Daimler In Shanghai wird gefeiert, in Stuttgart ermittelt

Die neue Mercedes S-Klasse wird sparsamer, schlauer und komfortabler. Sieht aber genauso aus wie der Vorgänger.

(Foto: dpa-tmn)
  • In Shanghai stellt Daimler-Chef Dieter Zetsche die neue S-Klasse vor.
  • Mittlerweile verkauft Mercedes jede dritte Limousine in China.
  • In Zukunft könne man sich auch vorstellen, die S-Klasse dort zu produzieren.
Von Christoph Giesen und Max Hägler, Shanghai

Bevor die neuen Autos auf die Bühne gefahren werden, spielt ein Orchester auf. Mit allem Drum und Dran. Bläser, Harfe, Pauken und natürlich die Streicher, Geigen, Cellos, aber auch die Erhu, ein zweisaitiges chinesisches Instrument ist zu hören. China, das haben sie bei Daimler begriffen, ist wichtig, China ist aber oft anders. Seit ein paar Jahren stellen sie sich nun bei jedem Fahrzeug die Frage: "Was bedeutet das für unsere chinesischen Kunden?" Einen eigenen China-Vorstand hat das Unternehmen inzwischen. Er lebt in Peking und nimmt meistens nur per Videokonferenz an den Vorstandssitzungen teil.

Nun stellt Daimler zum ersten Mal sein wichtiges Fahrzeug, die S-Klasse, am Abend vor dem Beginn der Automesse in Shanghai vor. Weltpremiere in China. Bessere Motoren haben die Daimler-Ingenieure entwickelt und noch mehr Technik reingestopft. Vorstandschef Dieter Zetsche tritt auf die Bühne. Die Krawatte hat er abgelegt. "Auch die erste Klasse kann manchmal ein Update gebrauchen", sagt er und fügt an: Die globale Elite fahre S-Klasse. Jede dritte Premium-Limousine verkauft Daimler inzwischen in China. Es ist mit Abstand der wichtigste Markt, und das feiern sie hier in Shanghai ausgiebig.

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Eine recht ordentliche Party in der Ferne also, während in Stuttgart gewissermaßen der Staatsanwalt wartet. Auch gegen Daimler läuft mittlerweile ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf manipulierte Abgaswerte. Noch ist da gar nichts bekannt, aber allein das Aktenzeichen könnte verstimmen, heißt es doch unter Zetsche: Das Beste oder nichts. Der Beste im Fokus, das passt eigentlich nicht.

60 Prozent Absatz in China

Aber es ist so etwas wie der goldene Herbst von Zetsches Amtszeit. Über viele Jahre war er von der Börse und den Arbeitnehmern gescholten worden. Jetzt läuft der Laden - und zwar am besten von allen drei deutschen Premiumherstellern. Sie haben es unter Zetsches Regie geschafft, die Autos zu bauen, die die Menschen nachfragen, auch in China. Vor allem die S-Klasse. Von der größten Version, die sie Maybach nennen, so wie den alten Klassiker, setzt Daimler in der Volksrepublik sogar 60 Prozent ab.

Die Nachfrage ist so groß, dass Zetsche am nächsten Tag im Gespräch auf der Messe nicht völlig ausschließen mag, dieses Modell irgendwann einmal in China zu bauen. Der Erfolg hänge wohl sehr am Nimbus von der Qualität aus Sindelfingen. Doch andererseits, das fügt Zetsche dann auch hinzu, müsse sich das Ganze rechnen. Irgendwann einmal könnten Zölle und Frachtkosten so hoch sein, dass sie das teuerste Fahrzeug des Konzerns nicht mehr nur in Schwaben zusammenbauen.

Das sind aber gewissermaßen Luxussorgen. Kein Raum für Ärger. Und auch nicht für öffentliche Diskussionen über Zetsches mögliche nächste Aufgabe: Als Aufsichtsratsvorsitzender wird der 63-Jährige gehandelt. Schmeichelnd? Ach, sagt Zetsche, er habe doch gerade erst vor vier Monaten die Verlängerung des Vertrages über seinen jetzigen Job erhalten. Man kann das auch so lesen: Den goldenen Herbst seiner Karriere, den genießt er schon noch.

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