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Kommunikation im Meer:Schlaue Delfine - nur ein Mythos?

Der Neuroethologe Paul Manger spricht den Delfinen sogar höhere kognitive Leistungen als solches ab. Viele der vermeintlich einzigartigen Verhaltensweisen der Delfine seien unter Säugetieren weit verbreitet, argumentiert Manger in einer Streitschrift. Mehr als vier Jahre fast täglichen, intensiven Trainings habe es etwa bedurft, um zwei gefangenen Delfinen eine Art Vokabular von 40 Objekten anzutrainieren. Das gleiche sei bei Seelöwen gelungen, wenn auch mit weniger Objekten. Auch aus der Fähigkeit zur Imitation von Sprache lasse sich noch keine höherwertige Intelligenz ableiten, schließlich könnten Papageien das genauso gut. Die Intelligenz der Delfine sei daher "qualitativ nicht anders" als bei anderen höher entwickelten Tieren, die Schläue der Delfine ein Mythos.

Eine Einschätzung, der Karsten Brensing von der Organisation "Whale and Dolphin Conservation" heftig widerspricht. "Delfine haben ein äußerst komplexes Kommunikationssystem", sagt Brensing. Versuche in Gefangenschaft hätten gezeigt, dass Delfine Sprache auf sehr abstrakter Ebene verstehen könnten, etwa als Gebärdensprache, und dass sie selbst eine einfache Grammatik beherrschten. "Die große Frage ist, ob sie das nur in Gefangenschaft erlernen können oder ob sie auch in Freiheit so komplex kommunizieren", sagt Brensing.

Als gesichert gilt jedenfalls, dass Große Tümmler eine Art Namensignatur pfeifen, sich also gegenseitig im Wasser rufen können. Doch wie gezielt setzen die Delfine die Pfiffe wirklich ein? Hier könnten Techniken wie die Herzings zumindest eine vernünftige Grundlage sein, um die strittigen Fragen mit höherer Sicherheit zu klären.

Auch Allianzen schmieden männliche Delfine wohl untereinander. Ein Beleg für sozialen Ordnungssinn, doch kaum für die Art von Hilfsbereitschaft, die den Säugern oft nachgesagt wird. Denn die Männchen tun sich nicht zum gegenseitigen Schutz zusammen. Sondern um gemeinsam Weibchen zur Paarung zu entführen.

© Süddeutsche.de
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