Klimawandel:Cashews aus den USA, Kaffee aus Neuseeland

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Klimawandel: Große Frucht, kleiner Cashew-Kern. Der auch als Cashew-Apfel bezeichnete Fruchtkörper verdirbt schnell.

Große Frucht, kleiner Cashew-Kern. Der auch als Cashew-Apfel bezeichnete Fruchtkörper verdirbt schnell.

(Foto: FLPA/Parameswaran Pillai Karunakara/imago images/imagebroker)

Der Klimawandel verschiebt die geeigneten Anbaugebiete für eine Reihe wichtiger Marktfrüchte in bislang kühlere Regionen der Welt.

Von Benjamin von Brackel

Kaffee aus Neuseeland, Cashews aus den USA und Avocados aus China: Bereits in 30 Jahren könnte sich der Anbau dieser drei Kulturpflanzen auch in Regionen zu lohnen beginnen, in denen diese Gewächse bislang kaum gedeihen. In den traditionellen tropischen Anbauländern dürfte sich die Ernte hingegen aufgrund steigender Temperaturen mehr und mehr verschlechtern. Das geht aus einer Studie von Umweltwissenschaftlern im Fachblatt Plos One hervor. "Die Ausdehnung der geeigneten Anbaugebiete verschiebt sich tendenziell nach Norden und Süden", erklärt der Hauptautor des Fachartikels, Roman Grüter, von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Mit dem Anbau von Kaffee, Cashews und Avocados bestreiten Millionen Menschen in Entwicklungsländern ihren Lebensunterhalt. "Sie sind oft die Haupteinnahmequelle für lokale Kleinbauern", sagt Grüter. Weltweit steigt die Nachfrage. Weil die drei Plantagenkulturen manchmal über Jahrzehnte bestehen, müssen die Bauern langfristig planen. Trotzdem fehlte zumindest für Cashews und Avocados bislang eine globale Abschätzung, wie sich die Grenzen der geeigneten Anbauregionen durch den Klimawandel verschieben werden. Das haben die Umweltwissenschaftler um Grüter nun anhand von Computermodellen berechnet.

Wälder könnten gerodet und wertvolle Ökosysteme zerstört und in Plantagen verwandelt werden

Dafür hat Grüters Team die biophysikalischen Ansprüche von Kaffee, Cashews und Avocados mit den prognostizierten Klimabedingungen für das Jahr 2050 abgeglichen, sowie erstmals den Bodenverhältnissen für die gesamte Welt. Das Ergebnis: Der Klimawandel dürfte insbesondere die derzeit wichtigsten Kaffeeproduzenten beuteln. Länder wie Brasilien, Vietnam, Indonesien und Kolumbien könnten fast sämtliche ihrer besten Anbaugebiete einbüßen - sie wären in drei Jahrzehnten nur noch Mittelmaß. "Die besten Anbaugebiete geraten unter Druck", sagt Grüter. Profitieren würden hingegen Länder weiter im Norden wie die USA und China und im Süden etwa Uruguay, Argentinien, Südafrika und Neuseeland. Dort könnte sich der Kaffeeanbau in Zukunft lohnen.

Für den Anbau von Avocados und Cashews wiederum dürften die geeigneten Gebiete insgesamt zunehmen - allerdings in den bisherigen Hochburgen wie Indien, der Elfenbeinküste und Benin (Cashews) sowie Peru, Dominikanische Republik und Indonesien (Avocados) abnehmen. Ob aber die Zunahme an potenziell geeigneten Anbaugebieten die Verluste in den bisherigen Hauptanbaugebieten ausgleichen kann, ist fraglich. Grüter spricht von "Zielkonflikten". Womöglich sind die neu in Frage kommenden Gebiete bereits anderweitig genutzt oder gar geschützt. Die Gefahr: Wälder könnten gerodet und wertvolle Ökosysteme zerstört werden, um lukrativen Plantagen zu weichen.

Die Hauptproduktionsländer wiederum müssen sich etwas einfallen lassen, um ihre wichtigen Einnahmequellen zu schützen. Zum Beispiel mithilfe von Untersaaten, Abdeckungen und Hecken, die dem Wasserverlust während Dürren und Hitzewellen entgegenwirken, schlägt Grüter vor. Sie könnten auch Pflanzensorten züchten, die mit trockeneren und heißeren Bedingungen zurechtkommen. Oder im Falle des Kaffees auf Robusta-Bohnen statt Arabica setzen. Auch Bewässerung würde helfen, wenn sich die Bauern das leisten können und es überhaupt genügend Wasser gibt. Je weiter die Erderwärmung aber die Marke von zwei Grad Celsius überschreitet, desto aufwändiger dürfte es werden, die traditionellen Anbaugebiete zu halten - bis irgendwann nichts mehr anderes übrig bliebe als sie aufzugeben.

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