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Artenschutz:EU verbietet Bleischrot-Munition in Feuchtgebieten

Greifvogelstation ´Oppelhainer Pechhütte"

Bislang ist jeder dritte in Deutschland tot aufgefundene Seeadler an Bleivergiftung gestorben. Das soll sich nun ändern.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Lange wurde um diese Regelung gerungen. Sie soll Millionen Vögel jährlich vor dem Tod bewahren.

Von Thomas Krumenacker

Die Verwendung von Bleischrot bei der Jagd in Feuchtgebieten wird künftig EU-weit verboten. Nach jahrelanger Diskussion stimmten die Staaten im zuständigen Ausschuss für die europäische Chemikalienrichtlinie Reach am Donnerstag mehrheitlich einer entsprechenden Vorlage der EU-Kommission zu.

Mit dem Verbot soll der massenhafte Tod vor allem von Wasservögeln durch Bleivergiftungen beendet werden. Nach Daten der Europäischen Chemikalienagentur ECHA sterben in jedem Jahr etwa 1,5 Millionen Wasservögel qualvoll an Überresten der Jagd. Viele Enten, Gänse und andere Arten nehmen die winzigen Bleischrotkörner aus dem Wasser auf, weil sie sie für kleine Steinchen halten, die sie zur Verdauung schlucken. Auch viele Greifvögel verenden an Bleivergiftung, weil sie das Aas toter Tiere oder die von Jägern hinterlassenen Innereien von mit Blei geschossenen Tieren fressen. Jeder dritte tot in Deutschland aufgefundene Seeadler ist nach Untersuchungen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin Opfer einer Bleivergiftung geworden.

Um das Verbot wurde seit Jahren gerungen. Frühere Abstimmungen waren auch an der Uneinigkeit innerhalb der Bundesregierung gescheitert. Während Umweltministerin Svenja Schulze von Anfang an für ein Verbot war, hatte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sich lange gegen den Kommissionsentwurf gestellt. Sie hatte argumentiert, bleifreie Munition töte Tiere nicht so zuverlässig wie bleihaltige und sei deshalb aus Gründen des Tierschutzes problematisch. Zahlreiche wissenschaftliche Gutachten, die während des mehrjährigen Entscheidungsprozesses vorgelegt wurden, hatten jedoch ergeben, dass bleifreie Munition der herkömmlichen ebenbürtig ist. Zuletzt gab Klöckner nach.

Nach Daten der ECHA landen pro Jahr rund 5000 Tonnen Blei aus Schrotflinten in den ökologisch besonders sensiblen Feuchtgebieten wie Seen, Mooren oder Feuchtwiesen. Insgesamt gelangen in jedem Jahr sogar bis zu 21 000 Tonnen Blei durch Jagdmunition in die Umwelt. Die EU-Kommission bereitet deshalb derzeit auch ein weitergehendes Verbot für andere Formen von Munition wie Bleikugeln und in allen Lebensräumen vor. Zudem soll im Zuge dieses Verfahrens die Verwendung von Senkblei beim Angeln verboten werden. Hier wird frühestens Ende nächsten Jahres mit einer Entscheidung gerechnet.

Das nun beschlossene Verbot muss noch vom Europäischen Rat und dem Europaparlament bestätigt werden. Dies gilt aber als Formsache. Das Verbot soll nach einer Übergangsfrist von zwei Jahren in Kraft treten.

Um eine Mehrheit für ein Verbot zu errreichen, hat die EU-Kommission im Zuge der Verhandlungen erhebliche Zugeständnisse gemacht. So wurde die Pufferzone um Feuchtgebiete verkleinert, innerhalb derer ein Bleiverbot gilt. Auch auf das zunächst geplante komplette Besitzverbot für Bleimunition wurde verzichtet. Stattdessen soll es ein Mitführverbot bei der Jagd auf Wasservögel geben. Kritiker sehen hier ein Schlupfloch, weil die jetzige Regelung kaum zu kontrollieren sei. Einige europäische Länder und Regionen jagen ebenso wie US-Bundesstaaten bereits seit Längerem bleifrei. In Deutschland gilt an Gewässern bereits ein Bleischrotverbot in 14 der 16 Bundesländer.

Mehr als 50 000 Menschen, alle großen Umwelt- und Naturschutzverbände sowie Wissenschaftler hatten in den vergangenen Wochen eine Zustimmung Deutschlands zum Bleiverbot gefordert. Blei gilt als einer der gefährlichsten Stoffe auch für die menschliche Gesundheit. Es ist bereits in zahlreichen Produkten verboten, darunter in Benzin oder in Farben.

© SZ/weis
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