Umweltverschmutzung:Shrimps auf Prozac

Eine britische Studie zeigt: Antidepressiva, die über das Abwasser in Küstengewässer gelangen, verändern das Verhalten von Süßwassergarnelen - zu deren Nachteil.

Antidepressiva, die über die Kanalisation in Küstengewässer gelangen, könnten das Verhalten von Garnelen beeinflussen. Wie eine britische Studie ergeben hat, ändern die Krebstiere unter dem Einfluss des Stimmungsaufhellers Fluoxetin ihre Schwimmrichtung - hin zum Licht, wo sie von Fischen und Vögeln leichter gefressen werden können (Aquatic Toxicology, im Druck).

Garnele

Psychopharmaka im Wasser lösen bei der Süßwassergarnele "Echinogammarus marinus" ungewöhnliches Verhalten aus.

(Foto: Alex Ford, University of Portsmouth)

Für das Experiment gaben Wissenschaftler der Universität Portsmouth die Substanz aus der Gruppe der SSRI, einer üblichen Art von Antidepressiva, in Wasserbecken.

Dabei erzielten sie jene Konzentration, die zuvor im Abwasser gemessen worden war, das in Flüsse und Meeresarme fließt, wo die Süßwassergarnele Echinogammarus marinus lebt. Anschließend beobachteten die Forscher, wie sich die Tiere in den Aquarien bewegten, die einen hellen und einen dunklen Bereich hatten.

Eigentlich meiden die Krebstiere Helligkeit, doch unter Fluoxetin waren sie fünf Mal so anfällig für die Anziehungskraft des Lichts. Allein in England und Wales wurden im Jahr 2002 mehr als 26 Millionen Rezepte für Antidepressiva ausgestellt.

Von anderen Medikamenten wie beispielsweise Hormonen ist schon länger bekannt, dass diese in Flüsse und Seen gelangen und von den dortigen Lebewesen aufgenommen werden.

© SZ vom 14.07.2010/bv/cosa
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