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Erderwärmung:Aufforstung allein verhindert keine Klimakrise

Wald in Baden-Württemberg

Können Bäume das Klima retten?

(Foto: dpa)

Viel mehr Bäume - das ist für einige Wissenschaftler und Politiker die Lösung der Klimaprobleme. Wälder können zwar CO₂ speichern. Aber effizienter ist es, das Treibhausgas gar nicht erst in die Luft zu pusten.

Mit einem Mal scheint die Lösung für die Klimakrise gefunden zu sein: Bäume pflanzen. Die grünen Lungen des Planeten sollen das Treibhausgas Kohlendioxid aus der Atmosphäre filtern und in klimaneutrale Biomasse verwandeln. Problem gelöst. So zumindest stellen das seit vergangener Woche Leute wie FDP-Chef Christian Lindner dar, die gern so weitermachen würden wie bisher, ohne Einschränkungen in Konsum und Verhalten. Doch leider ist diese Lösung zu schön, um zu funktionieren.

Das fängt bereits bei der Größe des Problems an: Ein Forscherteam hat dargelegt, wie viel Platz auf der Erde vorhanden wäre, um Wälder anzulegen, die als CO₂-Speicher dienen könnten. Eine Fläche fast so groß wie die USA stünde demnach für die Aufforstung zur Verfügung, ohne dass Städte oder die Landwirtschaft beeinträchtigt würden. Gut zwei Drittel des von Menschen in den vergangenen zweieinhalb Jahrhunderten verursachten Treibhausgases sollen auf diesen Freiflächen angepflanzte Bäume aufnehmen können. Wenn diese Berechnung der Überprüfung standhält, was einige Wissenschaftler bereits bezweifeln, die nicht an der Studie beteiligt waren, dann würde das tatsächlich ausreichen, um den Klimawandel zu bremsen. Allerdings nur unter der unbequemen, aber entscheidenden Voraussetzung, dass die Menschen aufhören, weiter CO₂ in die Atmosphäre zu pusten.

Der Irrsinn ist ganz offensichtlich

Wälder können zwar Kohlendioxid aufnehmen und im Holz binden - aber eben nur in begrenzten Mengen während ihrer bis zu 100 Jahre dauernden Wachstumsphase. Will die Menschheit mit ihrem CO₂-Ausstoß weitermachen wie bisher, dann müsste sie alsbald die zwei-, drei- oder vierfache Fläche der USA freiräumen, um dort Bäume zu pflanzen. Der Irrsinn ist ganz offensichtlich.

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Und nicht nur das. Es genügt nicht, einfach ein paar Samenkapseln über geeigneten Regionen abzuwerfen. Die Flächen müssten auch gepflegt werden. Nur um den absurden Aufwand mal zu veranschaulichen: Weltweit wurden im vergangenen Jahr etwa 37 Milliarden Tonnen CO₂ freigesetzt. Legt man die Daten der aktuellen Studie zugrunde und überschlägt das grob, müsste dafür eine Fläche etwa zweimal so groß wie das deutsche Staatsgebiet neu bewaldet und anschließend gehegt werden. Unterlässt man die Pflege, geraten die Wälder zu Zeitbomben: In Russland, wo die meiste Fläche für Aufforstungen zur Verfügung stünde, haben in den vergangenen Jahren riesige Waldbrände gewütet, die den Klimawandel zusätzlich beschleunigen. Nur sorgfältige Bewirtschaftung der Klimaschutzwälder könnte solche Katastrophen verhindern.

Klimaschutz kostet, das ist klar. Längst haben Ökonomen durchgerechnet, dass es billiger wäre, man würde jetzt entschlossen etwas tun, um die Klimakatastrophe doch noch abzuwenden, als sich später mit den Folgen arrangieren zu müssen. Berechnungen zeigen auch, dass es billiger ist, Kohlendioxid zu vermeiden, als das Treibhausgas später wieder aus der Atmosphäre zu holen, etwa durch Aufforstung des Planeten. Politik, die solche Studien nicht berücksichtigt, ist nicht weitsichtiger als ein Schwarm Heuschrecken, der über einen Acker herfällt.

Bäume können einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, das stimmt. Aber nur, wenn der Mensch auch seinen Teil tut und weniger Treibhausgase produziert. Und endlich anfängt, die bestehenden Wälder zu schützen.

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Zusätzlich Bäume zu pflanzen, wäre eine effiziente Maßnahme zur Klimarettung. Doch das Projekt wäre mit einem absurden Aufwand verbunden, kommentiert SZ-Autor Hanno Charisius.