Nachhilfe nötig Sorgenkind Elektroauto

Elektroautos wie der BMW i3 werden gezielt von der Bundesregierung gefördert. Der Industrie geht das noch nicht weit genug.

(Foto: obs)

Elektoautos sind die Zukunft. Echt? Findet zumindest die Bundesregierung und lässt sie demnächst auf Busspuren fahren. Durchsetzen konnte sich der alternative Antrieb bisher trotzdem nicht. Das hat viele Gründe.

Das Ziel klingt erreichbar: Eine Million E-Fahrzeuge sollen bis 2020 auf deutschen Straßen rollen - sogenannte Hybrid-Autos, die neben Strom auch mit Benzin betrieben werden, mit eingeschlossen. Das sind etwa halb so viele Autos wie seit Anfang Januar in diesem Jahr insgesamt in Deutschland neu zugelassen wurden. Laut Verband der Automobilindustrie (VDA) sollen bis Ende des Jahres 17 rein elektrisch betriebene Serienmodelle aus deutscher Produktion auf dem Markt sein. 2015 kommen noch einmal zwölf weitere dazu. Trotzdem haben es Elektroautos auf dem Markt schwer. Die Bundesregierung unternimmt nun mit dem Elektromobilitätsgesetz einen weiteren Versuch, den Absatz der der Elektro- und Hybridfahrzeuge zu erhöhen.

Was tut die Bundesregierung konkret?

Schon jetzt fällt für E-Autos nach dem Kauf für zehn Jahre keine Kfz-Steuer an. Nach dem Kabinettsentwurf, der am Mittwoch gebilligt wurde, sollen E-Autos künftig außerdem im Straßenverkehr bevorzugt werden. Kommunen wird unter anderem das Recht eingeräumt, kostenlose Parkplätze zu reservieren und die Nutzung von Busspuren zu erlauben. Finanzielle Zuschüsse beim Kauf eines E-Autos, wie es sie beispielsweise in Frankreich oder China gibt, lehnt die Bundesregierung ab. Stattdessen soll in Forschung und Entwicklung investiert werden.

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Alternative Antriebe

Milliardengrab Elektroauto

Elektro- und Hybridautos sind gut für das Image und die Schadstoff-Bilanz der Hersteller. Doch hohe Entwicklungs- und Fertigungskosten sorgen für enorme Verluste. Ein Problem, das nicht einmal bessere Absatzzahlen lösen können.

Was will die Industrie?

Daimlers Smart-Chefin Annette Winkler rief jüngst nach mehr Unterstützung für E-Autos. Das Beispiel anderer Länder wie Norwegen zeige, dass die Kombination aus finanziellen und nicht-finanziellen Anreizen am besten wirke. Der VDA fordert zusätzliche Erleichterungen für elektrische Firmenwagen. So sollen über bessere Abschreibungsmöglichkeiten zusätzliche Steuervorteile geschaffen werden. Vor allem im gewerblichen Bereich, wo häufig auch kurze Strecken gefahren werden, könnten Elektrofahrzeuge besonders wirtschaftlich sein, so die Argumentation.

Warum ist E-Mobilität überhaupt so wichtig?

Für die deutschen Autohersteller sind die emissionsarmen oder sogar -losen Fahrzeuge eine wichtige Hilfe, die strengen CO2-Vorgaben der EU für ihre Flotte zu erreichen. 2020 dürfen ihre Autos im Schnitt nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Auch die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen zu senken, um dem Treibhauseffekt zu vermindern. E-Autos werden darüber hinaus als Baustein für die Energiewende gesehen. Mit überschüssigem Strom in den Netzen können die Autos geladen werden.

Was spricht gegen eine Förderung?

Der Städtetag hatte sich jüngst gegen die Idee ausgesprochen, Busspuren in den Städten für Elektroautos freizugeben. Die Städte fürchten unter anderem Nachteile für den Öffentlichen Nahverkehr. Auch der ökologische Verkehrsclub VCD kritisiert die Bevorzugung der Autos.