Innovation Die Bahn will weiterhin am Ideenzug tüfteln

Der Ideenzug ist kein richtiger Zug, Drehgestelle zum Beispiel fehlen, auf ein Gleis könnte er so nie fahren. Dennoch sei es wichtig, mal ein Modell im Maßstab 1:1 zu entwickeln, sagt Sandvoß. Einfach, um zu zeigen, was möglich wäre. Viele Dinge, das sagen auch die Entwickler, werden am Ende nicht kommen - allein schon, weil etwa Spinning-Bikes im Zug gegen Sicherheitsbestimmungen verstoßen dürften. Dennoch sei es wichtig, einfach mal in alle möglichen Richtungen zu denken, sagt Johann Niggl, der Chef der bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). Am Ende würden vielleicht einige Ideen umgesetzt.

Tatsächlich bestellt (und bezahlt) die BEG die Regionalzüge und S-Bahnen im Freistaat bei der DB und ihren Konkurrenten. Sie müsste also, ebenso wie die Bestellerorganisationen in anderen Bundesländern, am Ende in den Ausschreibungen der einzelnen Netze festlegen, ob Ohrensessel oder klappbare Lehnen in künftigen Regionalzügen realisiert werden. Die DB will den Ideenzug nun in einer Halle in Oberursel bei Frankfurt parken und dort weitertüfteln.

Das drängendere Problem ist die Infrastruktur

Fahrgastvertreter sehen den Zug voller Ideen grundsätzlich positiv. Es sei gut, das Feld der Innovationen nicht nur der Autoindustrie zu überlassen, sagt Kurt Bayer vom ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD). Wolle man die Bahn weiterentwickeln, dürfe man nicht nur Technik-fixierte Ingenieure ranlassen, ergänzt Karl-Peter Naumann von Pro Bahn. Daher sei der Ansatz richtig, viele Einfälle auszuprobieren.

Drängender aber sei das Problem überfüllter Pendlerzüge, insbesondere in Ballungsräumen wie München und Nürnberg, sagt VCD-Mann Bayer. Wichtig sei daher, zusätzliche Gleis- und Bahnhofskapazitäten zu schaffen. Naumann sieht das ähnlich: Man müsse das eine tun, ohne das andere zu lassen. "Das ist wie in der Kantine", sagt er: "Es geht um Qualität und Vielfalt. Aber natürlich auch darum, dass genug Portionen da sind."

Die neue ICE-Strecke ist wie eine U-Bahn durch den Thüringer Wald

22 Tunnel, 29 Brücken, ausufernde Baukosten: Ab Dezember soll der ICE von München nach Berlin nur vier Stunden brauchen. Ein Megaprojekt, das viel Kritik erntet - und Metalldiebe anlockt. Von Marco Völklein mehr...