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Umweltdaten 2015:Fahrspaß geht vor Umweltbewusstsein

Verkehr

Stau bei Stuttgart - das Auto bleibt das beliebteste Fortbewegungsmittel der Deutschen

(Foto: dpa)
  • Seit 1990 sind die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland um etwa ein Viertel gesunken. Das belegt ein neuer Bericht des Umweltbundesamts (UBA).
  • Einzig der Verkehrssektor stößt mehr Treibhausgase aus als vor einem Vierteljahrhundert.
  • Das UBA sieht als Gründe dafür den Hang zu schweren Autos und mehr PS.

Das Umweltbundesamt (UBA) bemängelt in einem neuen Bericht den hohen Anteil des Kraftverkehrs an den CO₂-Emissionen Deutschlands. "Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor, der seine Emissionen seit 1990 nicht mindern konnte", sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger bei der Vorstellung der "Daten zur Umwelt 2015". Der Trend zu mehr PS und schwereren Fahrzeugen habe Verbesserungen durch sparsame Motoren ausgehebelt, zudem würden immer mehr Güter per Lkw auf der Straße transportiert.

Der Bericht "Daten zur Umwelt" fasst alle drei Jahre wichtige Umweltkennzahlen zusammen. Im Vergleich zum Verkehr gab es in anderen Bereichen deutliche Verbesserungen:

Wasser

98 Prozent der deutschen Badegewässer erfüllten 2014 die Anforderungen der EU-Badegewässerrichtlinie. Das Trinkwasser habe nahezu überall eine sehr gute Qualität. Besorgniserregend sei dagegen der Zustand vieler Flüsse und Bäche, nur zehn Prozent der Fließgewässer weisen eine naturnahe Zusammensetzung der biologischen Arten von Plankton bis Fisch auf. Kein einziges Küstengewässer der Nordsee bekam die Note "gut", an der Ostsee nur ein einziges. Dafür sind dort 66 Prozent der Gewässer in schlechtem oder unbefriedigendem Zustand; an der Nordsee sind es 36 Prozent.

Landwirtschaft

Das schlechte Abschneiden einzelner Gewässer liegt vor allem an zu vielen Düngemitteln aus der Landwirtschaft. Läuft Dünger von den Feldern ins Wasser, wuchern dort Algen und verzehren den Sauerstoff, so dass Fische Probleme bekommen. Der Stickstoffüberschuss aus der Landwirtschaft ist zwar von 130 Kilogramm pro Jahr und Hektar (1990) auf mittlerweile 101 Kilogramm gesunken, liegt aber immer noch über der Zielmarke von 80 Kilogramm. Besondere Probleme macht dabei der Nordwesten Deutschlands mit seiner intensiven Tierhaltung vor allem von Schweinen. Auf längere Sicht könnte sich die Stickstoffbelastung auch beim Trinkwasser bemerkbar machen. Ein Drittel der Messstellen im Grundwasser weise bereits erhöhte Nitratwerte auf, das könne die Kosten für die Trinkwasserbereitung perspektivisch erhöhen.

"Der Stickstoffüberschuss aus der Landwirtschaft ist ein Umweltproblem großen Ausmaßes", sagte Krautzberger. Die neue Düngeverordnung müsse dafür sorgen, dass Gülle künftig effizienter eingesetzt werde und weniger davon in Flüsse und Seen gelange. Ein positives Zeichen ist, dass sich der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen seit 1996 verdreifacht hat, auf nun 6,4 Prozent.

Klimaschutz

Von 1990 bis 2013 sind die Treibhausgas-Emissionen um 23,8 Prozent gesunken. Besonders stark war der Rückgang im Sektor "Gewerbe, Handel, Dienstleistungen" mit einem Minus von 55 Prozent. Private Haushalte sparten im Vergleich zu 1990 ein Drittel der Emissionen ein, die Energiewirtschaft etwa ein Viertel. Hier ist die Verbrennung von Kohle für den Großteil der Treibhausgase verantwortlich.

Das international bedeutsame Vorhaben, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 noch deutlich zu senken, ist laut Krautzberger in Gefahr: "Die Regierung hat sich verpflichtet, die Emissionen um 40 Prozent unter die Werte von 1990 zu senken. Ohne zusätzliche Maßnahmen wird sie dieses Ziel verfehlen."

Bereits jetzt bekommt Deutschland die Folgen des Klimawandels zu spüren: Seit 1881 ist die Lufttemperatur deutschlandweit um 1,3 Grad Celsius gestiegen.

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Bodenerosion und die gefährliche Tigermücke sind Vorboten des Klimawandels. Der wird einem Bericht des Bundesumweltamts zufolge auch in Deutschland immer stärker zu spüren sein.

Rohstoffe und Energieeffizienz

Die Effizienz beim Einsatz von Rohstoffen sollte sich bis 2020 gegenüber 1994 verdoppeln. Bisher ist sie um 47 Prozent angestiegen, und zwar zum Teil, erläuterte Krautzberger, weil rohstoffintensive Produktion aus Deutschland ins Ausland verlagert worden ist. Geht der Trend so weiter, steigt die Effizienz bis 2020 nur um 60, nicht wie geplant um 100 Prozent.

Ähnlich ist es beim Einsatz von Energie. Auch hier sollte sich die Effizienz bis 2020 verdoppeln. Das kann praktisch nur noch gelingen, wenn bis dahin jedes Jahr einen ähnlich steilen Anstieg gibt wie von 2013 nach 2014. Dieser Zuwachs wurde aber vor allem durch die Rekordwärme des vergangenen Jahres ausgelöst, die den Bedarf nach Heizenergie stark gesenkt hat.

Warum schneidet der Verkehrssektor so schlecht ab?

Beim Verkehr reiche die technische Entwicklung noch nicht, dass der Sektor einen Beitrag zum Klimaschutz liefert, erklärt das UBA. Politische Maßnahmen müssten hinzukommen. So forderte Krautzberger, bei Personenwagen den Flottenverbrauch über das für 2020 vereinbarte Ziel von 95 Gramm CO2 pro Kilometer in Richtung 70 Gramm zu senken.

Zudem boomt der Gütertransport auf der Straße: Im Vergleich zu 2000 expandierte der Güterverkehr um 31 Prozent. Laut UBA müssten dringend mehr Waren mit der Bahn oder dem Schiff transportiert werden. Ein Anreiz dazu wäre, die Lkw-Maut auf Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen auszuweiten. "Wir müssen endlich eine deutlich intensivere Diskussion über CO₂-Grenzwerte für Lkw führen", sagte Krautzberger. Hier brauche man "anspruchsvolle Regelungen".

Das meistgenutzte Fortbewegungsmittel der Deutschen bleibt das Auto: Der "motorisierte Individualverkehr" hat von 1999 bis 2012 sogar um fünf Prozent zugelegt. Der Anteil der umweltfreundlichen Verkehrsmittel, hauptsächlich Bahn und Fahrrad, ist mit 19,4 Prozent seit rund zehn Jahren nahezu konstant geblieben.

© Süddeutsche.de/chrb/hach/jobr
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