E-Fahrzeuge im ÖPNV Pro Elektrobusse: Wer ein Zeichen setzen will, steigt jetzt um

Fährt der Bus der Zukunft batterieelektrisch? Oder mit Wasserstoff? Daimler experimentiert mit beiden Antriebsarten.

(Foto: Daimler AG)

Für viele Städte ist es pure Notwendigkeit, Dieselstinker durch Fahrzeuge mit E-Antrieb zu ersetzen. Beispiele im Ausland zeigen, wie das klappen kann.

Kommentar von Joachim Becker

So kann es nicht weitergehen: In vielen Großstädten klagen Umweltverbände gegen die schlechte Luft - mit guten Aussichten. Lärm, Gestank und Staus bestimmen das Straßenbild. Viele Kommunen werden kaum umhinkommen, Innenstadtbereiche über kurz oder lang für den konventionell motorisierten Verkehr zu sperren. Das gilt auch für Dieselbusse. Dabei wird der Personennahverkehr gerade dann besonders gebraucht.

Verkehrsbetriebe, die sich auf solche Szenarien nicht einstellen, handeln fahrlässig. Denn die Umstellung braucht Zeit. Zwölf Jahre und mehr sind Stadtbusse im Einsatz. Höchste Zeit also, alte und laute Dieselstinker nach und nach auszusortieren. Wer im Jahr 2030 einen leisen und emissionsfreien Nahverkehr auf den Straßen haben will, muss jetzt mit der Einführung von Elektrobussen beginnen.

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Es stimmt schon: Bisher waren die großen Stromer eine unzuverlässige und vor allem teure Alternative. Doch die Zeit der kostspieligen Kleinserien und entsprechenden Kinderkrankheiten dürfte vorbei sein. Volvo hat weltweit bereits 3000 Elektro- und Hybridbusse verkauft. Die großen deutschen Bushersteller Daimler und MAN wollen den Markt mit neuen Elektrobussen ab 2018 aufrollen - genau wie der chinesische Hersteller BYD.

In China fährt dank massiver Subventionen bereits jeder zehnte Bus (teil-) elektrisch, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 50 000. In Europa gibt es bislang 6000 E-Busse, die allermeisten fahren an Oberleitungen. In Deutschland wurden 2016 lediglich 458 von 78 345 Bussen ganz oder teilweise elektrisch betrieben. Zum Vergleich: Allein in London sollen bis Ende des Jahres 120 E-Busse durch die Stadt stromern.

Fahren in 13 Jahren 60 bis 70 Prozent aller Busse emissionsfrei?

In Problemstädten wie Stuttgart tragen Dieselbusse zwar nur geringfügig zur gesamten Luftbelastung bei. Knapp ein Drittel der Stickoxide und nur 22 Prozent des Feinstaubs gehen auf schwere Nutzfahrzeuge zurück. Der Anteil der Busse liegt weit darunter. Gerade an Verkehrsknotenpunkten erhöhen sie trotzdem die Luftbelastung. Der Aufkleber "Ich fahre mit Partikelfilter" adressiert nur einen Teil des Problems. Mittlerweile stehen Stickoxide im Fokus. Ihr Ausstoß lässt sich zwar durch moderne SCR-Anlagen um 95 Prozent reduzieren. Klar ist aber auch: Viele Städte, die wegen zu hoher Stickoxid-Werte verklagt wurden, müssen demnächst ihre älteren Busse austauschen. Wer ein Zeichen für die Zukunft setzen will, steigt gleich auf Elektrofahrzeuge um.

Daimler rechnet damit, dass im Jahr 2030 gut 70 Prozent aller neuen Stadtbusse emissionsfrei angetrieben werden. MAN prognostiziert immerhin 60 Prozent. Das wären allein in Europa rund 8000 neue Elektrobusse pro Jahr.

Investitionen in die Zukunft, die Zeit und Geld benötigen

Die Krux beim Elektroantrieb ist (neben den Kosten) bisher die geringe Reichweite. Bei Stadtbussen frisst die Klimatisierung mitunter die Hälfte der Energie. Im Winter verheizen sie die kostbare Wärme, indem sie ihre Türen an jeder Haltestelle auf Durchzug stellen. Im Sommer geht ähnlich viel Energie für die Kühlung drauf. Tägliche Fahrtstrecken von rund 200 Kilometer werden bei minus 15 oder plus 35 Grad Celsius zu einer Herausforderung.

Elektrobusse ohne Komforteinbußen brauchen also tonnenweise Batterien - oder ein cleveres, möglichst standardisiertes Ladekonzept. Gut, dass die Preise für Akkus seit Jahren sinken, während die Leistungsdichte steigt. Auch das "Nachtanken" ist dank Ladeleistungen von 200 kW oder mehr kein Problem. Selbst dann, wenn pro Nacht nur fünf Stunden Zeit zur Verfügung stehen. Allerdings muss die Ladeinfrastruktur der Busdepots mit Umspannwerken ertüchtigt werden, damit sich zehn oder mehr E-Fahrzeuge regenerieren können. Das alles sind Investitionen in die Zukunft, die Zeit und Geld benötigen. Deshalb muss jetzt damit begonnen werden, die Städte lebenswerter zu machen.

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