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Lebensmittelfälschungen:Maschinenöl im Olivenöl

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Lebensmittelfälschung ist ein altes Geschäft, kommt aber nie aus der Mode.

(Foto: Kesu - Fotolia)

Pferd, Ratte oder wirklich Rind? Nicht nur beim Fleisch entwickeln Lebensmittel-Fälscher großen Einfallsreichtum.

Andreas Hensel hat die SMS noch auf seinem Handy. Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hat sie am 8. Februar 2013 kurz vor Mitternacht erhalten. "Habt ihr Pferdeburger in Deutschland? Wir haben hier offenbar einen Sturm entfacht", schreibt da sein Kollege Alan Reilly. Die irische Lebensmittelsicherheitsbehörde, deren Chef Reilly damals war, hatte in einigen Hamburgern Pferdefleisch nachgewiesen. So startete einer der größten Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre. In den folgenden Wochen wurde auch in Deutschland und anderen Ländern Pferdefleisch in Produkten nachgewiesen, die angeblich Rindfleisch enthielten. "Ich will nicht sagen, dass uns der Fall auf dem falschen Fuß erwischt hat", sagt Franz Ulberth, der am Institut für Referenzmaterialien und Messungen im belgischen Geel die Abteilung für Lebensmittelsicherheit und -qualität leitet. "Aber er hat doch gezeigt, dass es Überwachungslücken gibt."

"Man kann mit den Fälschungen mehr Geld verdienen als mit Prostitution und Drogenhandel."

Dabei war dieser Skandal noch harmlos. Pferd statt Rind im Burger gefährdet noch nicht die Gesundheit. Wenn aber Olivenöl mit Maschinenöl gepanscht wird, können Menschen sterben. Bei Lebensmittelfälschungen handelt es sich um ein Milliardengeschäft, für das manche Betrüger über Leichen gehen. Mit gutem Grund beschäftigen sich deshalb mittlerweile das Europäische Parlament und die Kommission mit dem Thema. Und Forscher arbeiten an neuen Methoden, um Fälschern auf die Spur zu kommen.

Lebensmittelfälschung ist so alt wie der Handel. Schon im alten Rom wurden Weine mit Bleiverbindungen versetzt, um ein süßeres Aroma vorzutäuschen. 1820 schrieb der deutsche Chemiker Friedrich Accum sein Buch "Von der Verfälschung der Nahrungsmittel und von den Küchengiften". Darin beschreibt er, wie Londoner Händler mit dem leuchtend roten und giftigen Bleioxid alten Cayenne-Pfeffer aufhübschen oder billigen Essig mit Schwefelsäure anschärfen. Und einer der Gründe für die Gründung des kaiserlichen Gesundheitsamtes, Vorgänger des BfR, war Sägemehl in Buletten.

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Auch heute ist Lebensmittelfälschung ein lukratives Geschäft. "Man kann mit Lebensmittelfälschung mehr Geld verdienen als mit Prostitution und Drogenhandel", sagt Hensel. Wenn etwa ein Schiff Zehntausende Tonnen normalen Weizen geladen hat, der dann als Bioweizen umdeklariert wird. "Dann haben Sie von einer Sekunde auf die andere eine Million Euro verdient", sagt Hensel. Längst hätten auch organisierte Banden, die sonst Drogen schmuggeln, das Feld für sich entdeckt, sagt Chris Vansteenkiste von der Europol. "Man kann mehr verdienen und die Gefahr erwischt zu werden, ist geringer", sagt er. "Diversifizierung ist nicht nur ein Wort für Wirtschaftsbosse."

"Wie viel wirklich gefälscht wird, kann niemand sagen", sagt Hensel. Schätzungen gehen von bis zu zehn Prozent aller Lebensmittel aus. Und die Betrugsmeldungen nehmen zu. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass Lebensmittelfälschungen heute häufiger auffliegen, sagt Matthias Frost vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Aber es gibt auch gute Gründe anzunehmen, dass der Betrug wirklich zunimmt: Menschen sind bereit, immer mehr Geld für besondere Lebensmittel auszugeben. Zugleich sind die Warenströme globalisiert. Verbraucher kennen die Bäcker, Metzger oder Olivenölhändler nicht mehr persönlich. "Lieferketten werden komplizierter und das macht den Betrug letztlich leichter", sagt Frost.