Kia Soul EV im Fahrbericht Schön einfach und einfach gut

Der Kia Soul EV kostet mindestens 30 790 Euro.

(Foto: Kia)

Kia hat jetzt auch ein Elektroauto im Angebot. Der Soul EV kündet ziemlich uneitel, bestens ausgestattet und zu einem akzeptablen Preis vom Fortschritt.

Von Jörg Reichle

Wenn die Koreaner im verwöhnten AudiBMWMercedesVW-Land ein neues Auto präsentieren, dann wird darum erfahrungsgemäß kein großes Bohei gemacht. "Wer hat's erfunden," fragt man da allenfalls rhetorisch, meint natürlich das Auto als solches und lehnt sich entspannt zurück. So viel zum deutschen Hochmut.

Das könnte sich rächen, denn längst haben Hersteller wie Hyundai und Kia das löcherige Lowtech- und Preisbrecher-Mäntelchen von einst abgestreift und bereichern den Volumenmarkt mit technisch interessanten und hübsch, weil sehr europäisch anzusehenden Modellen. Jetzt hat Kia noch einen draufgelegt und will mit dem neuen, elektrisch angetriebenen Soul EV munter mitmischen im prestigeträchtigen Rennen um den Antrieb der Zukunft.

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Betont unaggressives Quaderdesign

Was dabei herauskam, kann sich sehen und fahren lassen, soviel vorab. Das sympathische, betont unaggressive Quaderdesign der zweiten Soul-Generation hat man für das E-Modell noch einmal modifiziert. Jetzt ist der untere Lufteinlass flacher geworden und der Kühlergrill wurde durch eine Blende ersetzt, hinter der sich die Ladeanschlüsse verstecken. Neben drei hübschen Zwei-Farben-Kombinationen, neu designten 16-Zoll-Alus und LED-Rückleuchten erfuhr vor allem der Unterboden Zuwendung. Er ist jetzt voll verkleidet und hilft, den Cw-Wert auf 0,33 zu senken.

Das trägt nicht zuletzt dazu bei, dass Kia die Reichweite des Soul EV mit tapferen 212 Kilometern (BMW i3: 130 km) angeben kann, erst dann muss die Lithium-Ionen-Polymer-Batterie mit einer Kapazität von 27 Kilowattstunden wieder an die Steckdose. Je nach Ladestation dauert das zwischen 33 Minuten (Schnellladestation, 80 Prozent) und 10 bis 14 Stunden (230- Volt-Haushaltsanschluss).

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Zur Sparmentalität erzogen

Solcherart mit neuen Kräften versehen, schnurrt der Elektro-Soul in typischer Manier voran wie am Gummiband gezogen, der Elektromotor mit seinen 81,4 kW (110 PS) und 285 Newtonmeter Drehmoment beschleunigen in immerhin 11,2 Sekunden auf 100 km/h und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h - wenn es sein muss, was aber eher selten passiert, denn wie jedes E-Auto erzieht auch der Soul EV seinen Fahrer zur artgerechten Sparmentalität, hier unterstützt durch ein Bremssystem, das in zwei Stufen rekuperiert. Grundsätzlich bewegt sich der Elektro-Soul dabei im so genannten Eco-Modus, der alle Fahrmanöver auf minimalen Energieverbrauch ausrichtet. Will man mal schneller beschleunigen, schaltet man den kleinen Sparkommissar einfach per Tastendruck aus.

Da herkömmliche Klimaanlagen die Reichweite eines Elektroautos um bis zu 50 Prozent reduzieren können, hat man auf Heizung und Entlüftung verschärftes Augenmerk gelegt - bis hin zu einer neuartigen Fahrerplatz-Klimatisierung. Sie reduziert den Energieverbrauch, indem sie auf der Beifahrerseite Heizung und Belüftung komplett abschaltet.

Einfaches Bedienkonzept

Der Innenraum des Kia Soul EV lässt sich sehr einfach bedienen.

(Foto: WGO)

Gesteuert und überwacht wird der gesamte Energiehaushalt über ein Infotainment-System mit großem Acht-Zoll-Display und einem Aktiv-Matrix-Display im Instrumententräger - vom momentanen Stromverbrauch bis hin zur Navi-Anzeige, wo die nächstgelegene Ladestation zu finden ist und wie man dort hinkommt. Und alles ist, oh Wunder, derart einfach zu bedienen, dass sich selbst digitale Höhlenmenschen mühelos zurechtfinden.

Was irgendwie auch für den Soul als Ganzes gilt. Die boxige Karosse ist vorn und hinten recht geräumig, auch weil die Batterie unterm Wagenboden nur wenig Nutzraum schluckt, außerdem sieht man tadellos hinaus. Kurz: Die ganze Fahrerei ist derart mühelos und die Form pfiffig genug, dass der Soul EV sogar im schicken Grünwald ohne weiteres als cleverer Zweitwagen durchgehen würde.

Zumal dort auch der Preis kein Problem wäre: 30 790 Euro verlangt Kia für den Soul EV. Das klingt stramm, dafür ist aber auch so gut wie alles inklusive, wofür deutsche Hersteller gerne die Hand aufhalten. Eine willkürliche Aufzählung: Navi, Rückfahrkamera, DAB-Radio, Tempomat, beheizbares Multifunktionslenkrad, Bordcomputer, variable Servolenkung, Sitzheizung vorn. Und, und, und. Wem das nicht reicht, kann für 990 Euro noch ein Komfortpaket ordern, in dem sich freilich die wichtigen Parksensoren verstecken. Und sieben Jahre gibt es Garantie bei Kia - auch auf die Batterie.