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Raumsonde "Juno":Tanz mit dem Giganten

  • Nach fünfjähriger Flugdauer ist die Nasa-Raumsonde Juno bei Jupiter angekommen.
  • Am Dienstagmorgen soll die Sonde in eine Umlaufbahn einfädeln, um den größten Planeten des Sonnensystems zu erforschen.
  • Astronomen erhoffen sich von der Mission Aufschluss darüber, ob Jupiter einen festen Kern hat und wie die Atmosphäre des Planeten aufgebaut ist.

Die Nasa-Sonde Juno könnte einer überdimensionierten Spielzeug-Drohne ähneln, so, wie sie im Flug mit ihren drei meterlangen Solarpaneel-Armen um sich selbst rotiert. Wäre da nicht das Magnetfeld-Messgerät am einen Ende, das eher an eine Dosenlasche erinnert. Fünf Jahre lang war diese bizarre Konstruktion im All unterwegs, nun hat sie ihr Ziel fast erreicht: Am Dienstagmorgen gegen sechs Uhr soll sie, wenn alles läuft wie geplant, in eine Umlaufbahn um den Jupiter einschwenken.

Das Manöver gilt als kritische Phase der Mission: Das Haupttriebwerk von Juno wird 35 Minuten lang gezündet, um das Raumfahrzeug abzubremsen und so in einen Jupiter-Orbit zu zwingen. Keine andere Raumsonde hat den bei weitem größten Planeten des Sonnensystems bisher so eng umkreist. Auf ihrer Bahn um Jupiter wird Juno einer hohen Strahlung ausgesetzt sein.

Ehrgeizige Forschungs-Mission

Es ist nicht der erste Besuch, den eine Raumsonde dem Planeten abstattet, aber der bislang ehrgeizigste. Juno soll Antworten auf die Frage liefern, wie der Jupiter entstanden ist, und mit ihm das gesamte Sonnensystem. Dafür muss die Sonde die Eigenschaften des Gasriesen untersuchen: Wie ist sein Gravitationsfeld beschafften, hat er vielleicht einen festen Kern? Wie erzeugt er sein Magnetfeld? Immerhin hat es gigantische Ausmaße; die Region im All, in der das Magnetfeld des Planeten die dominierende Kraft ist, erstreckt sich über etwa drei Millionen Kilometer. Mit Hilfe der Sonde wollen Forscher zudem mehr über den sogenannten Großen Roten Fleck auf der Südhalbkugel erfahren - einen gigantischen Sturm größer als die Erde, der seit mehr als 300 Jahren beobachtet wird.

Bildband "Far Beyond"

Postkarten aus dem Sonnensystem

Vor Juno waren bereits in den Siebzigerjahren zwei Pioneer-Sonden am Jupiter unterwegs und machten Bilder, später flogen die Voyager-Sonden auf ihrem Weg an den äußersten Rand des Sonnensystems dort vorbei, auch Cassini machte tausende Schnappschüsse, als sie am Jupiter Schwung holte für die weitere Reise zum Saturn. Die von Pannen verfolgte Nasa-Sonde Galileo warf eine Tochtersonde in die Jupiter-Atmosphäre ab und umkreiste den Planeten danach noch volle acht Jahre lang, von 1995 bis 2003.

Juno wird sich jedoch dem Jupiter auf etwa 5000 Kilometer annähern, näher als jede Raumsonde zuvor. Auch wird erstmals eine Sonde in so großer Entfernung von der Sonne fast nur mit Solarkraft angetrieben, was möglich ist, weil die großen Solarpaneele fast während der ganzen Mission stets der Sonne zugewandt bleiben.

Am vergangenen Donnerstag schickten die Nasa-Wissenschaftler den Befehl zur Einleitung des Manövers, das die Sonde in den Jupiter-Orbit bringen soll. Nun ist sie im Prinzip auf Autopilot, weitere Kommandos benötigen etwa 48 Minuten, um die Sonde zu erreichen. Die wissenschaftlichen Messungen sollen im Oktober beginnen, dafür steuert Juno dann eine tiefer gelegene Umlaufbahn an. Im Februar 2018 soll die Sonde zum Absturz gebracht werden und in der Atmosphäre des Jupiters verglühen.