Temperatur-Statistik Jahr der Hitzerekorde

Der Sommer 2015 erzielt einen globalen Wärme-Rekord. Auch der Monat August und das aktuelle Jahr belegen einen Spitzenplatz. Zugleich schrumpft das Eis an den Polen - zum ersten Mal seit Langem auch in der Antarktis.

Von Christopher Schrader

Der meteorologische Sommer 2015, also die Monate Juni bis August, war die wärmste Jahreszeit in der Wetterstatistik. Die Thermometer aller Welt zeigten im Durchschnitt 0,85 Grad Celsius mehr an, als nach langjährigen Daten zu erwarten war; der Sommer 2015 hat damit den erst vor einem Jahr aufgestellten Rekord noch deutlich übertroffen. Nach den gerade veröffentlichen Daten der amerikanischen Behörde für Atmosphäre und Ozeane (Noaa) erreichten sowohl das Meer als auch die Kontinente Spitzenwerte; ein solches Zusammentreffen ist eher selten und zeugt von einem deutlichen, globalen Wärmeschub. Dieser resultiert vermutlich aus der Kombination von Klimawandel und einem sehr kräftigen El Niño. Dabei handelt es sich um ein Wetterphänomen, das zu erhöhten Wassertemperaturen, veränderten Luftdruckmustern und verschobenen Regenbändern führt. Es spielt sich vor allem im Pazifik ab, führt aber regelmäßig zu einem Aufschlag bei den globalen Temperaturmessungen. Noaa erwartet, dass der El Niño sich erst im kommenden Frühjahr, also ab März 2016 abschwächen könnte. Wie der ganze Sommer hat auch der August einen Rekordwert erreicht, so wie der März und alle Monate seit Mai. Das gleiche gilt für die ganze Spanne seit Jahresbeginn. Die Temperaturkurve hat sich deutlich über die Messwerte früherer Rekordjahre einschließlich des Titelverteidigers 2014 erhoben, zeigt eine Noaa-Grafik. Angesichts des andauernden El Niño deutet viel darauf hin, dass 2015 diesen Spitzenplatz übernehmen könnte.

Die globale Wärme hat ihre Spuren auch an beiden Polen hinterlassen. Für sie wird regelmäßig im September eine Meereis- Bilanz veröffentlicht. Nach den Zahlen des amerikanischen Eisdaten-Zentrums sowie der Universität Bremen ist die Fläche des überfrorenen Meerwassers in der Antarktis zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren unter den langjährigen Durchschnitt gefallen. Im August 2014, im tiefsten Winter auf der Südhalbkugel, hatten Satelliten noch eine Rekordfläche gemessen. Rund um den Nordpol gab es in diesem Sommer wenig Eis. Die Fläche, die am Ende der Schmelzsaison wenigstens zu 15 Prozent bedeckt war, lag unter fünf Millionen Quadratkilometern. Der Durchschnitt für die Jahre 1981 bis 2010 beträgt mehr als sechs Millionen Quadratkilometer. Den Negativrekord mit der kleinsten Eisfläche hält 2012. 2015 liegt derzeit auf dem vierten Platz.