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Datenanalyse:Deutschland, einig Stauland

In München steht man so lange im Stau wie in keiner anderen Stadt in Deutschland.

Stau am Isarring in München. Keiner steht in Deutschland so lange im Stau wie in der bayerischen Landeshauptstadt.

(Foto: Catherina Hess)
  • In keiner deutschen Stadt stehen Autofahrer so lange im Stau wie in München.
  • In Stoßzeiten verlor 2017 jeder Münchner Autofahrer 51 Stunden Zeit in Staus. Das sind sieben mehr als in der zweitplatzierten Stadt Hamburg.
  • Steigt man detailliert in die Daten ein, dann zeigt sich: München hat ein tiefgehendes Stauproblem.

In München ist man es gewohnt, Titel zu verteidigen. Vor allem im Fußball, dem FC Bayern sei Dank. Im Eishockey marschiert der EHC seit einigen Jahren vorneweg. Doch abseits des Sports gibt es Ranglisten in unrühmlichen Kategorien, die Bayerns Landeshauptstadt anführt. Die der höchsten Mieten zum Beispiel. Oder der höchsten Grundstückspreise. Nun gibt es eine neue Aufstellung, in der München zum wiederholten Male vorne liegt, und das mit großem Abstand: Hier stehen die Autofahrer so lange im Stau wie in keiner anderen deutschen Stadt.

Zu diesem Ergebnis kommt die Firma Inrix. Der Verkehrsanalyst aus den USA hat nach eigenen Angaben die Daten von weltweit 300 Millionen vernetzten Autos, Smartphones und Navigationsgeräten sowie von Verkehrsbehörden und anderen offiziellen Quellen ausgewertet. Insgesamt hat Inrix 1360 Städte in 38 Ländern analysiert, davon 73 in Deutschland. Dabei ergibt sich hierzulande ein Bild, das sich mit der Tabelle der Fußball-Bundesliga vergleichen lässt: München grüßt - weit enteilt - von der Spitze, während um die Plätze dahinter munter gerangelt wird und sich die Positionen immer wieder verschieben.

Hinweis: Laut Inrix-Definition steht ein Autofahrer dann im Stau, wenn die Geschwindigkeit auf einen Wert unter 65 Prozent des Tempos bei freier Fahrt fällt.

Bemerkenswert ist der riesige Vorsprung auf die Nächstplatzierten. In München stecken Autofahrer in Stoßzeiten durchschnittlich 51 Stunden pro Jahr im Stau - das sind sieben Stunden mehr als in Hamburg, Berlin und Stuttgart auf den Plätzen zwei bis vier. Die Ränge fünf und sechs belegen das Ruhrgebiet und Köln mit je 40 Stunden. Dahinter folgt das im vergangenen Jahr zweitplatzierte Heilbronn, das seine Staustunden von 45 auf 38 reduzieren konnte - ein Minus von 19 Prozent, das größte unter den Top-Ten-Städten.

Im internationalen Vergleich erreicht München Platz 76 von 1360. Im weltweiten Spitzenreiter Los Angeles stehen Autofahrer doppelt so lange im Stau, nämlich 102 Stunden. Dass dies trotzdem kein Grund zur Zufriedenheit ist, zeigt die durchschnittliche Staurate. Sie beschreibt den prozentualen Anteil der im Stau verbrachten von der insgesamt gefahrenen Zeit. Los Angeles hat eine Staurate von zwölf Prozent, die von München beträgt 16 Prozent - Höchstwert in Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit, in München im Stau zu stehen, ist also höher als in L.A., was vor allem daran liegt, dass dort insgesamt viel mehr Auto gefahren wird.

Blickt man auf die vergangenen Jahre, dann zeigt sich: Die Situation in München stagniert. 2016 standen die Autofahrer 48,5 Stunden im Stau, im Jahr davor 53 Stunden. Interessant ist dagegen die Situation in Stuttgart und Köln: 2015 lagen die schwäbische und die rheinische Metropole mit 73 beziehungsweise 71 Staustunden auf den ersten Plätzen. Danach entwickelten sich beide Städte positiv. Stuttgart reduzierte die durchschnittliche Stauzeit erst auf 45,8 und nun auf 44 Stunden, Köln gelangte über 45,9 zu 40 Stunden. Negativ ist dagegen die Entwicklung in Hamburg, Berlin und im Ruhrgebiet. Hier gab es jeweils viel mehr Staustunden als im Jahr zuvor.

Deutschland staureichste Straße befindet sich jedoch nicht in München, sondern in Mannheim, das im Städteranking lediglich Platz 18 belegt. Der Zeitverlust auf den knapp elf Kilometern auf der A 6 zwischen der Anschlussstelle Mannheim-Sandhofen und Viernheimer Dreieck betrug 2017 durchschnittlich 69 Stunden und somit fast drei Tage. Zur Wahrheit gehört aber auch: Im vergangenen Jahr wurde auf der Strecke sehr intensiv gebaut, das Ergebnis ist somit verzerrt. Überhaupt sind laut Stauforscher Michael Schreckenberg Baustellen eine der Hauptursachen für den zähen Verkehr auf Deutschlands Straßen: "Die zunehmenden Baumaßnahmen bringen partiell zwar Verbesserungen, verschärfen kurz- bis mittelfristig jedoch die Stauproblematik." Für den Professor der Universität Duisburg-Essen der klassische "Fluch der guten Tat".

Realistischer ist der Wert, den Stuttgarts B 27 auf Platz zwei liefert: Auf den gut fünf Kilometern zwischen Sigmaringer Straße und Neuer Weinsteige verlieren Autofahrer im Schnitt 31 Stunden pro Jahr. Es ist nicht Stuttgarts einzige Staustraße in den Top Ten: Der Abschnitt auf der A 8 zwischen der Anschlussstelle Wendlingen und dem Kreuz Stuttgart belegt mit 29 Staustunden deutschlandweit Platz sechs.