bedeckt München 22°

Ursprung der Religion:Regen- und Wasserfall-Tänze

Vielleicht geht die Interpretation der Forscher zu weit. Allerdings haben Wissenschaftler bei Schimpansen schon früher Verhalten beschrieben, das zumindest ganz am Anfang der Entwicklung einer Form von Religiosität stehen könnte.

So haben de Waal und andere wiederholt eine Art "Regentanz" beobachtet, bei dem Schimpansenmännchen mit Machtdemonstrationen auf Wolkenbrüche reagierten - gerade so, als würden sie versuchen, die Naturgewalten zu beeinflussen. "Vielleicht", so vermutet de Waal in seinem Buch "Der Mensch, der Bonobo und die zehn Gebote", "hat ein einfacher Zufall, wie zum Beispiel das Nachlassen des Regens während einer Darbietung, unter den Schimpansen zu dem Aberglaube geführt, dass sie den Niederschlag beenden können, wenn sie ihn nur eifrig genug beschwören." Ähnliche Mechanismen führen bekanntlich zur Entstehung von Aberglauben beim Menschen.

Noch weiter ist die Schimpansenforscherin Jane Goodall gegangen, nachdem sie einen rätselhaften "Wasserfall-Tanz" eines Schimpansen beobachtet hatte. Sie hatte den Eindruck, bei dem Tier Gefühle wie Staunen und Ehrfurcht wahrzunehmen. Gefühle, die - wenn Schimpansen sprechen könnten - zu einer Art "früher animistischer Religion werden könnten wie jene, in denen Menschen das Wasser, die Sonne und Elemente, die sie nicht begreifen können, anbeten", so Goodall.

"Wer meint, es sei einfältig und dumm, solche Zusammenhänge herzustellen", schreibt de Waal, "der sollte bedenken, dass kein Zweifel daran besteht, welche Menschenaffen am abergläubischsten sind. Die Schimpansen sind es jedenfalls nicht."

© SZ.de/chrb/jobr

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite