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Perseverance-Mission:Mars-Helikopter "Ingenuity" hebt erstmals ab

Es ist der erste kontrollierte Flug auf einem fremden Planeten: Mars-Helikopter "Ingenuity" ist erfolgreich gestartet, gab die Nasa bekannt.

Von Christoph von Eichhorn

Der Jungfernflug des Mars-Helikopters Ingenuity ist geglückt. Wie die Nasa bestätigte, hob der Hubschrauber zu einem 30-sekündigen, autonomen Flug auf dem Roten Planeten ab. Der Helikopter sei erfolgreich abgehoben, in rund drei Metern Höhe geschwebt und wieder gelandet. Ursprünglich sollte Ingenuity schon vor mehr als einer Woche abheben. Die Nasa hatte den Start jedoch verschoben, um die Steuerungssoftware nochmals anzupassen.

Die Mars-Atmosphäre ist etwa hundertmal dünner als die Lufthülle der Erde, was es zu einer Herausforderung macht, genügend Auftrieb zu erzeugen. Die mit Lithium-Ionen-Akkus betriebenen Rotoren des rund 1,8 Kilogramm leichten Helikopters können sich daher bis zu 2500 Mal pro Minute drehen. Bei Hubschraubern auf der Erde sind es zwischen 400 und 500 Umdrehungen pro Minute. Zugleich beträgt die Gravitation auf dem Mars nur etwa ein Drittel der Erdanziehung, was das Abheben etwas erleichtert. Die größte Frage für die Nasa-Ingenieure war im Vorfeld, ob es wirklich möglich sein würde, den nötigen Auftrieb zu erzeugen.

"Ingenuity" im Flug, gefilmt vom Mars-Rover "Perseverance" aus.

(Foto: Nasa/JPL)

Da Signale vom Mars bis zu 20 Minuten benötigen, bis sie die Erde erreichen, kann Ingenuity nicht vom Kontrollzentrum auf der Erde gesteuert werden. Eine Software fliegt den Helikopter deshalb weitgehend autonom. Der dafür nötige Prozessor ist rund hundert Mal so stark wie der des Mars-Rovers Perseverance.

Die Ergebnisse selbst werden allerdings nicht direkt zur Erde übertragen, sondern über einige Zwischenstationen. Nach der Landung auf dem Marsboden hat der Helikopter die gesammelten Telemetrie-Daten seines kurzen Flugs zunächst zum Rover Perseverance gefunkt, der die Daten zum in der Mars-Umlaufbahn verbliebenen Mars Reconnaissance Orbiter weiterleitete. Von dort wurden die Flugdaten schließlich über das "Deep Space Network" der Nasa zur Erde geschickt. Der Flug des Helikopters fand also bereits vor einigen Stunden statt, erst am frühen Nachmittag erreichten die Erfolgsmeldung und erste Fotos vom Erstflug schließlich die Erde.

Der Jungfernflug eröffne bei der Erforschung des Mars die Möglichkeit zur Luftaufklärung, sagte der Wissenschaftsdirektor der Nasa, Thomas Zurbuchen, in einem Livestream. Das sei etwa wichtig, um "Gegenden zu erkunden, die ein Rover nicht erreichen kann", wie an Bergflanken gelegene Höhlen. Die Möglichkeit zur Vorauserkundung sei auch nützlich für mögliche bemannte Missionen zum Mars, so Zurbuchen.

Ingenuity war an Bord der Raumsonde Perseverance zum Mars gelangt. Die Sonde war am 18. Februar im Jezero-Krater gelandet und hatte den Helikopter vor zwei Wochen auf dem Marsboden ausgesetzt. In den kommenden Wochen soll er noch vier weitere Testflüge absolvieren.

© SZ/cvei/hach
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