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Verhaltensbiologie:Elefanten können menschliche Gesten interpretieren

Anna Smet zeigt auf einen Eimer, der Futter enthält, der Elefant begreift die Geste und ignoriert den leeren Behälter

(Foto: Anna F. Smet / Richard W. Byrne)

Natürlich können Elefanten nicht wie Menschen auf etwas zeigen. Trotzdem sind sie fähig, auf die Geste, mit der ein Mensch auf etwas hinweist, richtig zu reagieren.

Elefanten sind in der Lage, menschliche Gesten korrekt zu interpretieren. Zeigt zum Beispiel eine Experimentatorin mit dem ausgestreckten Arm (und natürlich dem ausgestreckten Zeigefinger) auf ein Futterversteck, sucht die Tiere dort mit erstaunlicher Zuverlässigkeit nach der Nahrung.

Dabei stellen sich Elefanten um einiges geschickter an als zum Beispiel Hunde, die immerhin als Meister darin gelten, menschliche Mimik zu interpretieren und zu entschlüsseln. Auch nichtmenschliche Primaten scheitern daran, solche Aufgaben mit der gleichen Erfolgsquote wie Elefanten zu lösen. Das berichten Kognitionsforscher um Anna Smet von der schottischen Universität St. Andrews im Fachjournal Current Biology (Bd. 23, S. 1, 2013).

Die Wissenschaftler stellten ihre Versuche mit elf Elefanten in Südafrika an. Die Tiere gehören Anbietern aus der Touristikbranche und tragen Touristen zu Reitausflügen durch die Gegend. Die Elefanten sind zwar an Menschen gewöhnt, wurden aber in der Wildnis eingefangen - sie sind also keine echten, domestizierten Haustiere.

Anna Smet, die Hauptautorin der Studie, stellte die Tiere nun vor das folgende Problem. Den Elefanten wurden zwei Eimer präsentiert, nur in einem befand sich Futter als Belohnung. Smet stellte sich nun exakt mittig zwischen beide Eimer und zeigte mit dem Arm auf den Eimer mit Futter. Insgesamt erzielten die Elefanten eine Trefferquote von 67,5 Prozent. Einjährige Kinder schaffen bei ähnlichen Aufgaben eine Quote von 72,7 Prozent.

Offenbar verstanden die Elefanten , was die Forscherin ihnen zeigen wollte. Die Tiere interpretierten die Gesten der Forscherin teilweise auf Anhieb richtig, also ohne vorheriges Training.

Um ihre These zu überprüfen, stellten die Forscher sicher, dass die Elefanten das Futter nicht einfach nur anhand des Geruchs fanden: Als Smet mit starrem Blick und ohne eindeutige Geste zwischen den Eimern stand, schafften die Tiere lediglich eine Trefferquote von 46,7 Prozent - sie rieten also.

Soziale Netzwerke und Empathie

Wie erklärt sich die Fähigkeit der Afrikanischen Elefanten?

"Mit Menschen haben Elefanten gemeinsam, dass sie in komplexen sozialen Netzwerken leben, in denen gegenseitig Unterstützung, Empathie und Hilfe für Artgenossen entscheidend für das Überleben sind", sagt Smet. Dazu sei es wichtig, das Verhalten von Artgenossen zu interpretieren, zum Beispiel wenn ein Tier andere mit einer Geste auf eine Futterquelle aufmerksam macht.

Der Ergebnisse der Studie beleben nun eine alte Debatte unter Verhaltensforschern. Entwickeln Tiere besondere Fertigkeiten menschliches Verhalten zu interpretieren, wenn sie domestiziert werden? Oder lassen sich Tiere einfach besonders gut domestizieren, wenn sie bereits einen Sinn für soziale Signale haben?

© SZ vom 11.10.2013/mcs
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