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Ostsee:Die Robbe ist das größte deutsche Raubtier; sie wird bis zu zweieinhalb Meter lang

In der deutschen Nordsee ist die Kegelrobbe so etwas wie der Star der Tiere. Sie ist das größte deutsche Raubtier, Männchen werden bis zu zweieinhalb Meter lang und bis zu 300 Kilo schwer. Kegelrobben können im Schwimmen schlafen, haben ein ausdrucksstarkes Gesicht und sind nicht ängstlich. In den vergangenen 20 Jahren haben sie die Insel Helgoland als sicheren Lebensraum mit Nähe zum Menschen entdeckt - genauer gesagt Helgolands benachbartes Eiland Düne.

So viele Kegelrobben gibt es dort mittlerweile, dass sie Durchgänge versperren oder die Landebahn des Flugplatzes belegen. Aber keine Flüche sind zu hören. Der Robbentourismus blüht. Helgoland lebt gut davon, dass man den Kegelrobben hier so nahe kommen kann wie sonst nirgends auf der Welt.

"An der Ostsee ist die Situation völlig umgekehrt", sagt Henning von Nordheim. Die Jagd auf Robben gehört hier sozusagen zur Fischerei-Tradition. Um 1900, als die gesamte Ostsee noch von bis zu 100 000 Kegelrobben bevölkert war, lobte die preußische Regierung sogar eine Abschussprämie aus. Die Folge war, dass es im Süden des Binnenmeeres bald gar keine Kegelrobben mehr gab.

Heute beobachten viele Küstenfischer mit Argwohn, dass der Bestand sich erholt. Kegelrobben holen Fisch aus den Stellnetzen, sie machen diese auch mal kaputt. Gleichzeitig hören Fischer den Vorwurf, dass sich junge Kegelrobben tödlich in ihren Netzen verheddern. Dirk Lerche von der fischerfreundlichen Rechtspartei AfD sprach im Landtag von einem "nicht unerheblichen Konfliktpotenzial". Und für den Landesfischereiverband sagt Sprecher Thorsten Wichmann, erst nach zwei laufenden Forschungsprojekten solle man die Kegelrobbensituation bewerten.

Henning von Nordheim findet dagegen: "Ein Managementplan für die Robben in Mecklenburg-Vorpommern ist ganz dringend und ganz schnell erforderlich." Eine Robbenschutzgruppe aus Naturschutzverbänden, Behörden und Fischern habe schon viele Ideen. Zum Beispiel Entschädigungszahlungen für Fischer, die nachweisen, dass Kegelrobben Fang oder Material beschädigt haben.

Oder: Unterstützung für Fischer, die sich mit geeigneten Netzen am Kegelrobbenschutz beteiligen. Aber natürlich gehören zu den Empfehlungen auch Schutzzonen für Jungtiere, Beobachtungspunkte für Touristen mit Sicherheitsabstand. Und vor allem: Schulungen für Gemeindemitarbeiter, Feuerwehren und Polizei, damit sich nicht wiederholt, was das zweite gemeldete Kegelrobben-Junge auf Usedom vermutlich umgebracht hat.

Einsatzkräfte hatten zunächst vorbildlich den Strand abgesperrt. Aber dann trugen sie das weiße Wesen immer wieder ins Wasser, weil sie eine erwachsene Robbe, vermutlich die Mutter, im Wasser beobachtet hatten. Irgendwann kam es nicht mehr zurück. "Sie meinten was Gutes zu tun und haben es wahrscheinlich ertränkt", sagt Henning von Nordheim.

Wenige Wochen nach der Geburt haben die Tiere noch nicht die Speckschicht, die sie vor der Kälte des Wassers schützt. "Das weiße Fell saugt sich voll", sagt Linda Westphal, "sie schwimmen damit, als hätten sie einen dicken Strickpullover an." Sie ermüden und kühlen aus. Deshalb muss man auch einsame Kegelrobben-Junge an Land lassen und sich darauf verlassen, dass das Muttertier zurückkommt.

Manche Wege der Kegelrobben sind unergründlich. Henning von Nordheim kann nicht lückenlos erklären, warum die Kegelrobben Helgoland bestürmen, aber nur zögerlich in die deutsche Ostsee zurückkehren. Wer weiß, vielleicht sagt ihnen ihr Instinkt, dass sie in Mecklenburg-Vorpommern nicht so willkommen sind. Auf Helgoland haben sie gelernt, dass die Menschen ihnen nichts tun und sie auch sonst keine bösen Überraschungen fürchten müssen. Die Steilküste von Rügen hingegen könnte sie abschrecken, weil sie den Blick verstellt auf das, was in der Ferne lauert. Und im nahen Wald gibt es Marder und Füchse, die für ein Neugeborenes eine Gefahr sind.

Gerade der Fund vom 8. März zeigt, dass Kegelrobbenmütter dem Strand dort aus gutem Grund misstrauen. Das tote Jungtier hatte Fraßspuren im Gesicht. Seine Geburt war eine Sensation für die Wissenschaft. Aber aus Kegelrobbensicht hat sie am falschen Ort stattgefunden.

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