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Impfung gegen Schweinegrippe:Vorzugsbehandlung für Bundesminister

Verträglicher als für die Bundesbürger: Im Kampf gegen die Schweinegrippe soll das Kabinett mit einem besonders verträglichen Serum geimpft werden.

Daniela Kuhr

Nicht nur Bundeswehrsoldaten, auch Mitglieder der Bundesregierung und der Bundesbehörden sollen mit einem anderen Impfstoff gegen die Schweinegrippe geimpft werden als die Bevölkerung. Das Bundesinnenministerium bestätigte am Wochenende einen entsprechenden Bericht des Magazins Spiegel.

Demnach hat das Ministerium für die Regierung und für die nachgeordneten Bundesbehörden über das Deutsche Beschaffungsamt 200.000 Dosen des Impfstoffs Celvapan des US-Herstellers Baxter bestellen lassen. Dieser Impfstoff hat keine Wirkverstärker und gilt deshalb allgemein als verträglicher.

Für die Bevölkerung dagegen haben die Bundesländer 50 Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix vom Pharmahersteller Glaxosmithkline bestellt. Sie sollen von der kommenden Woche an bereitstehen. Damit dieser Impfstoff in der Kürze der Zeit in ausreichender Menge produziert werden konnte, hat man die Antigenmenge reduziert und gleichzeitig eine Verstärkersubstanz aufgenommen, um die Wirkung zu erhöhen.

Daher könne es häufiger als normalerweise zu Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle kommen. Auch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen seien denkbar, hatte Johannes Löwer, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, bereits im Sommer gesagt. Auch der Impfstoff Focetria von Novartis arbeitet mit einem Wirkverstärker.

Bei solchen Wirkverstärkern handelt es sich um Öl-in-Wasser-Verbindungen, die Vitamin E, aus Getreide gewonnenes Polysorbat sowie Squalen enthalten, das zum Beispiel in Haifischleber, Olivenöl und anderen Pflanzenölen wie Weizenkeimöl steckt. Diese Verstärkersubstanzen wurden in der Vergangenheit auch schon bei normalen saisonalen Grippeimpfstoffen verwendet.

Im Bundesgesundheitsministerium sieht man daher keinen Grund zur Sorge. "Alle Impfstoffe sind von Europas höchsten Experten zugelassen worden", sagte eine Sprecherin am Sonntag zur Süddeutschen Zeitung. "Sie sind in Wirksamkeit, Qualität und Verträglichkeit alle vergleichbar. Es gibt keinen besseren und keinen schlechteren Impfstoff."

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums wies den Vorwurf der Zwei-Klassen-Medizin am Sonntag zurück. Das Ministerium koordiniere die Bestellung von Impfdosen für die gesamten Bundesministerien. Diese Aufgabe habe es an das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung übertragen. "Das Beschaffungsamt hatte aber bereits im Jahr 2008 zu Vogelgrippezeiten einen Rahmenvertrag mit der Firma Baxter geschlossen", sagt die Sprecherin. "Er waren also nicht etwa medizinische Erwägungen, die das Amt veranlasst haben, den Wirkstoff bei Baxter und nicht bei Glaxosmithkline zu bestellen."

Im Gegensatz zu dem vom Bundesinnenministerium bestellten Impfstoff Celvapan enthalten Pandemrix und Focetria zudem Thiomersal, eine organische Quecksilberverbindung, die zur Konservierung verwendet wird. Celvapan verdirbt deshalb deutlich schneller. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind die Quecksilberverbindungen aber so gering dosiert, dass sie ungefährlich sind - auch für Schwangere.

Anders als auf Bundesebene wird es in den Ländern keine bevorzugten Behandlungen beim Impfen geben. Für die gesamte Bevölkerung habe das Land denselben Impfstoff bestellt, sagte Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in Düsseldorf. Auch die niedersächsische Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann sagte: "Niedersachsen hat, wie übrigens alle Bundesländer für die Politiker, die Beamten und die Bevölkerung denselben Impfstoff geordert." Es würden keine Unterschiede gemacht.

Vergangene Woche hatte bereits für Aufsehen gesorgt, dass die Bundeswehr ebenfalls Impfstoff ohne Wirkverstärker erhält. Die Bundesregierung bemüht sich momentan, diesen Impfstoff auch für Schwangere zu besorgen. Denn die Ständige Impfkommission empfiehlt, bei Schwangeren bis auf weiteres auf einen Impfstoff mit Wirkverstärkern zu verzichten. Die Impfungen sollen in der letzten Oktoberwoche starten.

© SZ vom 19.10.2009/cag
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