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Psychologie:Ich gehöre doch auch dazu

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Von Rosa bis Braun: Kommt es wirklich so auf Hautschattierungen an?

(Foto: uspmen via www.imago-images.de/imago images/Panthermedia)

Weiße mit vergleichsweise dunklem Teint scheinen besonderen Wert auf ihre Hautfarbe und den damit verbundenen Status zu legen.

Von Sebastian Herrmann

Es zählt zu den menschlichen Grundbedürfnissen, Gruppenzugehörigkeit zu empfinden. Das gilt in allen Lebenslagen: Schon Kindern ist es wichtig, wer ihre peer group ist, welche Aufwertung sie in den Augen von Mitschülern erfahren, wenn sie zu einer bewunderten oder beneideten Clique gehören. Sie lernen auch den Schmerz kennen, ausgeschlossen und ignoriert zu werden. Es tut weh, wenn man nicht dazugehören darf oder aus einer Gruppe ausgeschlossen wird. Wer sich also an den Rändern von Gruppen befindet und dessen Zugehörigkeit dadurch infrage steht, der fällt oft durch besondere Radikalität auf, vertritt gefühlte Werte seiner peer group besonders vehement. Und er grenzt sich besonders deutlich gegen Konkurrenten ab.

Offenbar wirkt auch die Hautfarbe auf eine ähnliche Weise: So ist weißen US-Amerikanern mit verhältnismäßig dunklem Hautton ihre Zugehörigkeit zu ihrer demographischen Gruppe besonders wichtig. Sie vertreten etwas konservativere Ansichten als ihre weißen Landsleute mit hellerem Hautton. Entsprechende Studienergebnisse haben soeben Nicol Yadon von der Ohio State University und Mara Ostfeld von der University of Michigan in Ann Arbor im Fachjournal Political Behavior veröffentlicht.

Weiße mit dunklerem Teint neigten eher dazu, Präsident Trump zu unterstützen

Die Wissenschaftlerinnen führten Interviews mit 408 Probanden, in denen deren sozioökonomischer Status sowie politische Ansichten abgefragt wurden. Zusätzlich bestimmten die Forscherinnen den Hautton der Teilnehmer mithilfe eines Spektralfotometers.

Dabei stießen Yadon und Ostfeld auf einige Zusammenhänge. So korrelierte zum Beispiel der Bildungsgrad mit der Helligkeit des Hauttons. Die hellhäutigeren Weißen verfügten im Schnitt über höhere akademische Abschlüsse. Wobei, darauf weisen die Forscherinnen explizit hin, die Stichprobe nicht repräsentativ für die US-Bevölkerung war und eher aus gebildeten Schichten mit eher linken politischen Ansichten stammte. Einen Zusammenhang zwischen Einkommen und Hautton fanden die Forscherinnen hingegen nicht.

In den politischen Einstellungen offenbarten sich hingegen deutliche Unterschiede zwischen hellen Hellhäutigen und im Vergleich dunkleren Hellhäutigen. So brachten die Teilnehmer mit dunklerem Teint der demographischen Gruppe der weißen Amerikaner im Schnitt mehr Hochachtung entgegen; von Stolz sprechen die Forscherinnen in diesem Zusammenhang nicht. Noch deutlicher war der Unterschied bei der Frage, ob jeder Bürger der USA in der Lage sein solle, Englisch zu sprechen. Auch diese Überzeugung war bei den Probanden mit dunklerem Hautton deutlich stärker.

Am größten war der Unterschied, als die Forscher nach der Haltung der Probanden zu US-Präsident Donald Trump fragten, der unter den dunklen Weißen dieser Studie deutlich mehr Unterstützer fand. Die Meinung zu Themen wie Sozialhilfe oder Polizei unterschied sich hingegen nicht in Abhängigkeit vom Hautton.

Je dunkler der Teint eines weißen Amerikaners, so argumentieren die Forscherinnen, desto eher fühle sich dieser gezwungen, seinen Status und seine Identität zu verteidigen. Und dies geschehe, indem diese Form der Gruppenidentität besonders betont, positiv beschrieben und gegen andere abgegrenzt werde. Auf individueller Ebene, so legen Studien nahe, könnte die Bedrohung, aus der Gruppe der Weißen ausgeschlossen zu werden, besonderen Eifer wecken - wie dies auch für Gruppen gilt, deren Zusammensetzung sich aufgrund anderer Merkmale bestimmt: Wer an der Peripherie sitzt, verbellt potenzielle Konkurrenten besonders laut.

© SZ/weis

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