unterstützungszusagen von Industrie, Forschung und Verbänden vorausgegangen. Denn die erste und wichtigste Disziplin im Intelligenztest für Städte ist die smarte Partnerwahl. Hamburg will seine Verkehrsprobleme ausgerechnet mit Hilfe der Autohersteller lösen. Allen voran wird der Volkswagen-Konzern in diesem Jahr das Ride Sharing mit zunächst 200 Fahrzeugen einführen. Mobilität nach Bedarf und nicht nach Fahrplan lautet das Motto. Nicht nur das vernetzte, sondern auch das autonome Fahren und Parken mit Pkw sowie Lkw steht als Pilotprojekt 2018 auf dem Programm.

Sind die Menschen bereit, ihre Muster zu ändern?

Ob in Hamburg oder anderswo: VW will sein Robotertaxi Sedric schnellstmöglich in Flottentests auf die Straßen bringen. Letztlich sind solche technisch anspruchsvollen Lösungen nur bezahlbar, wenn sie auf die Lohnkutscher verzichten. Vorteil der jungen Mobilitätsangebote: Sie nutzen die historisch gewachsenen Verkehrsnetze. Investitionen in die Infrastruktur verschlingen viel Zeit und Geld: Beides ist Mangelware in den meisten überlasteten Städten.

Fragt sich nur, ob die Menschen bereit sind, ihre tief verwurzelten Bewegungs- und Denkmuster zu ändern. In Singapur haben die Stadtväter ihren Bürgern in dieser Hinsicht einiges zugemutet. Land ist in der zerklüfteten Inselregion knapp und extrem teuer. Kein Wunder, denn auf einer Fläche so groß wie Hamburg drängen sich mit 5,6 Millionen Einwohnern drei Mal so viele Menschen. Bus- und Lkw-Fahrer sind trotzdem Mangelware, weil die Lebenshaltungskosten hoch sind.