"Ultima Thule" Besuch am Ende der Welt

So könnte "Ultima Thule" aussehen, Ziel der Nasa-Sonde New Horizons

(Foto: dpa)
  • Die Raumsonde New Horizons erreicht am Neujahrstag den Himmelskörper "Ultima Thule" im Kuiper-Gürtel.
  • Wissenschaftler erhoffen sich davon, mehr über die Zusammensetzung und Entstehung der Objekte an der Außengrenze des Sonnensystems zu erfahren.
  • Der Himmelskörper hat einen Durchmesser von etwa 35 Kilometer und ist derzeit 6,6 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt.
Von Christoph von Eichhorn

Die Raumsonde New Horizons, die vor drei Jahren am Zwergplaneten Pluto vorbeigeflogen ist, steht kurz vor ihrem nächsten Ziel: Am Neujahrstag erreicht die Nasa-Sonde eines der fernsten Objekte im Sonnensystem, den Himmelskörper "2014 MU60" in 6,6 Milliarden Kilometern Entfernung von der Erde. Es ist der bislang fernste Himmelskörper, den ein menschliches Artefakt aus der Nähe erkundet.

Dem etwa 35 Kilometer großen Objekt hat die Nasa den Spitznamen "Ultima Thule" gegeben. Ein mythologisch aufgeladener Begriff: Ultima Thule bedeutet so etwas wie "letztes Land", so nannte man in der Antike den äußersten Nordrand der Welt. Der Kuiper-Gürtel, in dem die Umlaufbahn von MU69 verläuft, ist so etwas wie die Außengrenze des Sonnensystems. In dieser Zone jenseits des Neptuns hat man bislang rund 2000 kleine Himmelskörper entdeckt, die im Dunklen ihre weitläufigen Bahnen um die Sonne drehen. Vermutlich sind es noch deutlich mehr "Kuiper Belt Objects" (KBO). Für eine Umrundung braucht Ultima Thule 293 Jahre.

"Probe eines planetaren Bausteins"

Viel mehr ist nicht bekannt über die KBOs. Der Vorbeiflug an Ultima Thule soll das ändern und neben Daten über die chemische Zusammensetzung erstmals Nahaufnahmen eines solchen Himmelskörpers liefern. Bis auf 3500 Kilometer nähert sich New Horizons am 1. Januar (etwa 6 Uhr deutscher Zeit) dem Felsbrocken, das ist etwa drei Mal näher als die Sonde 2014 an Pluto herankam. Nicht nur die geringe Größe von Ultima Thule macht das Manöver kompliziert. Wegen der großen Entfernung dauert es sechs Stunden, bis ein Signal aus dem Kontrollzentrum die Raumsonde erreicht. Die Nasa kann also kaum eingreifen, sollte etwas schiefgehen.

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Es ist nicht nur eine Reise ans Ende des Sonnensystems, sondern auch an seinen Anfang. Seit der Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren hat sich Ultima Thule vermutlich nicht groß verändert. Forscher vermuten, dass sich größere Objekte wie der Zwergplanet Pluto einst aus solchen kleineren Brocken des Kuiper-Gürtels gebildet haben. "Wir nehmen an, dass Ultima die am besten erhaltene Probe eines planetaren Bausteins ist, die je untersucht wurde", schreibt der Chefwissenschaftler Alan Stern auf der Website der Nasa. Der Vorbeiflug biete ein wertvolles Fenster in die Anfangszeit der Planetenentstehung.

Was genau man finden werde? "Keiner weiß es. Das macht es für mich am aufregendsten", so Stern. Zumindest die Form von Ultima Thule können die Wissenschaftler aus der Ferne erahnen. Vermutlich sieht Ultima Thule aus wie eine längliche Kartoffel, auch eine Art Klumpen aus zwei rundlichen Objekten ist denkbar. Am 2. Januar dürfte das erste Bild die Erde erreichen. 20 Monate lang überträgt die Raumsonde dann alle Daten des Vorbeiflugs nach Hause. Wenn alles nach Plan verläuft, kann New Horizons anschließend womöglich weitere Objekte im Kuiper-Gürtel erkunden.

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