Künstliche Intelligenz Roboter brauchen Rechte und Pflichten

"Cruzr"-Roboter auf der Technikmesse CES in Las Vegas

(Foto: dpa)

Bald könnten Maschinen über Leben und Tod entscheiden. Es ist Zeit für neue Regeln.

Kommentar von Hanno Charisius

Laut Drehbuch wurde der Supercomputer HAL 9000 am 12. Januar 1992 in Urbana, Illinois, in Betrieb genommen. Diese künstliche Intelligenz spielt eine zentrale Rolle in Stanley Kubricks Filmklassiker "2001: Odyssee im Weltraum". Der Rechner entwickelt ein für Menschen ziemlich gefährliches Eigenleben.

Nun ist es bestimmt nur Zufall, dass der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments genau 25 Jahre nach diesem fiktiven Ereignis am vergangenen Donnerstag beschlossen hat, die EU-Kommission solle sich mit Robotern und künstlicher Intelligenz befassen und ein Gesetzeswerk für die Maschinen der nahen und ferneren Zukunft entwickeln. Aber es war höchste Zeit.

Wer das jetzt für arg futuristisch hält, möge sich nur auf ein paar Meldungen aus den vergangenen Monaten besinnen. Mehrmals verursachten Fahrzeuge mit unausgereiftem Autopiloten Unfälle. Noch sind autonom fahrende Fahrzeuge die Ausnahme, doch das wird sich rasch ändern, wie auch in anderen Lebensbereichen Maschinen die Kontrolle übernehmen werden. Und so zielt auch die Initiative des EU-Parlaments zunächst vor allem auf Haftungsfragen: Wer zahlt, wenn ein Roboter was kaputt macht oder einem Menschen schadet? Der Besitzer? Der Entwickler? Der Verkäufer?

Die Parlamentarier drängen die Kommission, eine Behörde einzurichten, die sich mit solchen Fragen befassen soll, ebenso wie mit technischen und ethischen Problemen. Zudem sollen die Konstrukteure dazu verpflichtet werden, stets einen Notschalter einzubauen, der die Maschinen umgehend lahmlegt. Es solle zudem untersucht werden, wie tragfähig Sozialversicherungssysteme und Steueraufkommen sind, wenn Roboter und KI menschliche Arbeitsplätze ersetzen.

Deshalb sollte ein allgemeines Grundeinkommen "ernsthaft in Erwägung gezogen werden". Der Rechtsausschuss erwägt zudem, dass "für die ausgeklügeltsten autonomen Roboter ein Status als elektronische Person mit speziellen Rechten und Verpflichtungen festgelegt werden könnte". Im Februar soll das Parlament entscheiden, ob es diesen Vorschlägen folgt.

In Zeiten von Populismus, Terrorismus und Klimawandel scheint es Dringenderes zu geben als die abstrakten Fragen, welche Rechte Roboter einmal haben werden und ob sie nicht vielleicht auch Sozialabgaben leisten könnten. Doch schreiten die Entwicklungen in diesem Bereich rasend schnell voran. Und ehe wir uns versehen, entscheiden Maschinen zum Beispiel im Straßenverkehr über Leben und Tod. Gut, wenn bereits jetzt ein paar Regeln dazu festgelegt werden. Anschließend kann man sich ja wieder um den menschlichen Wahnsinn kümmern.