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Flugreisen:Wer fliegt, soll auch für die Umwelt zahlen

Arbeitskampf bei Lufthansa geht weiter - auch in NRW

Landung in Düsseldorf: Fliegen ist und bleibt klimaschädlich.

(Foto: dpa)

Wer in ein Flugzeug steigt, sollte sich wenigstens die CO₂-Kompensation leisten. Das gilt auch für Firmen, die ihre Mitarbeiter auf Reise schicken.

Gut 5300 Mal pro Woche startet irgendwo in Deutschland ein Billigflieger, das sind zehn Prozent mehr Starts als im Vorjahr. Zugleich sind die Ticket-Preise gefallen; je nach Airline liegen sie bei 50 bis 106 Euro pro Strecke. Das hat kürzlich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausgerechnet. Da kann man noch so schön über Flugscham diskutieren, die Fliegerei geht munter weiter.

Viele dieser Flüge könnte man einfach sein lassen, die innerdeutschen zum Beispiel (1923 Starts pro Woche). Es muss auch nicht jeder in den Pfingstferien nach Mallorca jetten (Spanien: 593 Low-Cost-Flüge pro Woche). Aber was ist mit Leuten, die zur Hochzeit eines Freundes wollen, zur Beerdigung der britischen Großmutter oder zu einer wichtigen Konferenz? Für sie gibt es - sofern die Reise sich partout nicht mit dem Zug machen lässt - keine gute, aber eine weniger schlechte Möglichkeit: Sie können die CO₂-Emissionen mit einer Spende kompensieren, etwa über Atmosfair.

Fliegen ist einfach teuer, auch wenn das Ticket noch so günstig ist

Diese Kompensationen sind umstritten, man kann in ihnen durchaus eine Art Ablasshandel sehen. Zwar kommt das Geld bei seriösen Anbietern sinnvollen, zertifizierten Klimaschutzprojekten zugute. Aber ganz genau weiß man nie, was auch ohne Spende realisiert worden wäre. Oder welche Nebeneffekte sie haben: etwa wenn eine Familie in Afrika sich dank des durch den effizienten Klima-Ofen gesparten Geldes irgendwann ein Motorrad leisten kann. Dann wäre der Familie geholfen, der Klimaschutz aber dahin.

Trotzdem sind Kompensationszahlungen ein Weg, wenigstens einen Bruchteil der Kosten zu übernehmen, die ein Flug verursacht. Nicht nur bei Billigfliegern liegen diese weit über dem Ticketpreis. Laut einer neueren Studie in Nature Climate Change verursacht eine Tonne CO₂ grobgeschätzt etwa 370 Euro. Auf einem Flug von München nach Madrid und zurück werden pro Person etwa 625 kg CO₂ ausgestoßen. Wollte man dafür geradestehen, könnte man auf den Ticketpreis 230 Euro draufschlagen. Die Kompensation hingegen macht nur etwa 15 Euro aus; rein rechnerisch reicht das, um das CO₂ anderswo wieder einzusparen. Nicht ideal, aber besser als nichts.

Manche Firmen leisten solche Zahlungen für alle dienstlichen Flüge. Auch die Bundesregierung gleicht Flüge der Beschäftigten an Ministerien und Bundesbehörden aus. In der Forschung hingegen ist es noch längst nicht Standard, und privat schon gar nicht, nur acht Prozent der Flugreisen werden in Deutschland kompensiert. Egal, ob es um Firmen oder Privatpersonen geht: Wer sich diese Zahlungen nicht leisten kann, sollte nicht fliegen. Dafür ist Fliegen einfach zu teuer, auch wenn das Ticket noch so günstig ist.

Leserdiskussion Flugreisen: Halten Sie finanzielle CO₂-Kompensationen für sinnvoll?

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Kompensationszahlungen an zertifizierte Klimaschutzprojekte sind ein Weg, einen Bruchteil der Kosten zu übernehmen, die ein Flug durch CO₂-Emissionen verursacht, kommentiert SZ-Autorin Marlene Weiß: "Wer sich diese Zahlungen nicht leisten kann, sollte nicht fliegen."