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Das Ende der Spaceshuttles:Erfolg oder doch ein Fehlschlag?

"Spätestens damals hätte man den Shuttle durch ein Nachfolgemodell ersetzen sollen", sagt Logsdon. Die Blöße, viele Jahre ohne ein bemanntes Raumfahrzeug auskommen zu müssen, wollten sich die USA aber nicht leisten - ganz besonders nicht zu einer Zeit, in der das Pentagon den Raketenabwehrschirm SDI durchzusetzen versuchte.

Spaceshuttle

Darstellung der Spaceshuttle-Pläne aus dem Jahre 1972.

(Foto: Nasa)

Der Shuttle flog weiter - bis im Februar 2001 die Columbia beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auseinanderbrach. Doch selbst der eilig einberufene Untersuchungsausschuss erwog nicht das Ende der Shuttle-Flüge.

Während der verordneten Zwangspause musste er allerdings mitansehen, wie russische Sojus-Kapseln Amerikas Astronauten sicherer und billiger ins All brachten. "Wäre da nicht der nationale Stolz gewesen, wir hätten auf ewig mit den Russen fliegen können", sagt Logsdon.

Neben dem Stolz war es aber auch eine Art Pflichtgefühl, das die Raumfähren - trotz großer Sicherheitsbedenken - am Leben hielt: Ohne die gut 80 Kubikmeter große Ladebucht des Shuttles wäre der weitere Ausbau der Raumstation, auf den sich die USA zusammen mit 15 internationalen Partnern verständig hatte, nicht möglich gewesen.

"Wir werden zu Ende bringen, was wir angefangen haben", sagte US-Präsident George W. Bush Anfang 2004 in Washington. "Wir werden unsere Verpflichtungen erfüllen."

2010, mit der geplanten Fertigstellung der ISS, werde aber endgültig Schluss sein, verfügte jedoch der damalige Präsident. Nun ist es der Juli 2011 geworden, einmal mehr waren technische Probleme der alternden Raumfähren für die Verzögerung verantwortlich.

War das Shuttle-Programm letztlich ein Erfolg oder doch ein Fehlschlag? "Seine Leistungen waren durchwachsen", sagt John Logsdon.

John Shannon ist ganz anderer Meinung. "Ein 30 Jahre andauernder Fehlschlag? Das ist lächerlich", sagt der Nasa-Manager. "Wir waren es dem Shuttle-Programm vielmehr schuldig, nicht nach Columbia aufgehört zu haben, sondern jetzt, mit dem Ausbau der ISS, einen würdigen Schlusspunkt zu setzen".

Diesen Satz könnte auch William Shatner in dem Nasa-Werbefilm aufsagen.

(Der Film: Documentary auf der Seite http://www.nasa.gov/externalflash/the_shuttle/)

© SZ vom 08.07.2011/mcs
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