150 Jahre Opel Chevrolet macht Opel das Leben schwer

Die Absatzzahlen brechen ein, die Werke sind nicht ausgelastet und Kurzarbeit steht bevor. Opel hat viele Probleme. Nun kommt noch eines dazu: Konkurrenz aus dem eigenen Konzern. Ausgerechnet die Schwestermarke Chevrolet kostet Opel viele Kunden.

Von Wolfgang Gomoll

Die Wege der Herrn sind unergründlich. Anders lässt sich der Schlingerkurs der GM-Bosse in Sachen Opel nicht erklären. Anstatt eine klare Markenpositionierung vorzunehmen und somit die taumelnde Tochter Opel zu stützen, lassen die Detroiter Strategen den Expansionsgelüsten Chevrolets freien Lauf. "Wir sind ein kleiner Player mit großen Ambitionen", sagt Chevrolets neue Europachefin Susan Docherty. Das selbstbewusste Auftreten der kanadischen Marketing-Expertin hat gute Gründe. Zum einen sind die Chevys in der Regel günstiger als die Modelle aus Rüsselsheim. Zum anderen zieht das Argument der moderneren Opel-Technik nur noch bedingt. Waren viele Euro-Chevys früher Daewoo-Derivate, teilen sich zunehmend mehr Modelle die Technik mit Opel-Fahrzeugen.

Feind aus den eigenen Reihen: Der Chevrolet Trax teilt sich die Technik mit dem Opel Mokka.

(Foto: SV2)

Ein Blick auf die Innenräume des Cruze und des Astra zeigt die identische DNA: Wären da nicht die Marken-Logos auf den Lenkrädern, wüsste man nicht, um welches Fahrzeug es sich handelt. Astra und Cruze bauen beide auf der Delta-II-Plattform auf. Der Erfolg bleibt nicht aus - zumindest für die amerikanisch-koreanische GM-Tochter: Der Cruze zählt mit rund 21.000 Fahrzeugen im ersten Halbjahr 2012 zu den bestverkauften Chevy-Modellen in Europa.

Die Attacke geht auch in anderen Segmenten weiter: Seit Juli hat auch der Opel Insignia mit dem Chevrolet Malibu einen koreanisch-amerikanischen Konkurrenten. Genauso bei den Kompakt-SUVs Mokka (Opel) und Trax. Beide Modelle werben weitgehend technisch um die Käufergunst. Das einzige Zugeständnis ist, dass der Opel schon im Oktober erscheint, während der Chevrolet erst im nächsten Frühjahr Europa auf den Markt kommt. Immerhin: Der Opel Adam (ausgesprochen: Ädam) zielt weit mehr auf das Lifestyle-Publikum ab, als der Chevrolet Spark, ist aber auch deutlich teurer und dürfte sich gegen Mini & Co. schwer tun. Das Astra-Cabrio soll eine ähnlich stilbewusste Käuferschaft ansprechen und Opel-Fans nächstes Jahr den Sommer versüßen.

Da ihnen wichtige Wachstums-Märkte verschlossen sind, setzen die Deutschen einige Hoffnung auf den osteuropäischen und speziell den russischen Markt: Bei der Moskau-Motorshow Ende des Monats wird der Stufenheck-Astra seine Weltpremiere feiern. Doch schicke Modelle und moderne Technik helfen nichts, wenn die Anzahl der potentiellen Abnehmer begrenzt ist: Während Opel und die Schwestermarke Vauxhall lediglich in 40 Ländern vertreten sind und sich im Wesentlichen auf Europa konzentrieren müssen, tritt der Global-Player Chevrolet in 140 Nationen an. Der Umsatz ist dementsprechend: Opel verkaufte 2011 1,2 Millionen Autos, Chevrolet mit 4,7 Millionen fast das viermal so viel.

Und der Chevrolet-Aufschwung geht weiter. Die GM-Tochter meldet mit mehr als 117.500 verkauften Neuwagen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres, einer Steigerung von 10,9 Prozent gegenüber 2011 und damit in West- und Zentraleuropa einen neuen Verkaufsrekord. Die Spirale dürfte sich auch in Zukunft fortsetzen. Chevy kann die Strahlkraft von solchen Automobil-Ikonen, wie den Camaro oder der Corvette nutzen. Ein weiterer weltbekannter Big-Player springt auf den Chevy-Zug auf: Das Chevrolet-Markenlogo ziert die Brust vom englischen Fußballverein Manchester United mit Stars wie Wayne Rooney. Da wirkt selbst Opels Sponsorenvertrag mit dem deutschen Double-Sieger Borussia Dortmund plötzlich ganz klein.