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Archäologie:Die älteste figürliche Darstellung der Welt zeigt ein Schwein

Dieses Schweinebild wurde vor 45500 Jahren gemalt.

(Foto: Maxime Aubert/AFP)

Auf der indonesischen Insel Sulawesi wurde eine prähistorische Höhlenmalerei neu datiert: Sie entstand vor 45 500 Jahren - ein Rekordalter.

Von Christian Weber

Ein borstiges Schwein mit Warzen im Gesicht hat sich als älteste bislang bekannte Darstellung eines Lebewesens auf der Welt entpuppt: Vor mindestens 45 500 Jahren hat ein prähistorischer Künstler es an die Wand einer Höhle im Süden der indonesischen Insel Sulawesi gemalt, daneben die Umrisse zweier menschlicher Hände. Die Zeichnungen waren zwar schon 2017 entdeckt worden, wurden aber erst jetzt exakt datiert anhand der Analyse der Zerfallsprodukte von radioaktivem Uran, das sich natürlicherweise im dortigen Kalkstein befindet und sich via Wasserfluss über dem Bild angelagert hatte. Das berichtet ein internationales Forscherteam um Adam Brumm vom Australian Research Centre for Human Evolution an der Griffith University in Brisbane im Fachmagazin Science Advances.

Auch wenn es sich hier um die älteste figürliche Darstellung handelt, ist das Sulawesi-Schwein vermutlich nicht das älteste Kunstwerk überhaupt. So halten manche Experten eine 73 000 Jahre alte Ocker-Kritzelei aus der Blombos-Höhle in Südafrika für den ältesten Ausdruck symbolischen Denkens, wobei manche auch zweifeln. "Es hängt davon ab, welche Definition von Kunst man nutzt", sagt der Archäologe Maxime Aubert von der Griffith University, ein Co-Autor der Studie.

Außerdem könnte es sein, dass sich demnächst irgendwo anders auf der Welt noch ältere Kunst findet. Allein auf Sulawesi, einer 174 000 Quadratkilometer großen Insel, haben Archäologen in den vergangenen 70 Jahren in rund 3oo Höhlen prähistorische Malereien gefunden.

Vor allem aber haben die Funde der vergangenen Jahre in Afrika und Asien widerlegt, dass die Kunst in Europa erfunden wurde. Noch vor Kurzem starteten die Autoren kunstgeschichtlicher Monographien meist mit der Höhle von Chauvet in Südfrankreich, wo vor ungefähr 36 000 Jahren Künstler begannen, Hunderte von Tieren an die Wände zu malen. Oder mit den ähnlichen alten tanzenden Bisons in der Altamira-Höhle in Nordspanien. Berühmt ist auch der Löwenmensch aus dem Lonetal in der Schwäbischen Alb, die Kleinskulptur aus Mammut-Elfenbein könnte bis zu 41 000 Jahre alt sein, auch eine der ältesten der Welt.

Wahrscheinlich sollte die wichtigste Folgerung aus den neuen Ausgrabungen sein, dass der künstlerische Ausdruck ein sehr altes und tief liegendes Bedürfnis aller Menschen ist und nicht irgendein neumodischer Luxus.

© SZ
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