Transport-Fahrrad im Test Der Pick-up unter den Fahrrädern

Das Lastenrad-Pedelec Tern GSD kostet mindestens 3999 Euro.

(Foto: Thomas Hummel)

Das Tern GSD schließt die Lücke zwischen Pedelec und Lastenrad, dank Elektromotor kann es viele Autofahrten ersetzen. Doch wenn es dicht wird im Verkehr, ist Vorsicht angebracht.

Von Thomas Hummel

Die Mitarbeiter des Münchner Wertstoffhofs stoßen sich gegenseitig die Ellbogen in die Rippen. Schau mal da! Da kommt einer mit einem Radl. Hinten auf der Ladefläche ein Spielzeug-Ofen aus Holz plus eine Kiste mit alten Rucksäcken und Elektroteilen. Vorne auf der Ladefläche eine Lichtstange fürs Bad sowie ein Kasten Mineralwasser. Der Radler parkt ein zwischen den Autos mit offenen Kofferräumen, löst die Expander, lädt bis auf den Kasten Wasser alles ab und düst wieder davon.

Es geht weiter zum Getränkehändler, der ein wenig unsicher aufblickt. Soll er den Kasten mit vollen Flaschen Mineralwasser wirklich auf den Gepäckträger montieren? Logisch, dafür ist er ja da. Das Rad fällt auch nicht um, auf dem integrierten Motorradständer steht es bombenfest. Und wieder ist der Radler samt seinem seltsamen Gefährt blitzschnell verschwunden. Der Elektroantrieb macht's möglich.

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Fahrräder, mit denen man etwas transportieren kann, spielen in der Fantasie von Verkehrsforschern eine beachtliche Rolle. Sie sollen helfen, den Trend zu immer mehr Autos und Lieferwagen in den Städten zu stoppen und im besten Fall umzukehren. Die Menschen zieht es vom Land in die Großstädte, ihre Fahrzeuge bringen sie beim Umzug mit. Einmal dort angekommen, lassen sie sich ihre Konsumgüter gerne von einem Lieferservice an die Haustür bringen. Die Straßen leiden deshalb immer häufiger an Verstopfung, die Abgaswerte verstoßen reihenweise gegen Gesetze. Es spricht vieles dafür, dass dies nicht ewig so weitergehen kann.

Paketdienste testen deshalb die Zustellung per E-Lastenrad. In Berlin startet im Juni ein Pilotprojekt in Prenzlauer Berg, die Größen der Lieferbranche DHL, DPD, GLS, Hermes und UPS fahren ihre Pakete allesamt zu einem Depot, von wo aus das letzte Stück per Fahrrad an die Kunden zurückgelegt wird. "Die letzte Liefer-Meile in den Vierteln ist ein idealer Einsatzort für Lastenräder", sagt Verkehrssenatorin Regine Günther. Städte und Privatinitiativen etwa in Berlin, Hamburg und München stellen Miet-Lastenräder für Bewohner kostenlos zur Verfügung, damit diese nicht mehr mit dem Auto zum Discounter oder Baumarkt fahren.

Genug Platz für einen guten Teil des Hausstands

Angesichts der möglichen künftigen Absatzmärkte setzen die Hersteller auf Innovation. Die taiwanische Firma Tern versucht mit dem neuen Modell GSD in die Lücke zu stoßen zwischen einem Rad mit normalem Gepäckträger und einem wuchtigen Lastenrad mit großem Aufbau. Tern nennt es "Compact Utility E-Bike für die ganze Familie", wobei es strenggenommen kein E-Bike, sondern ein Pedelec ist.

Eines erreichen die Erfinder sogleich: Die Nachbarn machen große Augen. Das ist kein Wunder, so was hat schließlich noch niemand je gesehen. Der Rahmen wirkt so stabil wie von einem Moped, die Reifen sind mit 20 Zoll recht klein und dick. Insgesamt schwebt man ungewohnt tief über dem Boden. Der Schwerpunkt des Rads wurde extra nach unten verlegt, um mithilfe des Gewichts eine stabile Fahrt zu garantieren. Der hintere Aufbau ist lang, dort können laut Hersteller zwei Kindersitze angebracht werden. Oder eben eine Ladefläche für die Fahrt zum Wertstoffhof. Zwei Taschen rechts und links mit je 31 Litern Inhalt vollenden den Eindruck, dass man hier einen guten Teil seines Hausstands unterbringen könnte. Für einen Wochenend-Ausflug zum See reicht es allemal. Insgesamt ist das Rad für ein Gesamtgewicht von 180 Kilo zugelassen. Das Rad selbst wiegt mit zwei Akkus gut und gerne 30 Kilo.