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Tierquälerei:Die Produzenten kämpfen um ihren Ruf - nicht zum ersten Mal

Büffelfarmen in Kampanien, der Region rund um Neapel, erkennt man an den nach mehreren Seiten offenen Ställen mit ihren rostigen Wellblechdächern, die den Tieren als Sonnen- und Wetterschutz dienen. Wasserbüffel auf grüner Wiese oder beim genüsslichen Schlammbad sieht man nur in den Hochglanzprospekten des "Consorzio Tutela Mozzarella di Bufala Campana DOP", jener Organisation, die die geschützte Herkunftsbezeichnung "Mozzarella di bufala campana" verwaltet und über die Einhaltung der Qualitätsstandards wacht. Werberomantik. In der Realität gönnt man den Büffeln als Ersatz für das Suhlen im Schlamm, das nicht nur Kühlung, sondern auch Schutz gegen Parasiten und Fliegen verspricht, oft nur einen Wassernebel aus der Sprinkleranlage.

Nicht zum ersten Mal kämpfen die Mozzarella-Erzeuger um ihren Ruf. Im Jahr 2007 litten Zehntausende Büffel an der auch für Menschen gefährlichen, durch Bakterien verursachten Infektionskrankheit Brucellose und mussten notgeschlachtet werden. Ein Jahr später wurden in Büffelmilchproben Spuren des Nervengiftes Dioxin gefunden. Offenbar stammte es aus Haus- und Giftmüll, den Mafiaclans vor allem in der Provinz Caserta über Jahrzehnte illegal vergraben hatten. Der Verkauf brach ein, bei vielen Bauern und Käsereibesitzern ging die Existenzangst um.

"Wir haben pures Gold, nutzen es aber nicht"

Doch die Verbraucher vergessen schnell. Heute wird mehr Mozzarella produziert als je zuvor. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Produktion von Mozzarella di bufala campana auf 37 000 Tonnen fast verdreifacht. Auch der Export wuchs stetig. Er liegt heute bei etwa 25 Prozent. Die steigende Beliebtheit von Büffel-Mozzarella im Ausland wiegt die wegen der Wirtschaftskrise und sinkender Kaufkraft stockende inländische Nachfrage zumindest ein Stück weit auf.

Antonio Lucisano ist ein eleganter Herr. In seinem Büro in einem Vorort von Caserta versichert der Geschäftsführer des Consorzio, dass man die Klagen der Tierschützer ernst nehme. Für die Einhaltung der Tierschutzbestimmungen sei allerdings der Staat zuständig, sagt Lucisano. "Doch die Behörden tun zu wenig, uns sind da die Hände gebunden." Das Consorzio, betont Lucisano, kümmere sich um die Einhaltung der Produktqualität. Und man habe schon genug Ärger mit Produktpiraten in aller Welt - und mit einer für den Verbraucher verwirrenden Gesetzeslage. So muss beispielsweise nur der DOP-Mozzarella aus 100 Prozent Büffelmilch hergestellt sein. Einfacher Mozzarella di bufala kann große Anteile Kuhmilch enthalten - ganz legal, auch ohne die häufigen Panschereien der Camorra.

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Büffelmilch ist rar und kostbar. Das liegt daran, dass die Haltung der sensiblen Tiere schwierig und teuer ist. Außerdem erreichen Büffel nur etwa ein Viertel bis ein Drittel der Milchleistung von Kühen. Büffelmilchprodukte können auf den Märkten hohe Preise erzielen. Nur das Fleisch der Tiere will keiner kaufen. Dabei gilt es als sehr gesund. Es hat wenig Fett und schädliches Cholesterin, dafür ist es reich an Proteinen und Eisen. Vor allem für Kinder, ältere Menschen und Sportler könne das Fleisch ein wertvoller Ernährungsbestandteil sein, sagt Angelo Coletta, Direktor des Nationalen Büffelzüchter­verbandes in Caserta. "Wir haben pures Gold, nutzen es aber nicht." Die Schuld gibt Coletta der EU, die Italien und speziell die Büffelzüchter im Stich lasse.