Autopilot im Tesla Model S Einfach mal loslassen

Freihändig über die Autobahn - Teslas Autopilot macht es möglich.

(Foto: Daniel Hofer)

Falls demnächst neben Ihnen ein Autofahrer freihändig vorbeirast, sitzt er wohl in einem Tesla. Der Autopilot des Model S funktioniert erstaunlich gut - bis ich die Autobahn verlasse.

Von Felix Reek

Zweimal ziehe ich den kleinen Hebel links neben dem Lenkrad. Ein blaues Lenkrad leuchtet am oberen Rand des Tachos auf. Das Tesla Model S fährt nun auf Autopilot. Er beschleunigt und bremst, hält Abstand zu anderen Autos. Und er lenkt selbstständig. Ja genau, ganz von alleine. Ich lege die Hände auf die Oberschenkel und schaue zu, wie das Steuer kleine Korrekturen ausführt.

Ich kann nicht behaupten, dass ich mich sonderlich wohl dabei fühle. Ein paar Minuten später sieht das schon anders aus. Vor mir schert ein LKW ein, der Tesla bremst sanft. Eine langgezogene Kurve folgt, die Limousine schmiegt sich elegant hinein. Ich fühle mich, als wäre ich nie anders Auto gefahren.

Während andere Hersteller zögerlich auf abgesperrten Strecken erste autonome Funktionen testen und für vorhandene ähnliche Systeme lieber Begriffe wie "Stauassistent" verwenden, hat Tesla mit dem letzten Update seinen Autopiloten direkt auf die Straße gebracht. Mitte Oktober stellte Tesla-Chef Elon Musk das System in den USA vor, in der letzten Woche folgte die Freigabe für Europa und den Rest der Welt.

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Beim Menschen hapert es

Per mobilem Software-Update landet es automatisch in jenen Model S, deren Besitzer zuvor die entsprechende Sonderausstattung einbauen ließen. Die bekommen so einen Vorgeschmack auf das autonome Fahren. Dass Tesla dabei auf dem richtigen Weg ist, zeigt das Testfahrzeug. Selbst der Spurwechsel ist ohne Lenken möglich. Einfach blinken, das Lenkrad kurz berühren - und das Model S wechselt die Fahrbahn.

Nur beim Menschen hinter dem Steuer gibt es noch Schwächen. Obwohl Musk ausdrücklich erklärt hatte, dass es sich bei der Software, die den Autopiloten beinhaltet, um eine Betaversion handelt, und die Hände jederzeit am Lenkrad bleiben müssen, machten Kunden des Unternehmens genau das, was Menschen immer tun, wenn ihnen etwas explizit verboten wird: das genaue Gegenteil. Videos auf YouTube zeigen, wie Model-S-Besitzer freihändig über Highways, Landstraßen und durch Innenstädte fahren.

Die Ergebnisse sind vorhersehbar. Unter dem martialischen Titel "Tesla Autopilot tried to kill me!" zeigt ein Besitzer, wie er gerade noch ins Steuer greifen kann, bevor sein Model S in den Gegenverkehr lenkt. Andere Videos berichten in wackligen Bildern, wie Ausfahrten nicht richtig erkannt oder Geldbußen wegen Geschwindigkeitsübertretungen fällig wurden.