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Mondlandung:Kalter Krieg im All

Mondlandung von ´Apollo 11"

Die Apollo-11-Astronauten hissten eine US-Flagge auf dem Mond - und nicht etwa die der Vereinten Nationen.

(Foto: dpa)
  • Der Wettlauf zum Mond war auch ein Wettstreit um Ansehen und militärische Übermacht zwischen den USA und der Sowjetunion.
  • Lange lagen die Sowjets in der zivilen Raumfahrt vorne. 1957 schickten die Sowjets den ersten Satelliten ins All, 1961 den ersten Menschen.
  • Unter Donald Trump wächst das Interesse der USA an der bemannten Raumfahrt wieder. Auch China und Russland planen neue Missionen zum Mond.

Der Countdown stand bei T -56 Minuten, als die indische Raumfahrtbehörde einen technischen Defekt in der 640 Tonnen schweren Trägerrakete feststellte. So musste die Mondmission Chandrayaan -2 am Sonntag abgebrochen werden - wenige Tage, bevor sich am 20. Juli die Mondlandung der Apollo 11 mit Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin an Bord der Landefähre Eagle zum 50. Mal jährt. Noch heute fasziniert die Reise zum Mond, die technische Leistung verspricht internationales Prestige. Nur die Sowjetunion und China haben nach den USA weitere Mondlandungen vollzogen, unbemannt allerdings und in bescheidenerem Maßstab. Nun strebt auch Indien danach.

Die amerikanischen Astronauten waren am 16. Juli 1969 mit einer Saturn- V-Trägerrakete vom Kennedy Space Center auf Merritt Island in Florida gestartet und landeten am 20. Juli im Mare Tranquillitatis, einer der Tiefebenen, die dem Mond sein Aussehen verleihen. Sie machten im Rennen der Supermächte um das Weltall eine Serie von Niederlagen gegen die Sowjetunion wett, als um 21.35 Uhr Ortszeit in Houston/Texas Armstrong als erster Mensch den Mond betrat, live im Fernsehen übertragen und von Hunderten Millionen Menschen verfolgt. "Es ist ein kleiner Schritt für einen Menschen", sagte er per Funk, nachdem er sich von der untersten Sprosse der Leiter der Eagle auf die Mondoberfläche heruntergelassen hatte - "aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit!"

Armstrong und Aldrin pflanzten das Sternenbanner auf, als "symbolische Geste des nationalen Stolzes auf das Erreichte", wie der Kongress im entsprechenden Gesetz festhielt. Es stellte zugleich klar, dass die USA damit keine territorialen Ansprüche verbinden - abgelehnt wurde jedoch die in der Nasa erwogene Alternative, ein Flagge der Vereinten Nationen zu hinterlassen. Denn der Wettstreit der zivilen Raumfahrt war auch einer um Ansehen und militärische Übermacht - in dem die Sowjetunion lange vorne gelegen hatte. In beiden Staaten wurde der friedliche Charakter der Raumfahrtprogramme betont, organisatorisch, personell und technologisch waren sie jedoch eng mit der militärischen Raketenentwicklung verknüpft.

Am 12. April 1961 schicken die Sowjets Juri Gagarin als ersten Menschen ins All

Im Oktober 1957 schoss die Sowjetunion vom Weltraumbahnhof Baikonur Sputnik 1 ins All, den ersten künstlichen Satelliten, und setzte die USA damit unter Schock. Denn damit verfügte die Sowjetunion auch über die Technologie für Interkontinentalraketen, neben Langstreckenbombern ein weiteres, bald das bestimmende Trägersystem, um einen Atomsprengkopf auf das Territorium der USA feuern zu können. Am 12. April 1961 umrundete der Kosmonaut Juri Gagarin, Oberst der sowjetischen Luftstreitkräfte, in seinem Raumschiff Wostok 1 die Erde. Er war somit der erste Mensch im Weltraum, die USA sollten mit ihrem ersten bemannten Raumflug erst zehn Monate später folgen.

7 Piloten

wählte die Nasa 1959 für ihr Raumfahrtprogramm Mercury aus: Scott Carpenter, Gordon Cooper, John Glenn, Gus Grissom, Walter Schirra, Alan Shepard und Deke Slayton. Die sogenannten Mercury 7 waren allesamt Testpiloten und hatten teils auch schon Kampfeinsätze geflogen. Mindestens 1500 Flugstunden mussten die Kandidaten vorweisen. Zudem verfügten sie über eine Ingenieurausbildung - eine weitere Voraussetzung für die Aufnahme ins Astronautenprogramm.

Wenige Tage nach Gagarins Raumflug verkündete Präsident John F. Kennedy im Kongress weit ambitioniertere Pläne: Bis zum Ende des Jahrzehnts würden es die USA unternehmen, einen Menschen auf den Mond und wieder sicher zurück zur Erde zu bringen. Er hatte sich dafür entschieden, nachdem es nicht als sicher erschien, dass die USA bei anderen zur Wahl stehenden Missionen der UdSSR zuvorkommen würden, etwa einen Menschen in den Mond-Orbit zu bringen oder eine bemannte Raumstation zu entwickeln. 1965 absolvierte Alexeij Leonow den ersten Weltraumspaziergang, 1966 landete die sowjetische Sonde Luna 9 auf dem Mond.

Beraten ließ sich Kennedy von Vize-Präsident Lyndon B. Johnson und dem aus Deutschland stammenden Raketen-Ingenieur und Raumfahrt-Enthusiasten Wernher von Braun. Er hatte für die Nazis die V-2-Raketen mitentwickelt, die im Zweiten Weltkrieg London und Antwerpen terrorisierten. Zusammen mit Hunderten anderen deutschen Wissenschaftlern war er nach Kriegsende im Zuge der Operation Paperclip in die USA gebracht worden und arbeitete von 1959 an bei der Nasa an der Entwicklung der Saturn-Trägerraketen.