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Raumfahrt:Souvenirs vom Mond

(201202) -- BEIJING, Dec. 2, 2020 -- This image taken from video animation at Beijing Aerospace Control Center (BACC) o

Eine Grafik der chinesischen Sonde "Chang'e 5".

(Foto: Jin Liwang /imago images/Xinhua)

Die chinesische Sonde "Chang'e" hat offenbar erfolgreich Gesteinsproben gesammelt. Gelingt auch die Rückkehr, wäre es ein weiterer Meilenstein für Chinas Raumfahrtprogramm.

Von Marlene Weiß

Für einen so kurzen Aufenthalt war es eine lange Reise. Am 23. November war die chinesische Sonde Chang'e 5 vom Weltraumbahnhof Wenchang in Südchina gestartet, am Dienstagnachmittag deutscher Zeit setzte das Landemodul auf dem Mond auf. Zwei Tage Sightseeing, also Fotos der Umgebung machen, Souvenirs einpacken, nämlich Bodenproben, und am Donnerstag soll es schon wieder in den Mondorbit gehen, wo der Lander sein Mutterschiff trifft. Entspanntes Reisen sieht anders aus.

Aber es ist ja auch kein Kultururlaub, und die Hektik ist der Konstruktion geschuldet: Weil der Lander mit Solarkraft betrieben wird, muss alles innerhalb der zwei Wochen über die Bühne gehen, in der diese Stelle des Mondes Sonnenlicht bekommt. Das duldet keine Verzögerung, sobald die Mondnacht hereinbricht, ist das Modul alleine hilflos. Es ist Chinas anspruchsvollste Mondmission bislang. Sollte sie erfolgreich enden, wäre China nach den USA und der Sowjetunion erst der dritte Staat, der Gesteinsproben vom Mond zur Erde bringt; die ersten seit vier Jahrzehnten.

Heikel wird das Docking-Manöver

Zumindest bis Mittwoch scheint alles funktioniert zu haben. Laut chinesischen Staatsmedien bohrte sich das Gerät zwei Meter weit in den Mondboden hinein und entnahm eine Probe aus der Tiefe. Auch Staub und Geröll von der Oberfläche sollen mitgenommen werden. Heikel ist dann noch das Docking-Manöver mit dem Orbiter in der Mondumlaufbahn und natürlich die Landung auf der Erde.

Falls auch das gelingt, ist China ein weiterer, prestigeträchtiger Meilenstein gelungen. "In der Raumfahrttechnik gehört die Probenrückführung zur Königsklasse, danach kommt nur noch die bemannte Raumfahrt", sagt Ulrich Köhler, Planetengeologe vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). China hakt mit dem Chang'e-Programm seit Jahren eine Herausforderung nach der anderen ab. Mit Chang'e 6 soll noch eine weitere Sample-Return-Mission folgen, in den 2030er-Jahren sollen erstmals chinesische Taikonauten den Mond betreten.

Auch Wissenschaftler verfolgen den Flug mit Spannung. Die Mission könnte etwas vollenden, woran das Apollo-Programm scheiterte: Sehr altes und sehr junges Mondgestein für Untersuchungen zur Erde zu bringen.

Der Mond ist vor rund 4,5 Milliarden Jahren entstanden. Es folgte eine Phase, in der sich heiße Lava über die Oberfläche ergoss. Derweil kühlte der Mond immer weiter ab, heute ist er inaktiv. Aber wann war der letzte Vulkanausbruch? Manche Forscher schätzen, dass auf dem Mond seit rund einer Milliarde Jahren nicht mehr viel los ist, andere vermuten viel jüngere Ausbrüche. Wann der Mondvulkanismus endete, wäre nicht nur für die Geschichte des Mondes, sondern auch für das Verständnis der Planetenentwicklung relevant.

Darum freuen sich Forscher besonders, dass als Landeort das Vulkanmassiv Mons Rümker ausgewählt wurde, wo es noch sehr spät Ausbrüche gab - wann genau, kann man aus den Proben ablesen. "Zwar ist Chang'e 5 nun etwas entfernt davon gelandet, aber es könnte sein, dass die Probe trotzdem sehr junges Gestein enthält", sagt Köhler. Solches Material könnte neue Rückschlüsse über die Geschichte des Mondes, aber auch ein etwaiges früheres Magnetfeld oder im Gestein in Form von Hydroxylmolekülen gespeichertes Wasser erlauben.

© SZ
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