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Meerwasserentsalzung:Wie Dubai dem Meer Trinkwasser abringt

Meerwasserentsalzung

Riesige Rohre leiten heißen Dampf durch "Dschabal Ali", um Meerwasser zu erhitzen.

(Foto: Spencer Lowell)

Das Kraftwerk "Dschabal Ali" in Dubai gewinnt jeden Tag Millionen Liter Frischwasser aus dem Persischen Golf. Die Meerwasserentsalzung ist ein Segen für arabische Staaten - und ein Zeichen massiver Verschwendung.

We should go to the moon", wir sollten zum Mond fliegen, lautet einer der berühmtesten Aussprüche John F. Kennedys. Der Satz lässt sich noch zum Reim ergänzen: "We will see the deserts bloom" - wir werden die Wüste blühen sehen. So sagte es Kennedy 1961 vor dürregeplagten Texanern, im gleichen Jahr seiner "Moonshot"-Rede. Kennedy begeisterte sich nicht nur für die Mondfahrt. Der junge Präsident war auch Fan der Meerwasserentsalzung. Trinkwasser aus Salzwasser zu gewinnen, nannte er "einen der ältesten Träume der Menschheit". Die Arbeit an der Technologie sei "in vieler Hinsicht wichtiger als jedes andere wissenschaftliche Unternehmen, das dieses Land verfolgt." 75 Millionen Dollar steckte die Kennedy-Regierung Anfang der 1960er-Jahre in die Erforschung der Meerwasserentsalzung, damals eine gewaltige Summe.

Trinkwasser

So funktioniert die Meerwasserentsalzung in "Dschabal Ali"

Heute ist der Traum wahr geworden, allerdings größtenteils fernab der USA. Zwar deckt die Meerwasserentsalzung heute auch einen Teil des Wasserbedarfs in den USA; doch nirgends ist die Technologie so dominant wie im Nahen Osten. Rund 20 Millionen Kubikmeter Trinkwasser gewinnen die Golfstaaten jeden Tag aus dem Meer. In Saudi-Arabien stammen bereits 70 Prozent des Trinkwassers aus dem Persischen Golf und dem Roten Meer. Die Küste des persischen Golfs ist übersät mit mehr als 200 Kraftwerken, die das Meer entsalzen, und die Anrainer wollen noch kräftig aufstocken. Allein die Vereinigten Arabischen Emirate arbeiten daran, die Kapazität zu verdoppeln.

In Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten steht die derzeit größte Entsalzungsanlage der Welt. Durch den Dschabal Ali Komplex direkt an der Küste strömen jeden Tag mehr als zwei Milliarden Liter Meerwasser und werden zu Trinkwasser - in etwa das Volumen von 800 Olympischen Schwimmbecken. Das geschieht hauptsächlich in acht Einheiten zur "mehrstufigen Entspannungsverdampfung". Durch diese Kammern fließt von größerem Unrat gereinigtes Meerwasser, von anderer Seite strömt durch riesige Rohrkomplexe heißer Dampf hinzu und verdampft das flüssige Meerwasser schlagartig.

Die acht Verdampfungskammern oder "Evaporation Chambers" sind die Herzen von Dschabal Ali, hier wird aus Salzwasser Frischwasser gewonnen. Das kühle Meerwasser fließt über ein Rohr zu einem Erhitzer. Hier treffen der heiße Dampf aus der Stromproduktion und das kühle Meerwasser zusammen, getrennt durch eine dünne Oberfläche. Dadurch erhitzt sich das Meerwasser auf 115 Grad Celsius. Das heiße Meerwasser fließt anschließend durch mehrere Kammern in die umgekehrte Richtung zurück. In den Kammern herrscht Unterdruck, dadurch verdampft das Wasser schlagartig. Der gereinigte Dampf kondensiert an dem kühlen Rohr, das zuvor das Meerwasser zum Erhitzer gebracht hat. Das Frischwasser wird gesammelt. Von rechts nach links betrachtet sinkt die Temperatur in den Kammern, daher bezeichnen Verfahrenstechniker den Vorgang als Entspannungsverdampfung. Zugleich wird die Sole salziger.

Meerwasser zu verdampfen ist die kostspieligste Methode, Trinkwasser zu gewinnen

Das vom Salz gereinigte Kondensat fangen kühlere Rohrleitungen an den Decken auf, während eine salzhaltige Brühe unten zurückbleibt und später wieder ins Meer fließt. Chemikalien sind so gut wie keine im Spiel, die Trennung basiert einzig auf brachialer Hitze - die aber erst einmal erzeugt werden muss. Deshalb sind die Entsalzungseinheiten mit einem Kraftwerk gekoppelt, in dessen Heizkessel Öl und Gas verbrennen und einige Dampfturbinen antreiben. Dabei entstehen zwei Gigawatt Elektrizität, die Leistung zweier Atomkraftwerke, und überschüssiger Dampf, mit dem sich noch das Meer entsalzen lässt. Trinkwasser ist also nur eine Art Nebenprodukt in diesem Prozess, allerdings ein ziemlich teures. Meerwasser zu verdampfen ist mit Abstand die kostspieligste Methode, Trinkwasser zu gewinnen, weil dafür riesige Anlagen nötig sind, die mit fossilen Energieträgern wie Erdöl arbeiten.

Doch einem Großteil der arabischen Welt bleibt kaum eine Wahl. Die Staaten der arabischen Halbinsel und Nordafrikas bedecken zwar zehn Prozent der Landmasse der Erde, bekommen aber nur zwei Prozent des Regens ab. Auf der Arabischen Halbinsel gibt es kaum Grundwasservorkommen, und wo es sie gibt, werden sie oft hemmungslos angezapft, sodass sie immer weiter schwinden. Viele arabische Staaten liegen mit ihren ausgezehrten natürlichen Wasserressourcen schon unter der von der WHO festgelegten Schwelle für Wasserknappheit.