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Raumfahrt:Crew Dragon dockt an Raumstation an

Besatzung der Crew Dragon: Bob Behnken (hinten) und Doug Hurley vor dem Start in der Raumkapsel.

(Foto: AFP)

Nach 20 Stunden Flug erreichen die US-Astronauten Bob Behnken und Douglas Hurley ihr Ziel: Mehrere Wochen sollen sie nun auf der ISS bleiben.

Nach etwa 20 Stunden Flug mit der Crew Dragon-Raumkapsel sind zwei US-Astronauten an der Raumstation ISS angekommen. Die Kapsel mit den Raumfahrern Robert Behnken und Douglas Hurley an Bord dockte am Sonntag an der ISS an, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa und das private Raumfahrtunternehmen Space-X mitteilten. Das Andockmanöver am Sonntag sei ohne Probleme verlaufen, teilte die Nasa mit. Hurley und Behnken waren bereit, manuell die Kontrolle zu übernehmen, sollte es beim Andockmanöver Probleme geben, doch die Kapsel dockte automatisch an.

Behnken und Hurley sollen mindestens einen Monat an Bord der ISS bleiben - gemeinsam mit ihren bereits dort stationierten Kollegen, dem US-Raumfahrer Christopher Cassidy und den beiden russischen Kosmonauten Anatoli Iwanischin und Iwan Wagner, die im Oktober zur Erde zurückkehren sollen. Für Behnken und Hurley soll es spätestens Anfang August zurück gehen, weil die Kapsel nach der Wasserung im Atlantik noch letzten Untersuchungen unterzogen werden muss. Nach jetzigen Planungen soll der erste reguläre Crew-Flug von Space-X bereits am 30. August zur ISS starten, dann mit vier Astronauten, die etwa ein halbes Jahr auf der Raumstation bleiben sollen.

Die Crew Dragon war am Samstag mit einer Falcon-9-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida aus gestartet. Es war das erste Mal seit neun Jahren, dass Astronauten von den USA aus zur ISS starteten. Seit dem Ende der Space-Shuttle-Flüge im Jahr 2011 hatte die Nasa keinen eigenen Zugang mehr zur ISS. In den vergangenen Jahren mussten US-Astronauten bei den russischen Kollegen in der Sojus mitfliegen. Das war mit etwa 80 Millionen Euro pro Flug in einer russischen Sojus-Kapsel nicht nur teuer, sondern kratzte auch am Nationalstolz der USA.

Der deutsche Astronaut Gerst hieß seine Kollegen "willkommen zurück im Weltraum"

Der Start am Samstag markierte eine weitere historische Premiere: Es handelte sich um den ersten bemannten Start der Nasa in Zusammenarbeit mit einem privaten Raumfahrtunternehmen. Boeing und Space-X hatten die Ausschreibung der Nasa gewonnen, die deren Kapseln künftig als Kunde chartern will. Kurz nach dem erfolgreichen Start landete die erste Raketenstufe sicher aufrecht auf dem Schiff "Of Course I Still Love You" im Atlantik vor der US-Küste. Die Landung und Wiederverwendung von Raketenstufen und Raumkapseln ist ein wichtiger Teil der Strategie von Space-X.

Nach dem erfolgreichen Start zeigte sich Nasa-Chef Jim Bridenstine erleichtert. "Ich atme einen Seufzer der Erleichterung aus, aber ich werde nicht feiern, bevor Doug und Bob nicht sicher wieder zuhause sind", sagte Bridenstine am Samstag. "Wir haben das schon so lange geplant und jetzt haben wir es geschafft. Es war schon viel zu lange her. Heute war einfach ein wundervoller Tag." Es seien derzeit schwierige Zeiten für die USA, sagte Bridenstine. Das Land ist besonders stark von der Coronavirus-Pandemie betroffen, zudem gibt es derzeit Massenproteste nach dem Tod eines Afroamerikaners durch einen brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis. Er hoffe, sagte Bridenstine, dass der erfolgreiche Start "jedem die Möglichkeit gibt, über Menschlichkeit nachzudenken".

US-Präsident Donald Trump feierte den erfolgreichen Start als "heldenhafte Tat". Der Start markiere für die USA die "kühne und triumphale Rückkehr zu den Sternen", so Trump. SpaceX-Gründer Elon Musk zeigte sich tief bewegt: "Ich bin wirklich emotional sehr überwältigt, es ist schwer für mich zu sprechen", sagte Musk bei einer Pressekonferenz nach dem Start. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst hieß seine beiden Raumfahrer-Kollegen via Twitter "willkommen zurück im Weltraum" und gratulierte Space-X für die "solide Leistung". Die Raumfahrtnation Russland beglückwünschte die USA zum erfolgreichen Start. "Im Kosmos ist schon alles passiert, und es ist unabdingbar, mindestens zwei Transportsysteme zu haben", teilte der Sprecher der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Wladimir Ustimenko, am Sonntag in Moskau mit. "Jetzt werden nicht nur Russen zur ISS fliegen, sondern auch Amerikaner. Das ist wunderbar!"

© SZ.de/dpa/Reuters/jsa/ghe
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