Luxus-SUV im Fahrbericht Bentley Bentayga: Jetzt auch mit dem Arme-Leute-Motor

Unter der Motorhaube des Bentley Bentayga arbeitet nun auf Kundenwunsch auch ein V8-Diesel.

(Foto: Bentley)

Das Luxus-SUV gibt es nun mit V8-Diesel. Im Prinzip ist der Motor wie gemacht für den Bentayga. Nur der Verbrauch gerät im Test außer Kontrolle.

Von Georg Kacher

Das Design? Na ja. Ziemlich schwülstig ist es, also genau so, wie es der Zielgruppe wohl gefällt. Das Platzangebot? Auch na ja. Vorne hui, hinten vor allem dann pfui, wenn man den Fehler gemacht hat, die dritte Sitzreihe mitzubestellen. Und der Preis? Ebenfalls na ja. Etwa 30 000 Euro günstiger ist der Diesel-Bentayga als der noch fettere W12, aber schlechter ausgestattet. Der mit vielen Extras vollgestopfte Testwagen war knapp 240 000 Euro teuer.

Obwohl Geld bei Bentley-Kunden wohl kaum eine Rolle spielt, haben die Engländer mit dem V8-Diesel jetzt erstmals einen, sagen wir, Arme-Leute-Motor im Angebot. Was natürlich nur bedingt stimmt, denn abgesehen vom kurzlebigen Audi 6,0 Liter V12 TDI gibt es weltweit aktuell keinen aufwendigeren Selbstzünder als den Hightech-Diesel aus Crewe.

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7,9 Liter Verbrauch? Im Test waren es 14,7

Unter der Motorhaube arbeiten gleich drei Lader. Der elektrische Verdichter baut genug Drehmoment auf, um einen Kavalierstart nach dem anderen auf den Asphalt zu brennen. Der kleinere der zwei Abgasturbos wird ab 2200 Touren von dem größeren unterstützt, der sich nahtlos ein- und ausklinkt. Der 4,0-Liter-Motor dreht locker bis 6000 Umdrehungen pro Minute, aber das ergibt kaum Sinn, denn der Drehmoment-Querbalken liegt zwischen 1000 und 3500 U/min bei beeindruckenden 900 Newtonmetern.

Schaltbare Ein- und Auslassnocken wechseln betriebsbedingt zwischen Zweiventil- und Vierventilbetrieb. Das verbessert den Durchzug und reduziert den Verbrauch. Den gibt Bentley mit 7,9 Liter pro 100 Kilometer an, was auf eine Reichweite von 1000 Kilometer schließen lässt. Doch davon konnte in der Praxis keine Rede sein: Der Testwagen verbrauchte satte 14,7 Liter Diesel auf 100 Kilometer.

Goldene Mitte zwischen Gleiten und Carven

Der Bentayga V8 D (das Typschild bleibt auf Wunsch in der Schublade) ist ein nahezu perfekt geräuschgedämmter Leisetreter: kein Nageln, kein Nachdieseln, kein Vibrieren, kein Stinken. Die Fahrleistungen sorgen vor allem im manuellen Schaltprogramm dafür, dass es den Bremsen rasch warm um die Scheiben wird.

Trotz elektrischer Wankstabilisierung kommen auch die mit großen Schräglaufwinkeln gestraften Pirelli All-Season-Reifen schnell auf Temperatur. Mit dem Fahrwerk in Komfort und dem Antrieb in Sport findet der Bentayga mit dem Kennzeichen D spontan die goldene Mitte zwischen souveränem Gleiten und engagiertem Carven. Für die Beschleunigung von 0 auf 100 Stundenkilometer nennt der Hersteller einen Wert von 4,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 270 km/h.

Ein Auto für die, denen ein Cayenne Turbo S zu prollig ist

Die Briten haben das TDI-Prinzip schon in Arnage, Flying Spur und Mulsanne ausprobiert, doch im Sinne des Erfinders funktioniert der Ölbrenner eigentlich erst im SUV. Trotzdem setzt Bentley bei den nächsten Bentayga-Derivaten wieder auf klassische Baumuster wie V8S-Benziner, W12 Speed, V6 Plug-in-Hybrid, die EWB-Version mit langem Radstand und das Coupé, bei dem das neue Designteam die Sünden der Vorgänger zum Teil wieder gutmachen könnte. Für das individuelle Erscheinungsbild ist natürlich weiterhin der hoffentlich geschmackssichere Endkunde zuständig.

Fazit: Wem ein Cayenne Turbo S zu prollig und der Mercedes G65 AMG zu martialisch ist, der könnte mit dem Bentayga V8 Diesel glücklich werden. Doch Vorsicht, der sozialverträgliche Motor nimmt dem extrovertierten Auftritt nichts von seiner Schärfe. Wem das nicht reicht, kann auf den Rolls-Royce Cullinan, den Aston Martin V12 SUV oder den BMW X7 von Mansory warten. Oder lieber den Maserati Levante Diesel nehmen. Der ist ab 70 500 Euro zu haben, im Vergleich also geradezu ein Sonderangebot.

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