bedeckt München 17°

Umweltverschmutzung:Es schneit Plastik

Dreitorspitze in den Alpen, 2019

Die verschneite Dreitorspitze im Wettersteingebirge, von Elmau aus gesehen.

(Foto: Sebastian Beck)
  • Der Schnee in den Alpen bis hin zur Arktis enthält substanzielle Mengen Mikroplastik, zeigen neue Messungen.
  • Selbst auf einsamen Eisschollen sind Tausende Kunststoffteilchen je Liter Schnee nachweisbar.
  • Die Überreste von Plastikmüll werden in der Atmosphäre über die ganze Welt verbreitet.

Wer eben noch im Urlaub am Meer gesessen hat und mit seinen Fingern durch den Sand geglitten ist, weiß es womöglich schon: Ein wesentlicher Teil der weltweiten Strände besteht mittlerweile aus Kunststoffabfall, der von UV-Strahlung, Wind und Wetter zu kleinsten Teilchen zerschmirgelt wurde. Skifahrer dagegen dürfte die Nachricht überraschen, dass auch die weiße Unterlage ihrer Winterträume nicht mehr in Reinform vom Himmel rieselt. Tatsächlich schneit es in den Alpen wie auch anderswo bereits Mikroplastik.

Herausgefunden haben das Forscher des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven. Das Team um die Meeresökologen Melanie Bergmann und Gunnar Gerdts hat für seine Studie sowohl Schneeproben aus der Arktis, als auch aus Bayern, Bremen, Helgoland und den Schweizer Alpen im Labor untersucht. Die höchste Mikroplastik-Konzentration barg tatsächlich der Schnee, den die Wissenschaftler an einer Landstraße in Bayern gesammelt hatten. Er enthielt mehr als 150 000 Kunststoffpartikel pro Liter. Im Vergleich dazu erschien der arktische Schnee zwar beinahe sauber. Doch selbst dort, in Schneeproben von einsamen Eisschollen fanden sich noch mehr als 14 000 kleinste Plastikteilchen pro Liter Niederschlag. Das berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts Science Advances.

Fußball Große Verunsicherung wegen Kunstrasen-Plastik
Amateur-Fußball

Große Verunsicherung wegen Kunstrasen-Plastik

Was passiert mit etwa 6000 Kunstrasenplätzen in Deutschland? Weil eine Studie Plastik-Granulat als großes Umweltproblem identifizierte, prüft ein EU-Gremium nun ein Verbot.   Von Hanno Charisius

Bergmann, Gerdts und ihr Team hatten bereits 2016 ausführliche Untersuchungen an Eiskernproben aus dem nördlichen Polarkreis vorgenommen und zu ihrem Erstaunen auch dort Mikroplastik gefunden - zusätzlich zu den patches, zu Deutsch Müllflecken, die mit bloßem Auge erkennbar im Eismeer herumschwimmen und von Strömungen in die Arktis getrieben werden. Damals konnten sich die Wissenschaftler noch nicht erklären, wie es zu den großen Ansammlungen der mikroskopisch kleinen Partikel im Eis gekommen war. Inzwischen wurde das Rätsel jedoch gelöst. Südfranzösische Forscher haben vor wenigen Monaten entdeckt, dass die winzigen Plastikteilchen sich nicht nur durch Wasser und Wind verbreiten, sondern auch in die Atmosphäre aufsteigen, die den Mikromüll über weite Strecken transportiert wie Pollen oder Saharastaub - weshalb er sogar in entlegenen Regionen wie den Pyrenäen zu finden ist.

Die Studie der Bremerhavener zeigt nun eindrücklich, dass die Verteilung von Mikroplastik nicht nur regional, sondern global und in allen räumlichen Dimensionen erfolgt - und dass die zuvor rätselhaften Mikroplastikfunde im Eis in der Arktis das Ergebnis eines jahrzehntelangen Ablagerungsprozesses durch Schneefälle sind. Zudem übersteigen die Konzentrationen alle bisher gemessenen Werte, weil die Forscher erstmals auch extrem kleine Partikel messen konnten, die offenbar einen großen Teil des Mikroplastiks ausmachen. Welche Konsequenzen die Allgegenwart der winzigen Kunststoffteilchen für die Ökosysteme und die menschliche Gesundheit hat, wird unterdessen noch erforscht. Vorsichtige Skifahrer könnten schon einmal darüber nachdenken, in der nächsten Saison nicht nur einen ordentlichen Helm zu tragen. Sondern auch eine feinporige Atemmaske.

Mikroplastik Fasern auf großer Fahrt

Mikroplastik

Fasern auf großer Fahrt

Aus Waschmaschinen geraten erhebliche Mengen Mikroplastik in die Umwelt. Vor allem Kleidung aus Fleece-Stoffen gibt die Teilchen ab. Dabei ließe sich das Problem technisch lösen.   Von Andrea Hoferichter