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Mount Everest:Plastik auf dem Dach der Welt

Für viele Bergsteiger ist der Mount Everest ein Sehnsuchtsziel. Doch auch auf dem höchsten Gipfel der Erde haben Klimawandel und Umweltverschmutzung bereits sichtbare Spuren hinterlassen.

(Foto: PRAKASH MATHEMA/AFP)

Selbst am Gipfel des Mount Everest finden sich künstliche Mikrofasern - und der Klimawandel lässt das Eis schmelzen.

Von Marlene Weiß

Es gibt verschiedene Maßstäbe, nach denen man den abgelegensten Punkt der Erde bestimmen kann. Man könnte sich für den tiefsten Punkt des Marianengrabens entscheiden, rund 11 000 Meter unter der Wasseroberfläche. Oder den Pol der Unzugänglichkeit mitten im Pazifik, 2688 Kilometer von der nächsten Küste entfernt. Aber sucht man in der Höhe, drängt sich ein Ort auf: Die Spitze des Mount Everest, des Bergs, der sich am weitesten über den Meeresspiegel erhebt (auch wenn der Gipfel des Chimborazo in Ecuador wegen der abgeflachten Form der Erde satte zwei Kilometer weiter vom Erdmittelpunkt entfernt ist, aber das ist ein anderes Thema).

Eben dieser Mount Everest war im vergangenen Jahr das Ziel der "Perpetual Planet"-Expedition, durchgeführt von National Geographic und der nepalesischen Tribhuvan-Universität, mitfinanziert von Uhrenhersteller Rolex. Sie sollte zeigen, wie sehr Klimawandel und Umweltverschmutzung sich bereits auf Bergsysteme auswirken, selbst in großer Höhe. Ein erster Teil der Ergebnisse wurde nun in einer Reihe von Forschungsarbeiten im Fachmagazin One Earth veröffentlicht.

Zwischen April und Juni des vergangenen Jahres waren 34 internationale Forscherinnen und Forscher, unterstützt von weiteren Bergsteigern, auf dem höchsten Berg der Welt unterwegs. Die meisten der Biologen, Geologen, Kartografen, Meteorologen und Glaziologen arbeiteten unterhalb des südlichen Everest-Basislagers auf 5270 Metern Höhe, nur ein Team musste bis knapp unter dem Gipfel aufsteigen, ein weiteres bis zu Base Camp II auf 6471 Metern Höhe.

Die Ergebnisse belegen erneut, was sich auch schon an vielen anderen schwer erreichbaren Orten der Erde gezeigt hat, ob in der Arktis, am Meeresgrund oder in der Wüste. Der Mensch hat auch dem Everest seinen Stempel aufgedrückt, selbst in der "Todeszone" oberhalb von 7000 Metern, wo Menschen nicht dauerhaft ohne zusätzlichen Sauerstoff überleben können. Das betrifft nicht nur zurückgelassenen Müll, Fäkalien sowie die menschlichen Überreste von Kletterern, die auf dem Berg zu Tode kamen und nie geborgen werden konnten, sondern das ganze System von Berg, Schnee, Eis und dünner Luft.

So wurden auch in Schneeproben von unmittelbar unterhalb des Gipfels Mikroplastik-Fasern gefunden, mutmaßlich stammen sie aus Kleidungsstücken oder Ausrüstung von Bergsteigern. Auch die Luft hat sich verändert: Die Erwärmung der Atmosphäre führt dazu, dass der Luftdruck am Gipfel steigt und Bergsteiger ohne Atemmaske etwas mehr Sauerstoff einatmen. Vor allem aber geht sogar oberhalb von 6000 Metern Höhe die Masse der Gletscher zurück. Seit 1962 haben die Gletscher rund um den Everest stellenweise mehr als 100 Meter Dicke eingebüßt.

Dadurch ist auch die Funktion der Berge als Wasserspeicher bedroht, die für die Wasserversorgung von fast zwei Milliarden Menschen entscheidend sind. Die Forscher haben drei Regionen als wichtigste Wassertürme der Welt identifiziert: Die Hindukusch-Himalaya-Gebirgszüge, insbesondere die Ursprungszonen von Indus und Ganges; die südlichen Anden, und die Berge von Westkanada. Weitere Expeditionen sollen auch die anderen beiden Regionen untersuchen.

Daten aus extremen Hochgebirgsregionen sind rar, weil Expeditionen dorthin einen enormen Aufwand bedeuten. Das "Perpetual Planet"-Programm soll dazu beitragen, diese Lücke zu schließen und so Entscheidungsträger in die Lage versetzen, veränderliche Wasserressourcen besser zu schützen.

© SZ
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