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Erdöl wird knapp:Große Unbekannte Saudi-Arabien

Ganz genau weiß zwar kein Mensch, wie viel Öl noch in der Erdkruste steckt, aber die Statistik der in den vergangenen Jahrzehnten neu entdeckten Quellen spricht Bände. Etwa seit 1980 wird weltweit weniger Öl entdeckt als gefördert. Obwohl die Suchmethoden immer besser werden, gelingt es immer seltener, nennenswerte Mengen des fossilen Rohstoffs zu entdecken. Und wenn, dann sind die neuen Felder meist schwer erreichbar, so wie vor der Küste Brasiliens, wo man erst 5000 Meter Wasser und dann 3000 Meter Meeresboden durchstoßen müsste, um an neu entdeckte Vorkommen zu gelangen.

(Foto: SZ-Graphik; Quelle: ASP)

Wer mehr hat, darf mehr verkaufen

Die Erdöl fördernden Staaten der Welt, besonders die in der Opec organisierten Nationen, tragen das Ihre dazu bei, um eine realistische Schätzung der noch verfügbaren Ölvorkommen zu verwässern. Der Grund für diese Politik ist einfach: Gemäß den Opec-Regeln bemisst sich der erlaubte jährliche Export an den noch vorhandenen Ressourcen.

Es lohnt sich also für die Opec-Staaten, die eigenen Ölvorkommen schönzurechnen, denn wer mehr hat, darf mehr verkaufen. Als diese Regelung in den 1980er Jahren eingeführt wurde, geschah ein geologisches Wunder: Die Reserven fast sämtlicher Opec-Staaten stiegen sprunghaft in die Höhe.

Die größte Unbekannte ist Saudi-Arabien, das erdölreichste Land der Welt. Der Staat liefert 13,5 Prozent des globalen Erdöls, zehrt jedoch von wenigen, riesigen Ölfeldern. Dabei mehren sich die Anzeichen, dass die staatliche Fördergesellschaft Saudi Aramco die vorhandenen Ölfelder übernutzt.

Experten berichten, dass in die gewaltigen Quellen unter dem saudischen Wüstenboden bereits Wasser eingepresst wird, eine Technik, die eigentlich dazu dient, aus erschöpften Feldern das Letzte herauszuholen. Der Energiefachmann Jörg Schindler von dem Münchner Beratungsunternehmen Ludwig-Bölkow-Systemtechnik vermutet, dass die gesamten Ölreserven des Nahen Ostens um 300 Milliarden Barrel zu hoch angegeben werden. Schindlers Prognose zufolge muss die Welt bereits im Jahr 2030 mit weniger als der Hälfte des heute geförderten Öls auskommen.

Auch die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sieht "peak oil" kommen. Die dortigen Fachleute erwarten das globale Ölfördermaximum im Jahr 2020, eine vergleichsweise optimistische Annahme. Gemessen an den Modellzyklen der Automobilindustrie ist dieser Zeitpunkt allerdings weniger als zwei Fahrzeugenerationen entfernt.

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