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Ostsee-Pipeline:Arbeit für Sättigungstaucher

Für die Nordstream-Ingenieure bedeutet das: Sie konnten die Pipeline mit zunehmender Länge immer dünner bauen. "Das hat uns geholfen, große Mengen an Stahl zu sparen", sagt Projekt-Koordinator Nicolas Rivet.

Skandi Arctic

Vom Versorgungsschiff Skandi Arctic aus werden die Schweißarbeiten gesteuert. Das Tauchschiff wurde für Einsätze in bis zu 180 Metern Tiefe entwickelt.

(Foto: Nord Stream AG)

Drei Teilabschnitte sind es schließlich geworden. Jedes Segment hat unterschiedlich dicke Wandstärken, und jedes Segment muss einzeln auf seine Druckfestigkeit getestet werden. Vor allem aber müssen die einzelnen Abschnitte miteinander verschweißt werden - in Tiefen von 80 und 110 Metern. Das ist so tief, dass nur die sogenannten Sättigungstaucher dort arbeiten können.

Wie eine kleine Raumstation sieht deren Quartier an Bord der Skandi Arctic aus. Es besteht aus vier Büchsen, die jeweils von drei Tauchern bewohnt werden. Untereinander verbunden sind die Kammern durch ein Labyrinth aus Tunneln und Luken. Ein Gewirr von Leitungen, Pumpen, Ventilen garantiert den konstanten Überdruck.

Hinzu kommen zwei Dekompressionskammern, deren Druck langsam an die Umgebung angepasst werden kann. Pro Tag darf er maximal so stark sinken, als würden die Männer um 21 Meter auftauchen. An einen schnelleren Druckabbau ist aus Gesundheitsgründen nicht zu denken, nicht einmal im Notfall.

Deshalb sind zwei grellrote Überdruck-Rettungsboote an das Labyrinth angeschlossen, zu erreichen über ein Schott in der Toilette. Extra für das Nord-Stream-Projekt hat Technip nahe Stockholm zudem eine Rettungsstation gebaut, die von den Booten im Fall der Fälle angesteuert werden soll. Dort können die Taucher von ihrer schwimmenden Sardinenbüchse in eine ordentliche Dekompressionskammer umsteigen - und Tage später wieder ans Tageslicht treten. "Das ist Teil unseres Sicherheitsnetzes", sagt Statoil-Ingenieur Bjørn Bakkevig.

Ein wichtiger Teil dieses Netzes ist die Krankenstation an Bord der Skandi Arctic. Dag Jacobsen kümmert sich dort um die Gesundheit der Taucher, untersucht sie vor und nach jedem Einsatz. Krankenpfleger hat der 46-Jährige einst gelernt, jetzt ist er Experte fürs Sättigungstauchen. Im Notfall könnte der Norweger sogar zu den Tauchern in die Kammer steigen - aber das nur als allerletzte Option: "Auch ich komme dort nur ganz langsam wieder heraus", sagt Jacobsen. "Und während dieser Zeit ist überhaupt niemand mehr auf der Krankenstation."

Edel sieht die Station aus, wie der gesamte Wohn- und Aufenthaltsbereich an Bord. Dunkles Laminat und schwarze Ledermöbel dominieren die Einrichtung, 99 Kabinen bieten ausreichend Platz für die Crew. "Sie sind ziemlich luxuriös", sagt Technip-Manager Nakkestad.