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Geschichte:Ureinwohner Südamerikas und Polynesiens hatten Kontakt

Internet-Kampagne 'Neue Sieben Weltwunder' - Statuen auf den Osterinseln

Die Bewohner der Osterinsel hatten im 14. Jahrhundert Kontakt mit Ureinwohnern aus Südamerika - lange vor Kolumbus.

(Foto: Ricardo Ortega/dpa)

DNA-Analysen belegen, dass fast 400 Jahre vor Ankunft der Europäer Seefahrten quer über den Pazifik stattfanden.

Von Julian Rodemann

Er galt als Spinner. Thor Heyerdahl setzte sich 1947 auf ein handgefertigtes Floß und ließ sich von Peru aus mehrere Tausend Kilometer zum Raroia-Atoll treiben, das zur Inselregion Polynesien im Pazifik gehört. Der norwegische Ethnologe und Abenteurer wollte damit beweisen, dass die Ureinwohner Südamerikas bereits im Mittelalter die polynesischen Inseln entdeckt und besiedelt haben könnten - lange bevor sie selbst von den spanischen Konquistadoren unterjocht wurden.

Auf die Idee gebracht hatten Heyerdahl Legenden, die sich die Ureinwohner der polynesischen Insel Fatu Hiva erzählten und denen zufolge ihre Urahnen aus dem Osten kamen - also aus Südamerika und nicht aus Asien, wie Wissenschaftler vermuten. Die Fachwelt schenkte Heyerdahls Theorie einst wenig Beachtung. Eine jetzt in Nature erschienene Studie zeigt jedoch, dass die Indianer Südamerikas tatsächlich bereits fast 400 Jahre vor der Ankunft der Europäer Kontakt zu den polynesischen Ureinwohnern hatten. Zudem deutet auch noch einiges daraufhin, dass ausgerechnet Fatu Hiva der Ort des ersten Kontakts war.

Dreißig Wissenschaftler um den Biostatistiker Alexander Ioannidis haben genetische Daten von mehr als 800 Ureinwohnern verschiedener pazifischer Inseln und südamerikanischer Küstenregionen verglichen. Die Forscher fanden so heraus, dass viele polynesische und südamerikanische Ureinwohner dieselben Vorfahren haben. Der früheste Kontakt fand vermutlich um 1150 auf Fatu Hiva statt. "Das fällt genau in den Zeitraum, in dem die Inseln von den Polynesieren selbst besiedelt wurden", sagt Ioannidis.

Vielleicht waren es Polynesier, die nach Südamerika fuhren und Passagiere zurückbrachten

Es sei daher denkbar, dass die Polynesier - von Westen kommend - auf manchen Inseln bereits südamerikanische Siedlungen vorfanden. Bisher hatten sich Wissenschaftler vor allem auf die östlichste Insel Polynesiens konzentriert: Rapa Nui, hierzulande besser bekannt als Osterinsel. Man vermutete lange, dass - wenn überhaupt - die dortigen Ureinwohner zuerst in Kontakt mit den Südamerikanern gerieten. Tatsächlich kam es wohl zu einem Kontakt - aber erst im 14. Jahrhundert, also deutlich später als mit den Bewohnern von Fatu Hiva.

Die neuen DNA-Analysen bestätigen Heyerdahls Theorie und die Mythen der Ureinwohner Fatu Hivas allerdings nicht endgültig. "Wir können nicht ausschließen, dass eine Gruppe Polynesier nach Südamerika gereist ist und Indianer von dort mitbrachte", schreiben die Wissenschaftler in der Studie. Meeresströmungen sprächen jedoch für Heyerdahl. Egal, in welche Richtung - mutige Seefahrer waren die Ureinwohner des Pazifikraums allemal.

© SZ
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